Zweite Liga

Union braucht ausgerechnet gegen Köln ein Erfolgserlebnis

Union empfängt den designierten Aufsteiger in der ausverkauften Alten Försterei. Gegen den Spitzenreiter geht es vor allem um Wiedergutmachung für enttäuschende Darbietungen in den vergangenen Wochen.

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Es ist angerichtet. Freitagabend, 18.30 Uhr, Flutlicht in der Alten Försterei, 21.717 Zuschauer im ausverkauften Schmuckkästchen zu Köpenick – wenn der 1. FC Union den 1. FC Köln empfängt, weht noch einmal ein Hauch von Bundesliga durch den Südosten der Hauptstadt. Mit dem souveränen Spitzenreiter der Zweiten Liga spielt jene Mannschaft vor, die schon seit Wochen als Rückkehrer in die deutsche Eliteklasse gehandelt wird. Und diese ohne Zweifel auch schaffen wird.

Ein Partie, die sicherlich zum letzten Mal in dieser Spielzeit – und damit wohl auch für viele Monate – belegen wird, wie schön es hätte sein können in der kommenden Saison. Die Atmosphäre auf den Rängen dürfte jedenfalls eines Fußballfestes würdig sein, nicht zuletzt durch die rund 2500 Kölner Anhänger, die ihre Mannschaft auf den letzten Metern zurück ins Oberhaus enthusiastisch begleiten werden.

Es könnte in der Tat ein Abend voller ungetrübter Freude sein. Wenn, ja wenn Union nicht selbst für zu viel Katerstimmung in den vergangenen Wochen gesorgt hätte. Noch zu Jahresbeginn waren die Köpenicker Kicker voller Optimismus, den Traum vom erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga erfüllen zu können. Ein Vierteljahr später gibt es daran nur noch Erinnerungen, und selbst die verblassen rapide angesichts der Auftritte zuletzt.

Köpenicker holen nur zwei Siege in zehn Spielen

„Die Ergebnisse der vergangenen Wochen haben aufs Gemüt gedrückt“, bestätigte Trainer Uwe Neuhaus. Gerade einmal zwei Siege haben seine Schützlinge in diesem Jahr geholt, nur die Abstiegskandidaten Arminia Bielefeld (1) und Dynamo Dresden (0) haben weniger. Insgesamt waren es elf von 30 möglichen Zählern – macht Rang 13 in der Jahrestabelle 2014. „Das ist unbefriedigend für alle Beteiligten“, sagte Neuhaus.

Viel unbefriedigender war jedoch die Art und Weise, mit der die Berliner in der Mehrzahl der Spiele nach der Winterpause aufgetreten sind. Von Aufstiegskandidat war da nicht viel zu sehen. Gerade zuletzt in Aue „haben wir alles vermissen lassen“, sagte Fabian Schönheim. Allein dieser Umstand war für den Innenverteidiger „die größte Enttäuschung“.

Keine Frage, Union braucht gegen den Klassenprimus einen Sieg. Zumindest aber einen mehr als vernünftigen Auftritt. Einen, der belegt, dass die Köpenicker zu Recht eine Zeitlang vom Sprung in die Riege der 18 besten deutschen Mannschaften träumen durfte. Allein schon um die Stimmung innerhalb des Klubs und dessen Umfelds von im Minimum wechselhaft wieder mehr in Richtung heiter zu drücken. Durch die Erwartungen, die die Mannschaft mit ihren guten Leistungen bis zum Jahreswechsel geschürt hatte, „hat sich jeder etwas mehr erhofft, das ist nicht eingetreten“, sagte Neuhaus.

Trainer Neuhaus steht unter Beobachtung

Klar, dass in einer solchen Situation auch auf den Trainer geschaut wird. Die 2:3-Pleite im Ost-Derby in Aue am vergangenen Sonntag wird von Teilen der treuen Anhängerschaft auch Neuhaus angelastet. Weil er der erfolgreichen Cottbus-Formation mit zwei Stürmern und der Mittelfeldraute vertraute, was nach einem 2:0 gegen die Lausitzer durchaus nachvollziehbar gewesen ist. In Aue nicht früher umgestellt zu haben, um mit zwei defensiven Mittelfeldspielern ein wenig mehr Ruhe in die Defensive zu bekommen, ist es jedoch nicht.

Doch gerade gegen Köln wird taktische Flexibilität von allen Akteuren verlangt. Neuhaus selbst sagte über den designierten Aufsteiger: „Köln ist die Mannschaft, die in einem Spiel immer etwas verändern kann. Darauf müssen wir eine Antwort haben.“

Nur wenn die Köpenicker darauf schnell und richtig reagieren können, kann zumindest ein kleiner Teil der Wiedergutmachung für die Winterwochen gelingen. Wobei Schönheim nicht zu Unrecht anmerkt: „Die vergebenen Chancen kann man nicht wiedergutmachen.“

Verpflichtung gegenüber den Fans

Die verspielten Sympathien zurückgewinnen hingegen schon. „Gerade den Fans, die mit nach Aue gefahren sind und uns dort so großartig unterstützt haben, müssen wir viel zurückgeben“, nimmt Schönheim sich und seine Teamkollegen in die Pflicht.

Und dann ist da ja auch noch jener 4. November 2013, ein Montagabend, an dem Union als Tabellenzweiter beim punktgleichen Spitzenreiter Köln antrat - und mit 0:4 unterging. „Das Hinspiel haben wir noch nicht vergessen“, sagte Schönheim, „das wollen wir nicht noch einmal erleben.“ Wie tief der Stachel bis heute sitzt, verdeutlichte Kapitän Torsten Mattuschka, der das Debakel im Rheinland immer noch als „Arschtritt“ bezeichnet.

Gut möglich, dass Neuhaus zur Doppelsechs mit Damir Kreilach und Baris Özbek zurückkehren wird. Als einzige Spitze dürfte wohl Steven Skrzybski fungieren, dem gegen Aue sein erstes Saisontor gelang.

Kölns Trainer Stöger wünscht sich einen Sieg zum Geburtstag

Wichtig sei es, „dass wir einen klaren Kopf haben und alles andere beiseite schieben. Wir dürfen uns nur auf dieses Spiel konzentrieren, nicht auf andere Sachen“, forderte Neuhaus. Damit der Geburtstagswunsch des Kölner Trainers Peter Stöger („das Spiel gewinnen“), der am Freitag 48 Jahre alt wird, nicht in Erfüllung geht.

„Wir werden viel investieren müssen. Wenn wir aber die Leistung abrufen, die wir können, wird es schwer für Köln, dann können wir sie schlagen“, machte Schönheim in Optimismus.

Der könnte zurückkehren, wenn die Hausherren eine Leistung abliefern, die sie selbst und auch die Fans erhobenen Hauptes nach Hause gehen lässt. Erst recht, sollte tatsächlich der zweite Sieg im sechsten Duell mit dem FC gelingen. Es ist angerichtet.