Trainerkarussell

Pauli setzt gegen Union noch nicht auf Neu-Coach Frontzeck

Am Freitag will Union den Aufwärtstrend beim kriselnden FC St. Pauli fortsetzen. Die Hamburger werden dabei gleich von drei Trainern betreut.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Der FC St. Pauli ist eine Großbaustelle. Erst kürzlich waren auf dem benachbarten Heiligengeistfeld zwei Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden und entschärft worden. Dann gehen die Bauarbeiten für die neue Tribüne auf der Gegengeraden in den Endspurt, im Spätherbst dieses Jahres soll das Projekt fertig sein. Am Mittwoch wurde eine Personalie entschieden, die die größte Baustelle im Verein beseitigen soll: den ausbleibenden Erfolg beim Kiezklub. Die Vereinsführung entschied, Michael Frontzeck (48) mit dem Trainer-Posten zu betrauen. Allerdings wird Frontzeck, der zuletzt vom Juli 2009 bis zum 13. Februar 2011 Borussia Mönchengladbach betreut hatte, seinen neuen Job erst am Dienstag antreten. Das heißt, dass die Mannschaft des FC St. Pauli in der Partie am Freitag gegen den 1. FC Union noch von den Interims-Trainern Thomas Meggle, Timo Schultz und Mathias Hain betreut wird (18 Uhr, Sky live). St. Paulis Sportdirektor Rachid Azzouzi begründete das Vorgehen so: "Für uns alle und auch für Michael hat das Spiel am Freitag oberste Priorität. Der Fokus muss auf der Partie gegen Union Berlin liegen. Alles andere macht so kurz vorher keinen Sinn. In nur zwei Trainingseinheiten kann man nichts bewegen."

Frontzeck tritt die Nachfolge des in der Vorwoche entlassenen Andre Schubert an. Zuletzt war der FC St. Pauli verunsichert aufgetreten, die Fans waren enttäuscht. In der vorangegangenen Saison hatten die Hamburger den Bundesliga-Aufstieg als Zweitliga-Vierter nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses gegenüber Fortuna Düsseldorf verpasst.

Negativ-Rekord zum Start

Die aktuelle Bilanz aber ist bitter: Aus acht Partien haben die Hamburger sechs Punkte geholt, bei einer Torbilanz von 4:10. Nie ist St. Pauli schlechter in eine Zweitliga-Saison gestartet. Der Tiefpunkt einer Entwicklung, die in der Sommerpause dieses Jahres ihren Ursprung genommen hat, ist erreicht. Es waren die Wochen, in denen St. Pauli sein Gesicht verlor. Mit der Trennung das damaligen Sportdirektors Helmut Schulte verbinden viele den Startschuss für die Talfahrt. Nicht nur die Tatsache, dass man sich von Schulte trennte, auch die Umstände, die diese Personalie begleiteten, haben ein schlechtes Licht auf den Klub geworfen.

Wegen des verpassten Wiederaufstiegs in die Bundesliga in der vergangenen Saison sah die Klubführung unter Präsident Stefan Orth einen Wechsel auf dem Trainerposten für angebracht. Doch obwohl mit Marco Kurz schon alles klar gewesen ist, gelang es dem damaligen Coach Andre Schubert, die Klubbosse noch einmal umzustimmen. Schulte musste Kurz absagen und räumte seinen Platz. "Ich hätte vor mir selbst das Gesicht verloren", ließ er sich damals zitieren. Nach der Trainerposse fehlte Sportdirektor Schulte ein Vertrauensbeweis der St.-Pauli-Führung. Ein neuer Vertrag bis 2016 hätte die Risse vielleicht wieder kitten können. Doch Orth und Co. wollten festgestellt haben, dass "sich unsere Philosophien auseinander entwickelt" haben.

Kampf um den Klassenerhalt

Das Vertrauen in Schubert hielt bis zum 26. September. Nach der 0:1-Heimpleite gegen Aufsteiger Aalen hatten die FC-Oberen dann doch genug. Und entgegen der Rückendeckung für Schubert im Sommer hieß es nun: "Die Entwicklung haben wir seit Jahresbeginn gesehen. In der Rückrunde gab es Stillstand und jetzt eine Talfahrt", so Jens Duve, St. Paulis Vizepräsident für Sport. Ein Beleg dafür, dass Schubert schon zu Saisonbeginn auf verlorenem Posten gestanden hat. Pikant: Ausgerechnet Marco Kurz sollte nun doch Schubert beerben - und sagte eingedenk der Vorfälle im Sommer prompt ab.

Dass dieses Hin und Her nicht spurlos an der Mannschaft, die mit jeweils 14 Zu- und Abgängen ohnehin total umgekrempelt wurde, vorbeigehen konnte, versteht sich. Schulte-Nachfolger Azzouzi hatte schon nach der Aalen-Niederlage bei der Mannschaft "Ängstlichkeit und Verunsicherung" gesehen.

Von der Wiederholung des vierten Platzes aus der Vorsaison oder gar Aufstiegsträumen redet am Millerntor jedenfalls keiner mehr. Der FC St. Pauli kämpft um den Klassenerhalt. Den Kampf soll Frontzeck aufnehmen.