Zweite Liga

Der 1. FC Union Berlin spricht schon von Abstiegskampf

Fünf Spiele, vier Niederlagen: „Keiner ist zufrieden über den Saisonstart”, sagt Klubchef Zingler, stärkt Trainer Neuhaus aber den Rücken.

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Der Besuch hätte hochkarätiger kaum sein können. Dirk Zingler, der Präsident des 1. FC Union, ließ es sich am Sonnabendnachmittag nicht nehmen, sich ein Bild vom Zustand der Mannschaft zu machen. Dabei hatte er eigentlich nur zum Treffen eines Fanklubs gehen wollen, das später am Tag an der Alten Försterei stattfand.

Doch das 1:2 in Ingolstadt vom Freitagabend, die vierte Niederlage im fünften Spiel der Zweiten Liga, war allgegenwärtig, natürlich auch beim Klubchef. „Keiner ist zufrieden über den Saisonstart. Es sind zu wenig Punkte da, wir hatten uns mehr erhofft. Wir stehen aber immer noch am Anfang der Saison“, sagte Zingler also.

Doch die Weichen, wohin die Reise gehen wird, werden meist zu Beginn einer Spielzeit gestellt. Und derzeit sieht es eher danach aus, als ob sich die Köpenicker mit dem Kampf um den Klassenerhalt beschäftigen sollten, als mit dem Erreichen des hehren Saisonzieles, das da lautet: Platz fünf bis sieben. Die Klubführung behält trotz der Krise die Ruhe. „Für mich ist es dann eine Krise, wenn der Verein in der Krise ist. Der Verein ist aber so stabil wie noch nie in seiner Geschichte“, sagte Zingler: „Dazu hat insbesondere die sportliche Entwicklung in den vergangenen Jahren entscheidend beigetragen. Wenn es heute notwendig ist, dass der Verein mal dem Sport hilft und sich schützend davor stellt, dann werden wir das tun.“

Konkret bedeutet dies: Vollstes Vertrauen in die Fähigkeiten der sportlichen Leitung um Trainer Uwe Neuhaus. „Mein Vertrauen ist riesengroß. Je länger man zusammenarbeitet, desto besser kennt man sich und versteht, was der andere tut. Ich sehe ja jeden Tag, wie in der sportlichen Leitung gearbeitet wird. Das Vertrauen sinkt nicht deshalb, nur weil Spiele nicht gewonnen werden“, so Zingler. Das klingt schon fast so, als würde Union im schlimmsten Fall auch mit Neuhaus in die Dritte Liga gehen.

So weit ist es in Köpenick allerdings noch nicht. Was nicht heißt, dass die Mannschaft die Augen vor der Realität verschließt. „Wir werden die Situation nicht schön reden. Uns ist bewusst, in welcher Lage wir sind. Trotzdem müssen wir unsere Arbeit mit klarem Kopf weiter durchführen“, erklärte der Coach. Seine Spieler fanden drastischere Worte. „Klar stecken wir in der Krise. Wie soll man das sonst bezeichnen, wenn man nur einen Punkt aus fünf Spielen hat“, sagte Tijani Belaid. Torsten Mattuschka ging sogar noch einen Schritt weiter. „Jetzt befinden wir uns im Abstiegskampf“, ließ der Kapitän wissen. Selbst Neuhaus, obwohl die eindeutigen Begriffe nicht gebrauchend, wollte dem nicht widersprechen: „Die Tabelle ist eindeutig. Mir könnte ja auch rausrutschen: Mit fünf Siegen sind wir wieder im Mittelfeld der Tabelle. Aber da wäre ich schlecht beraten.“

Denn der Auftritt in Ingolstadt machte kaum Hoffnung auf Besserung, zumal nun eine englische Woche bevorsteht mit den schweren Partien gegen den 1. FC Köln (21.9.), bei Erzgebirge Aue (26.9.) und gegen Energie Cottbus (29.9.). „Dass wir Probleme nach vorne haben, haben alle Spiele gezeigt“, bilanzierte Neuhaus. Union hat meist mehr Ballbesitz, auch vom Einsatz ist den Köpenicker Kickern kaum ein Vorwurf zu machen. Doch es fehlt die spielerische Idee, Chancen zu kreieren. „Wir haben auch Schwierigkeiten, gefährliche Bälle in den Strafraum zu schlagen“, fügte Neuhaus hinzu. Die Stürmer hängen buchstäblich in der Luft.

Inzwischen ist die Verunsicherung in der Mannschaft so groß, dass selbst Spieler, die bislang zu den zuverlässigeren Akteuren zählten, Fehler produzieren. Wie nun in Ingolstadt. Statt den Ball humorlos irgendwo hinzudreschen, notfalls auch ins Seitenaus, versuchte sich Markus Karl im Dribbling – und zog gegen drei Mann den Kürzeren. „Den muss er einfach weghauen“, rügte Neuhaus seinen defensiven Mittelfeldspieler zu Recht. Die Folge war eine Flanke, die Fabian Schönheim in die Mitte des Strafraums klärte, statt den Ball – ebenfalls humorlos – ins Toraus zu befördern oder auf die Tribüne.

Fehler – „das vielleicht typischste Symptom, wenn man unten drin steht“, so Neuhaus: „Aber wir waren in keinem Spiel derart unterlegen, dass wir sagen müssten: Wir planen schon mal für die Dritte Liga“. Gelingt dem Tabellenvorletzten aber nicht schleunigst eine Erfolgsserie, wird der Klub jedoch wohl kaum darum herumkommen.