Zweite Liga

Die Euphorie ist bei Union Berlin schnell verflogen

Nur ein Punkt aus zwei Spielen: Union-Trainer Uwe Neuhaus bemängelt fehlende Offensiv-Qualität. Problemzone ist auch die linke Seite.

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3:3 in Kaiserslautern, 0:1 gegen Braunschweig, nur ein Punkt aus den beiden Auftaktspielen für den 1. FC Union – rund um die Alte Försterei ist nach den ersten 180 Ligaminuten schon Enttäuschung zu spüren. „Sicher haben wir uns das anders vorgestellt“, sagte Uwe Neuhaus, der Trainer des Fußball-Zweitligisten: „Doch davon geht die Welt nicht unter.“ Auch Michael Parensen versucht, das Geschehene schnell abzuhaken: „Sicher war die Euphorie groß, auch wegen des Stadionbaus. Aber wir sind ja erst noch dabei, uns zu finden.“

In Köpenick versucht man, mit kühlem Kopf nach vorn zu schauen. „Was nutzt es, wenn ich in so einer Situation jetzt alles in Grund und Boden rede. Das ist wenig hilfreich. Und es bringt doch nichts, wenn jeder sich kleiner macht, als er ist, und mit Angst ins Training geht.“ Der Coach sagt aber auch: „Sicherlich hatten wir fehlende Qualität nach vorne.“ Genau das ist das Problem, dass es vor den nächsten Aufgaben so schnell wie möglich zu lösen gilt. Denn die nächsten Gegner Rot-Weiss Essen (DFB-Pokal), Aufsteiger SV Sandhausen und schließlich Lokalrivale Hertha BSC sind alles andere als Kontrahenten, die man mal einfach so auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Stichwort mangelnde Durchsetzungskraft im Angriff. Vor allem gegen Braunschweig hing das Sturmduo Silvio und Simon Terodde über weite Strecken in der Luft. Lediglich Terodde kam zu einer Chance, die er leichtfertig vertändelte. „Ich komme nicht zum Abschluss, weil ich Probleme bei der Ballmitnahme hatte“, erklärte der 24-Jährige. Von der Leistung aus der vergangenen Rückrunde, in der ihm alle seine acht Saisontreffer gelangen, ist Terodde jedenfalls noch ein gutes Stück entfernt. Erklärungsversuche. „In zwei Spielen habe ich einmal aufs Tor geschossen, das ist für einen Stürmer natürlich zu wenig. Ich müsste mehr Anspiele bekommen, auch selbst mehr arbeiten, die Bälle noch besser behaupten. Ich brauche einfach mehr Chancen.“ Parensen ergänzte: „Die allerletzte Konsequenz vermisse ich schon noch ab und zu bei uns. Vielleicht reizen wir unser Spiel auch zu lange aus und müssen früher den Abschluss suchen.“ Doch die Anspiele oder Flanken kamen meist zu unpräzise. Womit deutlich wird, dass das Mittelfeld derzeit noch die Zielstrebigkeit vermissen lässt.

Auch wenn Trainer Neuhaus seinem Team in Sachen Einstellung „keinen Vorwurf machen kann“, Zufriedenheit sieht anders aus. Weil die Spieler seine Vorgaben nicht umgesetzt haben. Angesichts des Mittelfeldtrios Zoundi, Belaid und Jopek hatte er den Seinen einen klaren Auftrag mit auf den Weg gegeben: „Ich erwarte Balleroberung.“ Das gelang nur bedingt, „weil wir zu viele Pausen gemacht haben“, begründete Neuhaus.

Wenn dann mit Tijani Belaid auch noch der Akteur, der im Zentrum das Spiel lenken soll, für längere Spielabschnitte untertaucht, kommt die Union-Offensive ins Stocken. Keine gute Voraussetzung, um das angestrebte Ziel (Platz fünf bis sieben) auch zu erreichen. Erst der eingewechselte Torsten Matuschka „hat das Spiel einigermaßen geordnet“, sagte selbst der Coach. Dass die Formkurve des Kapitäns weiter nach oben zeigt, ist ohne Zweifel kein Nachteil für die Köpenicker.

Und noch etwas wurde deutlich. Seit dem Weggang von Chinedu Ede – der Mittelfeldspieler war einer Offerte des Bundesligisten FSV Mainz 05 gefolgt – muss Unions linke Seite als Problemzone bezeichnet werden. Jedenfalls, so lange Patrick Kohlmann weiter ausfällt. Am Montag sah man den Linksverteidiger, der an einer Bauchmuskelzerrung laboriert, auf dem Rad eine Übungseinheit verrichten. Den Heilungsverlauf bezeichnet er als „sehr mühsam“. Mit Parensen als Kohlmann-Ersatz in der Defensive fehlt den Berlinern jedoch ein Dampfmacher im Mittelfeld. Der 18-jährige Björn Jopek machte gegen Braunschweig seine Sache zwar ordentlich, doch die Idee des Trainers, durch den Zweitliga-Debütanten „über die spielerische Variante besser nach vorn zu kommen“, blieb zu oft im Ansatz stecken. Und ob Zugang Luis Felipe Gallegos, auf dessen Spielgenehmigung Union noch wartet, die Lücke adäquat schließen kann, bleibt abzuwarten.

Einziger Mutmacher: Auch in den vergangenen beiden Saisons startete Union mit nur einem Zähler aus zwei Partien und brachte es am Ende auf respektable Spielzeiten. Neuhaus: „Da kam aber dann das Pokal-Aus dazu. Das wollen wir nun natürlich mit aller Macht verhindern. Jeder weiß, was die Stunde geschlagen hat.“ Ob sie es wirklich wissen, wird sich erst am Montag in Essen zeigen.