Zweite Liga

Union kann Nummer eins im Fußball-Osten werden

Das Spiel des Berliner Zweitligisten gegen Aue ist ein Kampf um Prestige: Es geht um nichts weniger als die Vormachtstellung in der Region.

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Ist dies als Ernst gemeintes Lob zu verstehen, oder zählt die von Karsten Baumann getätigte Einschätzung des Gegners vielleicht doch nur als übliches Geplänkel vor einem brisanten Spiel? Als „Fürth light“ hatte der Trainer des FC Erzgebirge Aue die Mannschaft des 1. FC Union tituliert.

Ähnlich wie der Aufstiegsaspirant würde auch der Berliner Fußball-Zweitligist über Kurzpassspiel und schnelles Umschalten versuchen, zum Erfolg zu kommen. Auf der anderen Seite lobte Uwe Neuhaus den Aufwärtstrend der Sachsen – und warnte die Seinen sogleich davor: „Mit acht Punkten aus den vergangenen vier Spielen hat sich Aue im Abstiegskampf sehr gut befreien können.“

Wie immer, wenn zwei Klubs in einem Derby aufeinander treffen, steht keineswegs ein Spiel wie jedes andere bevor. Dortmund gegen Schalke, Bayern gegen Nürnberg, Hamburg gegen Bremen – in jedem Duell geht es immer auch um die Vormachtstellung in einer bestimmten Region.

Und so kommt dem Ostderby zwischen Union und Aue am Donnerstag (18 Uhr, Alte Försterei) vor allem aus Berliner Sicht eine besondere Bedeutung zu. Es ist für Union das erste Endspiel um die Nummer eins im Fußball-Osten.

„Die Partie hat schon einen gewissen Stellenwert“, sagte Neuhaus. Es geht um Prestige, um viel Prestige, dass Union natürlich gern einheimsen möchte.

Gute Entwicklung abseits des Rasens

Für den Klub, der zu DDR-Zeiten und auch nach dem Mauerfall lange nur eine untergeordnete Rolle im Vergleich zur namhafteren Konkurrenz gespielt hatte, wäre es das erste Mal im Profifußball, am Saisonende besser dazustehen als Cottbus, Rostock oder eben Aue.

Zugleich wäre es ein weiterer Schritt, sich in der Branche zu verankern. So sagte denn auch Coach Neuhaus ohne Umschweife: „Wenn es so kommt, dann zeigt das auch, dass wir eine gute Saison gespielt haben.“ Der Entwicklung des Klubs abseits des Rasens wäre damit auch ein sportliches Äquivalent gesetzt.

Der Verkauf der Stadionaktion, die die neue Haupttribüne mitfinanzieren sollen, und Bilanzen, die am Ende eines Geschäftsjahres inzwischen schwarze statt rote Zahlen ausweisen, haben in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, Union mehr als nur einen dünnen Anstrich von Seriosität zu geben.

Die Mitgliederzahl – ohne Zweifel begünstigt durch die Stadionaktien – hat längst die fünfstellige Marke überschritten. Stand Januar dieses Jahres waren 10.014 Mitglieder bei Union registriert, nur Dynamo Dresden (11.528) kann da eine höhere Zahl ausweisen.

Rostock (7015), Aue (2447) oder gar Cottbus (1847), in den vergangenen Jahren der Klub mit den größten Meriten im Profigeschäft, können da nicht mithalten.

Keine Motivationsprobleme

Uwe Neuhaus und sein Team scheinen jedenfalls bereit, um den imaginären Ost-Titel zu kämpfen. Zum einen, weil sie nach dem 0:2 von Karlsruhe doch einiges gut zu machen haben. Nach dem müden Auftritt vom Sonntag „kann jetzt jeder beweisen, dass wir keine Motivationsprobleme haben“, sagte zum Beispiel Markus Karl.

Zum anderen hat der Trainer bereits angekündigt, dass „das Spielerische vielleicht auch ein klein wenig auf der Strecke bleiben wird“. Aue sei bekannt für seine Kampf- und Laufbereitschaft. Vor allem Halil Savran, in der Winterpause von Union ins Erzgebirge gewechselt, wird es seinen Ex-Kollegen zeigen wollen.

Bei Union hofft man, dass sich Stürmer Simon Terodde für seinen Einsatz mal wieder mit einem Tor belohnt. Drei Punkte heute gegen Aue, und Union würde sich nicht nur in der Zweitliga-Tabelle, sondern auch in der internen Ost-Meisterschaft nach vorn schieben.

Nach 15 gespielten von insgesamt 20 Ostderbys in dieser Saison ist derzeit nur eine Mannschaft besser – Erzgebirge Aue.

So wollen Sie spielen: Glinker – Pfertzel, Menz, Göhlert, Kohlmann – Karl – Quiring, Mattuschka, Ede, Parensen – Terodde.