Zweite Liga

Unions Start ins wichtigste Halbjahr der Historie

Für den 1. FC Union wird es ernst: Der Berliner Zweitligist startet gegen Paderborn in die Rückrunde und will den Grundstein für die kommenden Monate legen. Aus wirtschaftlicher Sicht ist der Verein gut aufgestellt, jetzt sind die Spieler am Zug.

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Nein, von einem lockeren Einspielen für die kommende Saison will man an der Alten Försterei nichts wissen. Oder gar von einem Schaulaufen nach der besten Zweitliga-Hinrunde aller Zeiten. Spieler, Trainer und Verantwortliche des 1. FC Union wissen nur zu genau, wie wichtig die restlichen 15 Partien der Saison 2011/12 für den Köpenicker Klub sind. Wenn die Berliner Freitagabend beim SC Paderborn (18 Uhr, Sky live) ins Pflichtspieljahr starten, geht es vor allem darum, nicht die Reputation zu verspielen, die man sich in den vergangenen Monaten erarbeitet hat. Und gleichzeitig den Grundstein zu legen, um in Zukunft doch mehr anzustreben als nur einen vorderen Mittelfeldplatz.

„Wenn wir es geschafft haben, die neue Haupttribüne zu bauen, werden wir natürlich auch versuchen, dauerhaft unter die ersten Sechs zu landen und irgendwann auch um den Bundesliga-Aufstieg mitzuspielen“, sagte Union-Präsident Dirk Zingler Morgenpost Online. Was wie ein ausgeklügelter Plan klingt, die Entwicklung des Klubs weiter voranzutreiben, ist dabei eigentlich mehr als Marschroute für die kommenden Monate gedacht. Ein Leitfaden, der Union die Richtung im Profifußball weisen soll. „Wenn ich eines gelernt habe in den vergangenen siebeneinhalb Jahren: Bitte keine Fünfjahrespläne mehr“, so Zingler weiter. Seit Sommer 2004 ist er Klubboss der Eisernen. Und nun, da sich der Verein auch sportlich in der Liga etabliert hat, gilt es, höhere Ziele anzustreben.

Acht Punkte vom Aufstieg entfernt

Erster Schritt dafür ist die Steigerung der sportlichen Qualität. „Statt Siebter Sechster werden, dann haben wir noch mal eine richtig gute Halbserie gespielt“, legt Trainer Uwe Neuhaus schon jetzt die Latte ein wenig höher. Auch um gleich vor dem Sturz in jene Grauzone zu warnen, der bei einer Niederlage beim Überraschungsteam aus Paderborn eintreten könnte. Acht Punkte trennen Union derzeit von einem Aufstiegsplatz, gar deren 17 von der Abstiegszone, da heißt es, schon jetzt Anreize zu schaffen, damit die Spieler nicht doch irgendwann Gefahr laufen, sich hängen zu lassen.

Zum Beispiel durch das Anfeuern des Konkurrenzkampfes um die Stammplätze. „Jeder muss hundert Prozent geben, um in die Startelf zu kommen“, sagte Neuhaus, insofern mache er sich keine Sorgen, dass es dem Team an Motivation mangeln wird. Auch aus diesem Grund wurde kurz vor Transferschluss noch mit Tijani Belaid ein offensiver Mittelfeldspieler verpflichtet, der etablierten Spielern wie Kapitän Torsten Mattuschka ein wenig Dampf machen soll.

Kein Pappenstiel

Dann ist da natürlich auch noch gutes Geld zu verdienen. Um im Bild des Trainers zu bleiben: Der Sprung von Rang sieben auf sechs macht am Saisonende einen Unterschied von 300.000 Euro bei den Einnahmen aus den Fernsehgeldern aus. Für einen Klub wie Union kein Pappenstiel, trotz eines Etats von rund 15 Millionen Euro. „Da so viel wie möglich herauszuholen, ist natürlich immer in unserem Interesse“, sagte Neuhaus. Die Rechnung ist einfach: Mehr Einnahmen bedeuten einen größeren Etat und damit auch bessere finanzielle Möglichkeiten für die Lizenzspielerabteilung, das spielerische Niveau zu erhöhen.

Dass mit Paderborn sogleich ein starker Gegner wartet, kommt den Unionern durchaus gelegen. „Das ist gleich ein erster Gradmesser, dann wissen wir, ob wir in der Winterpause gut gearbeitet haben“, sagte Mattuschka. Wobei sein Coach schon jetzt weiß: „Gegenüber den Testspielen müssen wir noch ein paar Prozent drauflegen. Doch wir fahren in jedem Fall dorthin, um zu gewinnen.“ Dafür müsste jedoch zunächst eine Negativserie der besonderen Art beendet werden. Denn in den bisherigen vier Begegnungen in Paderborn gelang Union nicht ein einziger Treffer. „Es wird Zeit, diesen Bock umzustoßen“, fordert Mittelfeldspieler Michael Parensen.

In einem Punkt zählt Union immerhin schon zu den Gewinnern der Saison. Denn während die Zweite Liga in 2010/11 insgesamt Schulden in Höhe von 18,9 Millionen Euro anhäufte, gelang es Union, die vergangene Spielzeit mit einem positiven Ergebnis abzuschließen – und das zum dritten Mal in Folge. „Wir haben ein Auge darauf, dass auch in der Zweiten Liga seriös gewirtschaftet wird“, sagte Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL), vor wenigen Tagen. Unions Klubobere haben jedenfalls ihre Hausaufgaben gemacht. Ab Freitag sind die Spieler aufgefordert, die ihren zu erledigen.

So wollen sie spielen: Glinker – Pfertzel, Stuff, Menz, Kohlmann – Karl – Quiring, Ede – Mattuschka – Silvio, Terodde.