Fußball

Union vor Punktspielstart noch nicht in Bestform

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Michael Färber

Foto: dpa / dpa/DPA

Drei Tage vor dem ersten Punktspiel im neuen Jahr liegt bei Union noch einiges im Argen: Obwohl sie das Testspiel gegen Kopenhagen gewonnen haben, ist Trainer Neuhaus nicht zufrieden – vor allem mit der Einstellung. Auch der Sturm macht Sorgen.

Der Montag stand beim 1. FC Union ganz im Zeichen der Regeneration. Vormittags Training, am Nachmittag bekamen die Profis des Berliner Fußball-Zweitligisten frei. Bei der Einheit im B1-Center in Schöneiche dürfte aber vor allem geredet worden sein. Denn auch wenn das letzte Testspiel gegen AB Kopenhagen mit 2:1 gewonnen wurde: Die Partie hat wenige Tage vor dem Punktspielstart beim SC Paderborn am Freitag (18 Uhr und im LIVE-Ticker von Morgenpost Online ) mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gegeben. Selbst Trainer Uwe Neuhaus sagt: „Wie weit wir wirklich sind – da bleiben Fragezeichen.“

Zum Beispiel: Stimmt die Einstellung wenige Tage vor dem Punktspielstart? Just vor der Generalprobe gegen den dänischen Zweitligisten fehlte es offenbar einigen am nötigen Einsatz. „Ich war mit den Trainingsleistungen nicht hundertprozentig zufrieden“, sagte Neuhaus: „Ich hatte den Eindruck, dass wir immer noch erst mitten in der Vorbereitung sind und einige Spieler nicht so an ihre Grenzen gehen wollten.“ Deshalb hatte sich der Coach entschieden, gegen Kopenhagen noch etwas auszuprobieren.

Stammspieler nur eine Halbzeit dabei

Kapitän Torsten Mattuschka, Christian Stuff und Christopher Quiring – alle Stammspieler – kamen jedenfalls überraschend erst in der zweiten Halbzeit zum Einsatz. Dafür agierte Silvio hinter den Spitzen, mühten sich Ahmed Madouni in der Innenverteidigung und Chinedu Ede auf der rechten Seite. Neuhaus erklärte zwar, „dass die Wechsel so geplant gewesen sind“. Doch dies bezog sich vor allem auf Michael Parensen, der gerade erst von seinem Bänderriss im Sprunggelenk genesen ist und noch nicht über die volle Distanz gehen sollte. Fakt ist: Unter Disziplin-Fanatiker Neuhaus, der immer wieder betont, wie entscheidend für ihn die Leistungen im Training sind, wird ein Nachlassen konsequent bestraft.

Kann das taktische Verhalten zum Problem für den weiteren Saisonverlauf werden? Der Tenor vor den restlichen 15 Spielen der Saison 2011/12 war einstimmig. Man wolle die beste Zweitliga-Hinrunde der Klubhistorie bestätigen, sogar schauen, ob vielleicht doch noch etwas nach oben geht. Dafür müssen jedoch alle Mannschaftsteile ineinander greifen.


„Insgesamt haben wir uns zu tief fallen lassen“, monierte Neuhaus, „da waren die Räume zwischen Abwehr und Mittelfeld deutlich zu groß.“ Es war den harmlosen Kopenhagenern zu verdanken, dass Union nicht vor größere Probleme gestellt wurde.

Ein Angriff auf die Spitzenplätze ist mit solchen Lücken im eigenen taktischen Gerüst nicht möglich. Den Raum, den die Unioner in ihrer eigenen Hälfte dem Gegner bieten, werden vor allem spielstarke Mannschaft wie Fortuna Düsseldorf oder Eintracht Frankfurt zu nutzen wissen. Gegentore sind da nur eine Frage der Zeit.

Sorgen im Angriff

Vor allem im Sturm scheint Neuhaus Sorgen zu bekommen. Nur der Brasilianer Silvio scheint derzeit auf Ballhöhe zu sein. Ob Simon Terodde oder John Jairo Mosquera – keiner hat sich für einen Einsatz in Paderborn von Beginn an wirklich empfehlen können. Beide Angreifer ließen allerbeste Einschussmöglichkeiten ungenutzt, sei es aus Nahdistanz oder völlig frei vor dem Tor. „So klare Torchancen muss man verwerten, da gibt es kein Wenn und kein Aber und keine Ausreden“, sagte Neuhaus. Wobei Terodde Mosquera in dieser für Torjäger wenig schmeichelhaften Kategorie noch überboten hat. „Das war ja schon Slapstick“, so der Trainer.

Vor allem für Teroddes Selbstvertrauen werden die Fehlschüsse nicht förderlich gewesen sein. Dabei war die Hoffnung groß, dass die Leihgabe des 1. FC Köln nach überstandener Knieverletzung vom Herbst 2011 und erstem Saisontreffer im Dezember (beim 4:0 gegen den FSV Frankfurt) seine Ladehemmung überwunden hat. Zumal der Vertrag des 23-Jährigen bei Union im Sommer endet.

Reicht die Zeit, um den Kader bis Freitag in Schwung zu bekommen? Drei Trainingseinheiten bleiben dem Trainer noch, um sein Team auf Kurs zu bringen. Zwar solle die Partie gegen Kopenhagen keinen Aufschluss darüber geben, wer am Freitag spielen wird. „Wir haben eine eingespielte Mannschaft, ein, zwei Wechsel spielen da keine Rolle“, erklärte Neuhaus, fügte aber hinzu: „Selbstkritisch ist jeder im Team, jetzt haben wir auch allen Grund dazu.“