Mitgliederversammlung

Stadionaktie bringt Union 2,7 Millionen Euro

5473 Stadionaktien hat Union Berlin an die Fans gebracht, zum dritten Mal in Folge am Ende einer Spielzeit einen Gewinn verbucht und zudem die magische Grenze von 10.000 Mitgliedern geknackt. Trotzdem wird der Zweitligist in der kommenden Saison wirtschaftlich stagnieren.

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Das Stadion war eigentlich gar nicht das Thema in der Ballsporthalle Hämmerlingstraße, dennoch war die Arena bei allen Anwesenden am Donnerstagbend Gesprächsthema Nummer eins. Schließlich galt ihm zuletzt der Großteil der Aufmerksamkeit beim 1.FC Union. Und so wurde auf der Mitgliederversammlung mit Spannung die Bekanntgabe der Aktienanzahl erwartet, die die „An der Alten Försterei“ Stadionbetriebs AG im Dezember 2011 verkaufen konnte.

Was Präsident Dirk Zingler den Unionern präsentierte, darf durchaus als beachtlich bezeichnet werden. Exakt 5473 Aktien im Wert zu je 500 Euro wurden an insgesamt 4141 Zeichner (darunter 75 Unternehmen) abgegeben. Zum Vergleich: Beim FC St. Pauli hatten rund 5000 Fans Klubanleihen erworben, obwohl diese sogar schon für 50 Euro zu haben gewesen sind. Somit sei die Ausbeute für Union „ein sehr, sehr gutes Ergebnis“, bilanzierte Zingler die Einnahme von 2.736.500 Euro, die den Fremdkapitalanteil beim Bau der 15 Millionen Euro teuren neuen Haupttribüne mindern sollen. „Wenn mir jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, dass wir heute Besitzer des Stadions sind, noch dazu mit solchem Eigenkapital-Anteil, dem hätte ich einen Vogel gezeigt“, gab der Klubchef einen Einblick in sein Seelenleben.

Durch die 43,88 Prozent, die sich nun in Streubesitz befinden, sowie den nun 32,14 Prozent, die der Verein am neuen Gesamtkapital der Stadion AG (6.236.500 Euro) hält, obliegt es ausschließlich den Klubmitgliedern, weitgreifende Änderungen wie den Verkauf des Stadionnamens und des Stadions oder auch den Einstieg von Investoren zu beschließen – oder zu verhindern. „Wir wollten direkte Mitbestimmung und direkte Teilhabe erreichen – das haben wir geschafft“, erklärte Zingler. Der Applaus der Anwesenden war ihm jedenfalls Gewiss.

Und doch, das machte der Vereinsboss deutlich, stößt der Fußball-Zweitligist unter den gegebenen Umständen an seine Grenzen. Die Zusammenarbeit mit Vermarktungspartner Ufa Sport mache sich zwar bezahlt, derzeit zählt Union 208 Sponsoren. „Weiteres Wachstum ist infrastrukturell aber nicht möglich. Wir werden nächste Saison stagnieren“, verdeutlichte Zingler. Nicht zuletzt wegen des Tribünenbaus, der eben jene Stagnation in den nachfolgenden Jahren verhindern soll, dank mehr Vip-Logen und Business-Seats. Somit wird die neue Tribüne das letzte Mosaiksteinchen sein, um sich endgültig in Profifußball zu etablieren.

„Die Schritte werden kleiner, aber es ist wichtig, dass sie gegangen werden“, schiebt der Klubchef aller übermäßigen Euphorie einen Riegel vor. Und zwar energisch: „Jegliche Ungeduld im Verein wird vom Präsidium mit aller Wucht bekämpft.“ Es gelte wie schon in den vergangenen Jahren Kontinuität in allen Bereichen. Zingler: „In der Phase, in der wir uns stabilisieren, dürfen wir uns nicht verrückt machen lassen. Und das Leistungsniveau der Hinrunde muss erst einmal über einen längeren Zeitraum bestätigt werden.“

Dass der eingeschlagene Weg dennoch richtig ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen. So konnte mit knapp 15.000 Euro für 2010/11 zum dritten Mal in Folge ein Gewinn am Ende einer Spielzeit ausgewiesen werden. Für die aktuelle Spielzeit konnte Union den Etat von geplant 15,36 Millionen im Vergleich zur Vorsaison um rund 20 Prozent erhöhen, die Ausgaben für die Lizenzspielerabteilung wurden um 1,2 auf 7,77 Millionen Euro gesteigert. „Und die Ausgabenpositionen sind noch nicht voll ausgereizt“, sagte Zingler. Zudem hat die Mitgliederzahl in den vergangenen Tagen sogar die magische Grenze von 10.000 überschritten. Vor allem dank der Ausgabe der Stadion-Aktien kamen mehr als 2000 neue Mitglieder nach Köpenick.