Fußball

Union verkauft über die Hälfte der Stadionaktien

Bis zum Sonnabend haben die Fans von Fußball-Zweitligist Union Berlin noch Zeit, sich ihren Anteil am Stadion an der Alten Försterei zu sichern. Gut 5500 der 10.000 Aktien sollen bis dahin vergeben sein – und 2,5 Millionen Euro in die Vereinskasse spülen.

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Der Weihnachtsmann hat wohl auch ein Herz für den 1. FC Union. Nicht nur wegen der Farbe der Berufsbekleidung. Offenbar hat der bärtige Kollege einigen Anhängern der Köpenicker Vertretung in der Zweiten Fußball-Bundesliga etwas unter die Arme gegriffen, um sich einen großen Wunsch zu erfüllen. In den vergangenen Tagen wurde es nämlich noch einmal etwas hektischer in der Geschäftsstelle, die Nachfrage nach den Stadion-Aktien stieg wieder etwas.

Etwa 5500 von 10.000 Papieren verkauft

Seit 1. Dezember können Mitglieder des Klubs in diesen ungewöhnlichen Deal einsteigen . Sie können Aktien zeichnen und damit Teil des 1. FC Union werden, Stadionmitbesitzer. Am Sonnabendmittag, 12 Uhr, endet die Frist. Gut 5500 Papiere werden dann vergeben sein. „Das ist ein tolles Ergebnis. Ich bin stolz auf jeden, der sich an dem Projekt beteiligt“, sagt Präsident Dirk Zingler.

Gemessen an den Möglichkeiten ließe sich das Resultat auch weniger euphorisch bewerten. Schließlich standen 10.000 Aktien zur Verfügung. Wert ist jede 500 Euro, fünf Millionen hätten folglich zusammenkommen können, um mit dem Geld dann den Anteil des Fremdkapitals an der Finanzierung der neuen Haupttribüne zu senken. Etwas mehr als die Hälfte ist nun dafür vorhanden. Der Verein weiß auch diese Summe sehr zu schätzen.

Viel Geld für ein Ideal

Es ist schließlich nicht selbstverständlich, sein Geld auf diese Weise auszugeben. Es geht ja nicht um monetäre Anreize, mit der Union-Aktie lässt sich kaum etwas verdienen. Union verkauft Ideale. Und dafür sind 500 Euro eine ganze Menge Geld. Obwohl anfangs unter den Fans die Aufregung groß war und viele dachten, es gäbe gar nicht genug Aktien für alle. Aber es ist eben doch „ein Betrag, der am Ende vielen Leuten auch wehtut“, sagt Union-Sprecher Christian Arbeit. Im Klub herrsche daher höchster Respekt für jeden, der eine Aktie erworben hat.

Ihr Gewissen, ihre soziale Verantwortung blendeten die Berliner dabei nie aus. Sie wissen um die Treue der Fans, die große Motivationsfähigkeit und Bereitschaft, für den Verein mit mehr als nur guten Wünschen einzustehen. Bei Union waren sie sich daher schon im Klaren darüber, dass die Aktion eine gute Resonanz haben würde. Genauso wie der Bau der Stehplatztribünen, die zu großen Teilen von Fans realisiert worden sind. „Viele Menschen wünschen sich Teilhabe und Mitbestimmung bei den Themen, die sie persönlich betreffen. Wir haben damit auch ein Zeichen im deutschen Profifußball gesetzt“, sagt Zingler. Trotzdem wies der Klub auch darauf hin, dass niemand leichtfertig sein Geld ausgeben solle – überwältigt allein von der Idee, dem Klub noch näher zu sein.

Der Ansturm war dennoch groß genug, um für einige Wochen den Stressfaktor bei den Angestellten des Klubs deutlich nach oben zu fahren. Es musste sogar eine Zusatzkraft aushelfen, um die Masse der neuen Mitgliederanträge zu bearbeiten. Denn die Mitgliedschaft war Voraussetzung für den Erwerb der Aktien, die nun auch in der halben Mannschaft kursieren. Über 2000 Neu-Unioner kamen so zusammen, fast 10.000 Mitglieder sind es jetzt. Das hat genauso für Aufmerksamkeit gesorgt wie die Aktion an sich. „In den letzten Wochen ist das, wofür Union steht, auch deutschlandweit deutlich geworden. Für uns bedeutet Union schon seit vielen Jahren viel mehr als die Ergebnisse unserer Mannschaft auf dem Platz“, erzählt Präsident Dirk Zingler: „Wir agieren auf unsere Weise in einem gesellschaftlichen Umfeld und besetzen ganz bewusst auch gesellschaftliche Themen.

Die Mitbestimmung von Mitgliedern und Fans ist seit Jahren elementarer Bestandteil unserer Politik und die Alte-Försterei-Aktie ist die konsequente Fortsetzung unserer Ausrichtung als Verein. Das immer mehr Berliner diesen Weg als den richtigen ansehen, zeigt sich am Ende auch dadurch, dass 18.000 Menschen zu unserem Weihnachtssingen kommen und dieses Erlebnis mit ins neue Jahr nehmen.“ Das Bild, das Union damit vermittelt, macht den Köpenicker Klub immer interessanter. In den vergangenen Wochen nahm die Zahl der Gespräche mit überregionalen Unternehmen zwecks zukünftiger Partnerschaften deutlich zu.