Zweite Liga

Unioner gehen zufrieden in den Winterurlaub

Die beste Punkteausbeute zur Winterpause, Rekord-Zuschauerzahlen und so viele Mitglieder wie noch nie: Der 1. FC Union Berlin blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2011 zurück – da fällt das 0:5 im letzten Spiel gegen Fürth kaum ins Gewicht.

Die letzte Trainingseinheit des Jahres brachte die Spieler des 1. FC Union nicht wirklich ins Schwitzen. Treffen im Kabinentrakt, ein Frühstück, dann gab es die individuellen Trainingspläne für die kommenden zweieinhalb Wochen, und schon ging es in den Winterurlaub bis 4. Januar. Eine halbe Stunde dauerte die Aktion, dann war für die Mannschaft des Berliner Fußball-Zweitligisten das Jahr 2011 beendet. Selbst das 0:5-Debkael von Fürth spielte kaum eine Rolle. „Wir haben das Spiel nicht groß analysiert, sondern die positiven Dinge in den Vordergrund gestellt“, sagte Trainer Uwe Neuhaus.

Rekordjahr für Union

Davon gab es einige. Beste sportliche Ausbeute zur Winterpause (31 Punkte aus 19 Spielen), Rekord-Zuschauerzahl (15.623 im Durchschnitt), so viele Mitglieder wie noch nie (9512) – „das hat sicher keiner geahnt, dass wir jetzt so gut dastehen. Wenn uns das jemand vor einem Jahr gesagt hätte, hätten wir das sofort unterschrieben“, sagte Kapitän Torsten Mattuschka.

Erst zwölf Monate ist es her, da standen die Köpenicker mitten im Abstiegskampf, sogar über den Trainer wurde diskutiert, und von einer neuen Haupttribüne war weit und breit nichts zu sehen. Nun durfte Union wenigstens schon mal verstohlen einen Blick in Richtung Aufstiegsplätze werfen , Neuhaus hat gerade einen Vertrag bis 2014 unterschrieben und die Mitglieder zeichnen in Scharen die Stadion-Aktie, die den angedachten Tribünen-Neubau mitfinanzieren wird. Rund die Hälfte der 10.000 Beteiligungsscheine sind schon an den Mann gebracht worden .

„Wenn ein Verein eine positive Entwicklung nimmt, dann überträgt sich das natürlich auch auf die Mannschaft“, sieht Neuhaus eine Wechselwirkung zwischen Weiterentwicklung des Klubs und sportlichem Erfolg. „Ich glaube, jeder spürt, dass Union kein gewöhnlicher Verein ist, gerade mit den treuen Fans und der Zugehörigkeit zum Verein. Da ist eine besondere Situation entstanden“, so der Trainer weiter. Eine Situation, die den Klub gestärkter denn je in ein neues Jahr gehen lässt.

Keine Frage, die Union-Familie ist in 2011 noch einmal enger zusammengerückt. Trotz oder gerade wegen diverser Ereignisse. Der Derbysieg bei Hertha BSC (Mattuschka: „Mein persönliches Highlight des Jahres“), der den Klassenerhalt im Frühjahr einleitete, die Auseinandersetzung mit dem Armeedienst von Klubchef Dirk Zingler im Stasi-Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ und die Aussicht auf Miteigentum am Stadion sind hier als Eckpfeiler zu nennen.

Politik der kleinen Schritte

Union verfolgt weiter konsequent die Politik der kleinen Schritte, damit ist man in den vergangenen Jahren stets gut gefahren, auch sportlich. „Wir haben uns weiterentwickelt und teilweise richtig guten Fußball gespielt“, sagte Mattuschka: „Sicher haben wir auch drei, vier Ausrutscher gehabt, wo wir richtig auf die Fresse bekommen haben. Doch wir sind danach immer wieder aufgestanden und haben gezeigt, dass wir eine Mannschaft sind.“ Dies sieht auch der Trainer als wichtigen Schritt für den weiteren Weg nach oben.

„Fakt ist, dass wir drei Enttäuschungen in der Hinrunde hatten: das Pokal-Aus in Essen, das 0:4 in Dresden und das 0:5 in Fürth, das vielleicht von der Dimension nicht vergleichbar ist, aber vom Ergebnis her eine Katastrophe“, sagte Neuhaus: „Doch wir haben uns von den ersten Pleiten nicht runterziehen lassen.“

Keine Verstärkungen im Winter geben

Aus diesem Grund – und auch wegen der gefestigten, aber immer noch nicht üppigen Finanzen – wird es voraussichtlich keine Verstärkungen im Winter geben. „Wir haben mit den Zugängen im Sommer nicht verkehrt gelegen“, sagte Neuhaus. Dies trifft vor allem auf Mittelfeldmann Markus Karl und Stürmer Silvio zu.

„Der Kader ist in der Breite gut aufgestellt, um Ausfälle zu kompensieren. Deshalb sehe ich keine Veranlassung zur Veränderung“, will der Coach seinem derzeitigen Personal weiter vertrauen. Kraftakte, um vielleicht in dieser Spielzeit doch noch einmal oben angreifen zu können, wird es nicht geben. „Zuletzt gab es ja die Diskussion, ob wir schon da oben hingehören. Stand jetzt muss man sagen, dass wir noch nicht so weit sind“, sagte Mittelfeldspieler Michael Parensen. In Liga zwei hat sich Union im Jahr 2011 jedenfalls definitiv etabliert.