Fußball

Union darf ein wenig von der Bundesliga träumen

Zuschauerrekord, Mitgliederbestmarke, Ansturm auf die Stadionaktie: Union Berlin kann sich bereits gut zwei Wochen vor Heiligabend auf frohe Weihnachten freuen. Selbst das Fernziel Bundesliga erscheint nicht mehr unerreichbar.

Foto: dpa / dpa/DPA

Nichts ging mehr in Köpenick. Weder einkommende noch ausgehende E-Mails erreichten in den vergangenen beiden Tagen die Geschäftsstelle des 1. FC Union. Computerprobleme hatten den Berliner Fußball-Zweitligisten mit Blick auf die immer weiter voranschreitende globale Vernetzung in die kommunikative Steinzeit geworfen. Seit Donnerstagmittag ist Union wieder am Netz, es war das einzige Problem, mit dem der Klub jüngst zu kämpfen hatte.

Keine Frage, schon jetzt, gut zwei Wochen vor Heiligabend, kann sich Union auf frohe Weihnachten freuen. Rekord bei den Mitgliedern (9512), Ansturm auf die 10.000 Stadion-Aktien (schon über 4000 gezeichnet), Bestmarke beim Zuschauer-Zuspruch (15.945 Besucher pro Heimspiel), dazu eine sportliche Bilanz mit 28 Punkten aus 17 Spielen, die Trainer Uwe Neuhaus zu Recht als bravourös beendete Hinrunde bezeichnete – nie war Union besser aufgestellt als im Dezember 2011 .

Und ganz im Sinne der Maxime „Stillstand bedeutet Rückschritt“ bringt die Entwicklung der vergangenen Wochen und Monate etwas ins Bewusstsein der Köpenicker, das bislang auf Teufel komm raus vermieden wurde. Das B-Wort, das auch aktuell an der Alten Försterei eher selten die Runde macht, und dennoch mehr und mehr ins Bewusstsein der handelnden Personen rückt: Bundesliga.

Bauantrag im Winter

Nun ist es sicher nicht so, dass man bei Union das Saisonziel einstelliger Tabellenplatz flugs ändert oder den Aufstieg in die Eliteliga für die nächste oder übernächste Spielzeit ausgibt. Auch wenn man dies nach der Vertragsverlängerung mit Trainer Neuhaus bis 2014 durchaus hätte vermuten können, ist dadurch doch die Kontinuität zumindest im sportlichen Bereich gesichert.

„Wir haben bisher immer gut daran getan, nicht zu weit vorauszuschauen“, sagte Dirk Zingler. Der Union-Präsident verwies auf die vergangenen Wochen, „in denen wir schon sehr häufig nach vorne geschaut haben auf die Aufgaben, die vor uns liegen. Wir wollen im Winter den Bauantrag für die neue Tribüne stellen und im Sommer dann anfangen zu bauen. Jetzt geht es erst einmal darum, bis zur Winterpause noch so viele Punkte wie möglich zu sammeln.“

Drei Punkte gegen Frankfurt fest eingeplant

Schon am Sonnabend (13 Uhr, Alte Försterei und im Live-Ticker von Morgenpost Online ) sind gegen den FSV Frankfurt drei weitere Zähler fest eingeplant. „Wenn wir diese Aufgabe erfolgreich erledigt haben, wartet ein echtes Spitzenspiel auf uns“, sagte Neuhaus. Es sind die Zwischentöne, die erkennen lassen, dass die Bundesliga bei Union längst kein Tabu mehr ist. Des Trainers Einordnung der Partie zum Jahresabschluss in Fürth zeigt, dass man sich bei Union längst schon nicht mehr als einen der Klubs sieht, die bei der Relegation über den Kampf um den Klassenerhalt reden – sondern eher über einen Aufstieg.

Im dritten Jahr nach dem Wiederaufstieg 2009 ist Union einer der Etablierten im Bundesliga-Unterhaus und will auch als solcher angesehen werden. Wohl wissend, dass sportlicher Erfolg anders als Beständigkeit in Personalangelegenheiten nicht planbar ist, weshalb der neue Neuhaus-Vertrag mit Union nicht nur für die Erste und Zweite, sondern auch für die dritte Liga gilt. „Es ist eben nicht auszuschließen, dass im Fußball alles passieren kann“, sagte Zingler. Der neue Kontrakt mit dem Trainer sei deshalb ein „Zeichen dass Uwe Neuhaus sagt: Mit dem Verein weiter zu arbeiten, hat höchste Priorität, egal in welcher Liga“.

Etablieren und verbessern

Doch selbst im Kreise der Spieler geht der Blick, wenn es um die Bundesliga geht, nicht mehr nur ausschließlich in die Zeitungen. Verteidiger Christian Stuff zum Beispiel sagte auf die Frage, ob nach der Rekordhinrunde noch etwas in Richtung Aufstiegsplätze ginge: „Wenn wir alles gewinnen, dann schon.“ Dass er im Anschluss aber gleich auf den großen Abstand von acht Zählern verwies, passt ins Bild. Stürmer John Jairo Mosquera meinte, ob nach oben noch etwas möglich sei: „Warum nicht?“ Ja, sogar Präsident Zingler selbst ließ sich im Zuge der Vorstellung der Stadion-Aktien vernehmen: „Die erste Liga ist unser sportliches Ziel.“ Und dass Neuhaus gern einmal als Coach in der Bundesliga arbeiten möchte („Am liebsten mit Union“), ist auch längst kein Geheimnis mehr.

Der offizielle Sprachgebrauch bleibt an der Alten Försterei jedoch weiterhin eher zurückhaltend. „Wir sind ein Klub, der sich ganz klar weiter in der Zweiten Liga etablieren will und sich verbessern möchte“, unterstrich Klubchef Zingler noch einmal. Das ominöse B-Wort ließ er dabei geflissentlich aus.