Zweitligist

Warum sich Union auf die Rückrunde freuen kann

Acht Punkte Abstand zu Rang 10 hat sich Union Berlin in der Hinrunde erspielt. Mit Blick auf die derzeitige Form des Kaders spricht nichts dagegen, dass die Mannschaft auch in der zweiten Hälfte der Saison ihre starken Leistungen abrufen wird.

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Es gehört zu den Gepflogenheiten von Fußball-Trainern, dass sie während des Verlaufes einer Saison der Tabelle der Liga, in der ihre Mannschaft spielt, nur wenig Beachtung schenken. „Es ist nur eine Momentaufnahme“ oder „Noch ist nichts erreicht“ sind dann die dieses Thema begleitenden Sätze. Auch Uwe Neuhaus zählt dazu. Eigentlich, denn der Coach des 1. FC Union ließ nach Abschluss der Hinrunde schon durchblicken, dass er sich durchaus mit der Tabelle beschäftigt hat. Nach Unions Rekordhinrunde sicherlich nicht ungewöhnlich.

Geht der Blick beim Liga-Siebten doch noch nach oben, in Richtung Relegationsplatz drei zum Beispiel? Schließlich ist es nicht unmöglich die bislang erreichten 28 Punkte in der Rückserie zu verdoppeln. „Ich habe das auch schon gemacht“, gibt Neuhaus Rechenspiele zu: „Aber das funktioniert nicht.“ In der Tat reichten seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995 nur zweimal 56 Zähler, um in die Bundesliga aufzusteigen; der MSV Duisburg (1996) und Mainz 05 (2004, sogar mit nur 54 Punkten) waren die Glücklichen. Der Abstand zum derzeitigen Dritten Fürth ist mit acht Punkten ja auch weiterhin beträchtlich. Acht Punkte sind es auch zu Platz zehn. Damit ist doch wenigstens das Saisonziel (Rang neun) schon „in Sicht, mehr aber nicht“, vollendet Neuhaus den Satz. Nur in Sicht? „Wir hatten auch im ersten Jahr nach dem Aufstieg 26 Punkte in der Hinrunde geholt, dann kamen aber nur noch 18 dazu“, will Neuhaus noch nichts von erfüllten Zielen wissen. Schon klar, noch ist nichts erreicht.

Doch mit Blick auf den Kader wird deutlich, dass Union durchaus in der Lage ist, diesmal eine ähnlich erfolgreiche Rückrunde zu spielen. Silvio, Christopher Quiring, Torwart Jan Glinker, Christoph Menz und Christian Stuff, zuletzt auch Chindu Ede – sie machen Hoffnung auf die kommenden 17 Spiele. Zu Recht dürfen sie sich als Gewinner der Hinrunde fühlen. Der Brasilianer Silvio war auf Anhieb eine Verstärkung. Er erhöhte das spielerische Potenzial im Team und ist mit fünf Treffern wie Quiring und John Jairo Mosquera bester Torschütze der Köpenicker. Sein Siegtreffer nun gegen Cottbus belegt, dass er sein Tief überwunden hat, in das er nach seinem Tor des Monats gegen Ingolstadt infolge einer Sprunggelenksverletzung geraten war. „Da habe ich mich etwas schwer getan“, gesteht Silvio. Und kündigte weitere Treffer an: „Wenn ich wieder regelmäßig spiele, kommen die Tore von ganz allein.“

Wer über Quiring spricht, muss auch über Patrick Zoundi sprechen. Der Ex-Düsseldorfer war als Mann für die rechte Seite geholt worden. Und muss nun von der Bank aus zuschauen, wie sich Unions Youngster mehr und mehr in der Startelf festspielt. „Quiring spielt gut“, erkennt Zoundi die Leistung seines Teamkollegen an. Und ist weit entfernt davon, einen Stammplatz zu fordern: „Messi und Ronaldo sind die einzigen, die es immer verdient haben, in der Startelf zu stehen.“

Auch beim Blick auf Glinker kommt man nicht an Marcel Höttecke vorbei. Vom Trainer zu Saisonbeginn noch zu Nummer eins auserkoren, wurde Höttecke schon im August seine verletzungsanfällige Muskulatur erneut zum Verhängnis. „Ich habe Jan dann klar gesagt, dass er die Nummer eins ist“, sagte Neuhaus. Und der ewige Unioner untermauert ähnlich wie Quiring mehr und mehr seinen Status.

Dass sich Stuff und Menz als Innenverteidiger-Duo bei Union etabliert haben, davon war auch nicht wirklich auszugehen. Anders als in den beiden Spielzeiten zuvor gelang es Stuff endlich, zu Saisonbeginn seine voller Leistungsstärke erreicht zu haben. Inzwischen überzeugt er durch Stellungs- und Kopfballspiel (auch offensiv) und legt sogar technische Qualitäten an den Tag, die in dieser Form von ihm bislang nicht zu sehen gewesen sind.

Stuffs Souveränität stärkte auch das Selbstvertrauen von Menz. „Wir liegen auf einer Wellenlänge. Wir kennen uns ja auch schon seit fünf, sechs Jahren. Zudem haben wir die gleichen Gedanken, wie wir verteidigen wollen. Ob man zusammen drauf geht oder sich fallen lässt“, erklärte Menz. Ahmed Madouni und Daniel Göhlert, die bislang mehr mit Verletzungen zu kämpfen hatten als mit Gegenspielern, werden es schwer haben, in die Startelf zurückzukehren.

Bleibt Ede, der im offensiven Mittelfeld neben Kapitän Torsten Mattuschka richtig aufgeblüht ist. „Ihn kann man wohl den Gewinner der vergangenen Wochen nennen“, sagte Neuhaus.