Zweitligist

Polenz schleicht sich an die Union-Startelf heran

Vor einem Jahr sortierte Union-Trainer Uwe Neuhaus den Verteidiger Jerome Polenz aus und gab ihm die Freigabe. Jetzt greift der 25-Jährige wieder an. In den letzten Spielen war er für einige Minuten auf dem Feld.

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Jerome Polenz rennt, er grätscht und scheut keinen Zweikampf. Bietet sich ihm die Chance zu einem Torschuss, zieht der Fußball-Profi des 1. FC Union einfach ab. Und dreht sofort wieder um, weiter, immer weiter machen. „Ich kann nichts weiter machen, als Gas geben in jedem Training und hoffen, dass ich einen guten Eindruck hinterlasse“, sagt der Defensivmann. Jede Aktion, die der 25-Jährige vor den Augen seines Trainers Uwe Neuhaus zeigt, ist wichtig. Wichtig auf seinem langen Weg zurück in die Startelf, in der er im Rahmen eines Pflichtspiels zuletzt vor fast genau einem Jahr gestanden hatte: am 28. November 2010 beim 0:1 in Ingolstadt.

Während der vergangenen Monate hat Polenz einen treuen Wegbegleiter kennen und schätzen gelernt. „Die ganze Zeit hat mich eines gelehrt: Geduld haben. Wenn es so weit ist, bin ich da“, erklärte er. Geduld, bis er seinen Disput mit Trainer Neuhaus hatte ad acta legen können. Wegen seiner Forderung, offensiver spielen zu wollen, hatte ihn der Coach vor Jahresfrist aus dem Kader verbannt, ihm zur Winterpause sogar die Freigabe erteilt – ein anderer Verein meldete sich jedoch nicht. Geduld, bis er vom Trainer endlich begnadigt wurde und nicht mehr nur simpler Trainingsteilnehmer war, sondern auch Alternative für den Spielbetrieb. Und natürlich Geduld, bis er endlich wieder ran durfte. 34 Minuten waren es bislang in dieser Saison, die letzten acht beim Sieg in Braunschweig, die letzten vier beim Unentschieden gegen Fortuna Düsseldorf, nun die bisher letzten 22 beim Triumph in Rostock. „War schön, mal wieder dabei zu sein“, kommentierte er seine Kurzeinsätze lapidar.

In ihm aber dürfte es deutlich anders aussehen, ihm wird bewusst sein, dass er gerade dabei ist, eine große Delle aus seiner Karriere zu bügeln. Es ist wie so oft: Das letzte Teilstück ist meist das schwerste. Und die Schritte werden immer kleiner. Das trifft auch auf Polenz' Rückkehr in die Startformation zu. Als Trainer Neuhaus vor dem Ostderby in Aue seine Alternativen für die rechte Abwehrseite aufzählte, fielen Namen wie Christoph Menz und Patrick Zoundi, von Polenz war keine Rede. Eine Woche später vor dem St.-Pauli-Spiel nannte der Coach seinen Rehabilitierten schon als möglichen Ersatz für den immer noch erkrankten Marc Pfertzel. In Braunschweig, wiederum eine Woche später, gab er dann sein Pflichtspiel-Comeback. Polenz, obwohl während der Zeit seiner Suspendierung nie verletzt, kann diese letzten kleinen Schritte sogar nachvollziehen. „Man muss auch die Seite des Trainers sehen. Ich habe lange nicht gespielt, muss mir erst wieder Spielpraxis bei den Amateuren holen, das Gefühl für den Raum und die Zweikämpfe bekommen.“ Er klingt dabei wie ein Geläuterter. Und wie einer, der verstanden hat, dass er nur über gute Leistung eine Chance haben wird.

Lohn für die Mühen

Nicht zuletzt seine Beharrlichkeit hat dafür gesorgt, dass er den Beruf des Fußballprofis bei Union weiter ausüben darf. „Es gibt ja immer mehrere Varianten, wie man mit solch einer Situation umgeht. Entweder man lässt sich ausleihen, verkaufen oder man bleibt da“, sagt er. Manchmal sei es sicherlich besser, den Verein zu wechseln, „ich habe das nicht so gesehen“, erzählte Polenz, der seinen bis 2013 laufenden Dreijahresvertrag („Den habe ich nicht umsonst unterschrieben“) bei Union erfüllen will. Ob er seinen bislang insgesamt neun Zweitliga-Einsätzen im Trikot der Köpenicker Kicker schon am Freitag im Ostderby gegen Energie Cottbus (18 Uhr, Alte Försterei) einen weiteren hinzufügen kann, bleibt abzuwarten. Zwar erkannte sein Coach einen Aufwärtstrend bei Polenz: „Er hat schon gezeigt, dass er sich über jede Minute Einsatz freut.“ Doch Neuhaus schob auch sofort hinterher: „Für wen soll er reinkommen? Ich glaube schon, dass der Stamm derzeit gute Leistungen bringt. Polenz muss weiter gut trainieren, irgendwann bekommt er seine Chance. Die muss er dann aber auch festhalten.“ Wer ihn dieser Tage beim Training beobachtet, kommt zu dem Schluss, dass mit Jerome Polenz bei Union wieder mehr zu rechnen sein wird. Langsam, aber sicher. Das kennt er ja jetzt, in Geduld hat er sich geübt.