Pyrotechnik im Stadion

Fans bringen Union mit Feuerwerk in Bedrängnis

Beim Auswärtsspiel in Rostock zündeten mitgereiste Fans von Union Berlin zahlreiche bengalische Feuer. Deshalb droht den Köpenickern eine Geldstrafe. Der Verein ist verärgert, zeigt aber auch Verständnis für die Anhänger.

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Der Ruf hallt seit Wochen und Monaten durch die Stadien der Republik. „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“, skandieren die Fans landauf und landab. Auch bei Spielen des 1. FC Union ist dieses klare Statement immer wieder zu hören. Oder zu sehen, wie am Freitagabend, als es kurz vor Beginn der zweiten Halbzeit des Ostduells bei Hansa Rostock im Unions-Block lichterloh brannte. Anhänger der Köpenicker Kicker hatten zahlreiche bengalische Feuer gezündet.

Fans erweisen Union einen Bärendienst

Sie haben ihrem Verein damit einen Bärendienst erwiesen, denn das Einbringen und Abbrennen von Pyrotechnik in deutschen Fußballstadien ist verboten. So will es Paragraph 24 im Anhang VI der Lizenzspielerordnung des Ligaverbandes.

Der Ligaverband ist der Zusammenschluss der lizenzierten Vereine und Kapitalgesellschaften der deutschen Fußball-Lizenzligen, zu denen natürlich auch Union zählt. Den Vorfall insofern unter der Rubrik „Viel Rauch um nichts“ zu verbuchen, ist demnach nicht zulässig.

„Natürlich ist uns bewusst, dass das Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion verboten ist, und wir werden auch weiterhin versuchen, solche Aktionen mit allen Mitteln, die uns als Verein zur Verfügung stehen, zu unterbinden“, kommentierte Unions Pressesprecher Christian Arbeit die Vorkommnisse in Rostock: „Wir halten jedoch eine ehrlich gemeinte Wiederaufnahme der Gespräche zwischen allen Beteiligten für sinnvoll und notwendig. Die derzeitigen Probleme können nur im Dialog gelöst werden. Repressionen und Verbote allein sind ungeeignet.“ Um eine Geldstrafe wird Union dennoch nicht herumkommen.

Rostocker Fans negativ aufgefallen

Ausgerechnet in Rostock, wo vor Wochenfrist Hansa-Fans die Gäste-Anhänger aus St. Pauli mit Leuchtraketen beschossen hatten, wurde ein Teil der Union-Fans auffällig – vielleicht sogar bewusst, denn wo kann man mehr Aufmerksamkeit für seine Aktionen bekommen als in einem Ostderby, noch dazu nach den Diskussionen der vergangenen Tage?

So hätte nicht nur Trainer Uwe Neuhaus „ein bisschen mehr Feingefühl erwartet. Nach den Vorfällen der vergangenen Woche hätte ich das unterlassen. Eigentlich bestrafen sie sich ja selbst. Sie haben ja zwei Minuten lang nichts gesehen.“

Parensen kann Fans teilweise verstehen

Es ist nun ein Leichtes, die Rostocker Sicherheitsvorkehrungen, die extra für die Partie noch einmal massiv verstärkt worden waren, anzuprangern: Wie konnte es passieren, dass Union-Fans ihre Pyrotechnik ins Stadion bekamen? Andererseits stellt sich jedoch die Frage, ob man derartiges Feuerwerk überhaupt zu einem Fußballspiel mitbringen muss. „Auf der einen Seite ist es für die Fans und ihre Art, den Fußball zu leben und auszuleben. Für sie gehört es sicherlich dazu“, sagte Unions-Mittelfeldspieler Michael Parensen: „Auf der anderen Seite ist es schon fragwürdig, wenn Menschen dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden, die darauf keine Lust haben.

Wenn zum Beispiel Kinder oder Familien dabei sind, die sich auch nicht darauf vorbereiten können, kann es gefährlich werden.“ Eine solche Gefahr scheint man offenbar in Kauf zu nehmen.

So wird mehr und mehr ein Keil in die Fanschar geschoben, der die rein sportinteressierten Zuschauer von denen trennt, die den Fußball als Bühne für ihre wohl kalkulierten Exzesse nutzen. Zur letztgenannten Gruppe zählt auch die Ultrabewegung. Die dort vereinten Fans sehen sich als die Bewahrer der Fußballkultur mit Stehplätzen, bengalischen Feuern und bedingungsloser Vereinstreue. Ehrenwerte Ziele, die zuletzt allerdings zu oft dem Fanatismus wichen. Bis zum gewaltbereiten Hooligan ist es dann kein weiter Weg mehr, Dynamo Dresden und eben Rostock sind hier die aktuellsten Beispiele. Die bengalischen Feuer am Sonnabend beim Revierderby zwischen Dortmund und Schalke und die kurzzeitige Spielunterbrechung belegen jedoch, dass dies kein Problem allein des Fußball-Ostens ist.

Den Anfängen wehren

Wissenschaftler beobachten seit langem eine Verschmelzung der eher gewaltfreien Ultra- mit der Hooliganszene. „Der Hooliganismus ist ein Auslaufmodell. An seine Stelle treten bestimmte Ultrabewegungen“, sagte Fanforscher Günther A. Pilz, der hier von „Hultras“ spricht. Wenn die Gewaltbereitschaft der Hooligans auf das obrigkeitsablehnende Denken der Ultras trifft, entsteht eine gefährliche Mischung. So weit ist es bei Union sicher noch nicht. Aber: Wehret den Anfängen.