Zweite Bundesliga

Unions Heimserie reißt gegen St. Pauli

Fünfmal nacheinander ging der 1. FC Union in der Alten Försterei als Sieger vom Platz . Mit dem Spitzenspiel gegen St. Pauli ist die Serie nun gerissen. Die Berliner verloren gegen die Gäste aus Hamburg mit 0:2.

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Kaum einer der 18432 Zuschauer wollte nach Hause gehen. Stattdessen wurde gefeiert. Im Block der Gästefans, wo gut 2500 Anhänger ihren FCSt.Pauli ausgelassen bejubelten. Und auf der anderen Seite, wo die Mannschaft des 1.FCUnion mit viel Applaus und Sprechchören verabschiedet wurde, lautstark unterstützt von Haupttribüne und Gegengerade. Anhand der Fans war es nicht auszumachen, ob es gestern Abend im Stadion an der Alten Försterei einen Sieger gegeben hatte. Doch die Videowand hinter dem Tor und das historische Anzeigehäuschen in der gegenüber liegenden Ecke waren unnachgiebig. Sie wiesen Berlins Fußball-Zweitligisten eindeutig als Verlierer des Duells aus. 0:2 (0:0) unterlag Union, es war die erste Niederlage vor heimischem Publikum nach fünf Siegen in Folge.

Alles war angerichtet für ein Fußballfest. Schon lange vor dem Anpfiff stimmten sich beide Fanlager mit ihren Gesängen ein. Die Unterstützung des eigenen Teams stand dabei im Vordergrund, nicht die Diffamierung des Gegners. „Das waren traumhafte Voraussetzungen. Es ist sehr selten, dass die Fangruppen im Vorfeld nicht getrennt werden müssen“, lobte St. Paulis Trainer Andre Schubert die tolle Atmosphäre: „Neben unserem Stadion am Millerntor ist die Alte Försterei der beste Ort, um Fußball zu spielen.“

FC-Sportchef Helmut Schulte kam ebenfalls nicht umhin, die Rahmenbedingungen in den Vordergrund zu stellen. „Das war ein wunderbares Spiel unter Flutlicht, das hat richtig Spaß gemacht. So soll Fußball sein“, schwärmte Schulte. Auch Unions Mittelfeldspieler Markus Karl sagte: „Das konnte man schon genießen. Aber mit einem Sieg wäre es natürlich schon schöner gewesen.“

Dass ihm und seinen Mannschaftskameraden dieser Sieg nicht gelang, hatte einen einfachen Grund: St. Pauli war, die 90 Minuten betrachtet, einfach besser. „Wir haben in den ersten zehn Minuten versucht, Druck aufzubauen“, erklärte Union-Trainer Uwe Neuhaus, „aber wir haben kein richtiges Mittel gefunden.“ In der ersten Halbzeit gelang es den Gastgebern noch, einigermaßen mitzuhalten. Nach der Pause übernahm aber der Bundsliga-Absteiger das Kommando. „Es war nicht so, dass wir nicht wollten“, sagte Markus Karl, „doch wir sind nicht mehr nach vorn gekommen, der Gegner war sofort da.“ Und zwar mit drei, teilweise sogar vier Mann, die den Ball führenden Unioner attackierten.

„Wir haben dem Gegner kaum Räume geboten und im Umkehrspiel gut nach vorne gespielt“, sagte St.-Pauli-Coach Schubert. Fin Bartels (8.) und Deniz Naki (30.) vor der Pause, Max Kruse (47.) und erneut Naki (54.) vergaben noch ihre hochkarätigen Möglichkeiten. Doch als Karl an der Strafraumgrenze gegen Kruse per Grätsche klärte und der Ball Naki vor die Füße sprang, war es um Union geschehen. Der Angreifer vollendete eiskalt zum 0:1 nach 63 Minuten. Das 0:2 eine Viertelstunde später durch Markus Thorandt, der nach einer Ecke am schnellsten reagiert hat, besiegelte die Union-Niederlage vollends. „Nachdem wir alles nach vorne geworfen hatten, hätten wir sogar noch ein drittes Tor kassieren können“, sagte Trainer Neuhaus.

Die Seinen zeigten in der 33. Minute, wie man St. Pauli hätte knacken können. Silvio erkämpfte sich den Ball an der eigenen Torauslinie in Höhe der Eckfahne und spielte auf Torsten Mattuschka. Der Kapitän behielt gegen drei Gegenspieler die Nerven und leitete das Spielgerät weiter auf Michael Parensen, der John Jairo Mosquera steil schickte. Doch der Kolumbianer wurde im Strafraum von Thorandt gestoppt. Für Schiedsrichter Tobias Stieler (Obertshausen) fair genug, um nicht auf Elfmeter zu entscheiden. Zu allem Überfluss verletzte sich Mosquera dabei auch noch am Oberschenkel und musste raus, für ihn kam Halil Savran (37.).

Zudem sorgte der quirlige Christopher Quiring zumindest in den ersten 45 Minuten für ein wenig Gefahr vor dem St.-Pauli-Tor. Zweimal setzte sich Unions Flügelflitzer auf der rechten Seite durch, doch seine Schüsse waren für Torwart Philipp Tschauner eine sichere Beute (26., 31.). Die größte Union-Chance vergab jedoch Christian Stuff. Der Verteidiger setzte den Ball im Fallen aus fünf Metern nur an den Pfosten (70.). „Ich weiß auch nicht, ob der Ausgleich verdient gewesen wäre“, sagte Neuhaus, der neidlos anerkennen musste: „St. Pauli war sicherlich die reifere Mannschaft und hat verdient gewonnen.“ Aufmunterung gab es von Andre Schubert: „Ich wünsche Union, dass sie in der Alten Försterei kein Spiel mehr verlieren.“ Kaum auszudenken, wie der treue Anhang der Köpenicker ihre Mannschaft gefeiert hätte, wäre gestern Abend der sechste Heimsieg in Folge gelungen.