Alte Försterei

Warum Union den Stadionnamen verkaufen möchte

Der Bau der neuen Haupttribüne im Stadion An der Alten Försterei in Berlin-Köpenick geht voran. Nun ruft der 1. FC Union eine außerordentliche Mitgliederversammlung ein. Denn: Eine Möglichkeit zur Finanzierung könnte ein ungewöhnlicher Verkauf sein.

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Große Dinge werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. Das Spiel des 1. FC Union am Freitag gegen den FC St. Pauli (18 Uhr, Sky live) zum Beispiel. Die 18.432 Eintrittskarten sind schon seit Wochen vergriffen, man freut sich auf ein wahres Fußballfest gegen den Bundesliga-Absteiger aus Hamburg. „Da treffen zwei Kultvereine aufeinander, hoffentlich mit positivem Ausgang für uns“, sagte Trainer Uwe Neuhaus.

Zudem wurde am Mittwoch ein anderer, für den Berliner Fußball-Zweitligisten nicht unwichtiger Termin bekannt. Die Köpenicker haben zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen, die am 13. November in der Ballsporthalle Hämmerlingstraße stattfindet. Auf der Tagesordnung steht nur ein Punkt: die Zukunft des Stadions an der Alten Försterei. „Unser Verein steht vor richtungsweisenden Veränderungen, welche die Fußballkultur im Stadion an der Alten Försterei unmittelbar betreffen“, heißt es dazu auf der Homepage des Vereins. Über diese Veränderungen sollen die Mitglieder nun umfassend informiert werden, heißt es weiter.

Ohne Fans keine Entscheidung

Der Bau der neuen Haupttribüne mit Vip-Logen und Business-Seats nimmt also offenbar konkrete Formen an. So dürfte es am 13. November vor allem um die Frage der Finanzierung des 17-Millionen-Euro-Neubaus gehen. Die Spekulationen in den vergangenen Wochen reichten von Sponsoren, die beim Kauf von Vip-Logen in Vorkasse gehen würden, bis hin zur Fan-Anleihe. Dadurch könnte der treue Anhang, der schon bei der Modernisierung der Stehplatztraversen maßgeblich beteiligt gewesen ist, auch bei der Vollendung des größten reinen Fußball-Stadions in der Hauptstadt seinen Beitrag leisten.

Die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung bringt jedoch eine weitere Möglichkeit ins Spiel, Geld für die Finanzierung zu generieren: der Verkauf des Stadionnamens. „Für eine Entscheidung über die Namensrechte würde eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen werden. Die Fans haben die Alte Försterei mit gebaut, ohne sie gibt es in der Frage keine Entscheidung“, hatte Zingler schon vor Monaten klargestellt. Durch das Fehlen eines erhofften Investors könnte der Klubchef nun offenbar gezwungen sein, diesen Weg zu gehen, um den Bau der Tribüne voranzutreiben. Eine Verwertung des Stadionnamens werde es aber „nur mit Zustimmung der Mitglieder geben“ (Zingler). Diese erhofft sich die Klubführung nun offenbar am 13. November. Für viele der so genannten Alt-Unioner wird Sonntag, der zugleich auch Volkstrauertag ist, erst recht wohl lange in Erinnerung bleiben. Immerhin: Der Begriff „an der Alten Försterei“ könnte auch in einem neuen Stadionnamen Bestand haben, die Union-Historie würde damit gewahrt.

Gesamtetat liegt im unteren Drittel

Fakt ist jedoch: Die Weiterentwicklung des Vereins ist nur mit einer neuen Haupttribüne möglich. Dass die Klubführung nun versucht, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um dieses Projekt auch realisieren zu können, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Mit der neuen Tribüne würde die Kapazität von rund 18.500 auf 23.500 Plätze steigen, Mehreinnahmen würden durch die neuen Vip-Logen garantiert. Geld, das Union gut gebrauchen kann, denn mit einem Gesamtetat für die laufende Spielzeit von 13,2 Millionen Euro (Lizenzspieleretat: 6,5 Millionen Euro) liegt der Köpenicker Klub immer noch im unteren Drittel der Liga. Zum Vergleich: Bundesliga-Absteiger Eintracht Frankfurt ist mit 37,0 Millionen Euro (19,0) Liga-Krösus gefolgt vom FC St. Pauli, der 25,0 Millionen Euro (12,0) veranschlagt hat. Und wenn die Besucherentwicklung in der Alten Försterei weiter so anhält – mit dem Spiel am Freitag kommt Union auf einen Zuschauerdurchschnitt von 15.371 –, ist die neue Tribüne notwendiger denn je.

Gebaut werden soll während des laufenden Spielbetriebs. Dazu soll, so die bisherige Planung, zunächst ein neues Multifunktionsgebäude hinter der bestehenden Haupttribüne hochgezogen werden. Danach sollen die Sitzplatzreihen gebaut werden.