Zweite Liga

Union kann auswärts einfach nicht gewinnen

Seit fast sieben Monaten wartet der 1. FC Union Berlin auf einen Dreier in der Fremde. Gegen Erzgebirge Aue spielt das Team von Trainer Uwe Neuhaus fast eine Stunde in Überzahl - und kann sich trotzdem nicht belohnen.

Oberhausen. Rot-Weiß Oberhausen. Wer bei einem privaten „Wer wird Millionär?“ die Antwort auf die Frage sucht, wie der Gegner am 3. April 2011 hieß, bei dem der 1.FC Union zuletzt gewinnen konnte, kann diese jetzt problemlos beantworten. Kenner des Bundesliga-Unterhauses werden jetzt natürlich festgestellt haben: Rot-Weiß Oberhausen, das ist doch der Klub, der gerade abgestiegen ist und nun in der Dritten Liga ums Überleben kämpft. Auch das ist richtig. Und es belegt, wie lange es her ist, dass der Berliner Fußball-Zweitligist ein Gastspiel mit der vollen Punkteausbeute hat beenden können. Denn in der laufenden Spielzeit müssen die Unioner weiter auf solch ein Erfolgerlebnis warten. Das ist seit dem 1:1 (1:1) vom Sonntag bei Erzgebirge Aue bittere Wahrheit.

Gelb-Rot für Hensel

Bitter deshalb, weil viel mehr als dieses Unentschieden für die Köpenicker Kicker möglich gewesen ist. Ein klarer Sieg nämlich, spielte Union doch im Erzgebirgsstadion fast eine Stunde in Überzahl. Aues Marc Hensel hatte seinen Arbeitstag nach 35 Minuten unfreiwillig beendet, nachdem er für ein Foul von hinten an Patrick Kohlmann Gelb-Rot gesehen hatte. Schon nach 18 Minuten hatte der Verteidiger die Gelbe Karte bekommen, nachdem er Unions Mittelfeldmann Markus Karl von den Beinen geholt hatte. Den fälligen Freistoß nutzte Torsten Mattuschka zum Ausgleich, ein herrlicher Schuss, der aus 25 Metern von der Unterkante der Latte hinter die Linie prallte, unerreichbar für Aue-Schlussmann Martin Männel.

Dass dies der einzige Union-Treffer gestern sein sollte, ärgerte aber auch den Torschützen selbst. „Das Remis ist definitiv zu wenig, wenn wir 60 Minuten in Überzahl spielen“, sagte Kapitän Mattuschka: „Da muss mehr rausspringen.“ Tat es aber nicht, weil sich die Unioner wieder einmal als Meister im Auslassen von hochkarätigen Torchancen erwiesen.

Doch der Reihe nach. Denn bevor die Gäste das Spielgeschehen weitgehend übernehmen konnten, fanden sie erst einmal gar nicht statt. „Die ersten 15 Minuten war meine Mannschaft überhaupt nicht auf dem Platz“, monierte Uwe Neuhaus. Der Trainer hatte sich in der Defensive für Ahmed Madouni und Christian Stuff entschieden, ließ Christoph Menz rechts verteidigen. Und wurde für sein Risiko prompt bestraft. Nicht nur, weil Madouni, ohnehin noch gehandicapt von den Folgen seiner Bänderdehnung, bereits nach knapp einer halben Stunde wieder vom Feld musste; für ihn kam Patrick Zoundi auf die rechte Seite, Menz rückte in die Mitte. Schon in den ersten Szenen wurde deutlich, dass Madouni längst noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Dass er zudem durch sein Foul den Elfmeter verursacht hat, durch den Union in Rückstand geriet, passt dabei ins Bild: Madouni brachte Tobias Kempe zu Fall, Thomas Paulus verwandelte vom Punkt sicher.

Später musste Aues Skerdilaid Curri eingestehen: „Wir haben mit zehn Mann Charakter gezeigt, ein bisschen Glück gehört aber auch dazu.“ Man kann auch vom Berliner Unvermögen sprechen: Menz schickte Mattuschka steil in den Strafraum, der nur unzureichend zurücklegte (26.); nach Mattuschka-Ecke und Menz-Schuss köpfte Silvio links vorbei (42.); ein Mattuschka-Freistoß aus 18 Metern klatschte nur an die Latte (56.); nach Silvios Vorlage kam John Jairo Mosquera zu spät – zwei Meter vor dem Tor (64.); Silvio legte einen Flugkopfball freistehend vorbei (81.) – „bei so vielen Chancen müssen wir einfach noch ein Tor machen“, monierte Mattuschka.

König köpft daneben

Beinahe wäre es gekommen wie so oft in solchen Situationen. Statt selbst den Sieg einzufahren, muss man am Ende sogar noch froh sein, dass die Partie nicht verloren wurde. Einmal war Torwart Jan Glinker zur Stelle und entschärfte einen Kopfball von Ronny König (58.), einmal rettete das Lattenkreuz bei einem Schuss von Guido Kocer (65.), vier Minuten vor dem Ende verfehlte ein Kopfball von König das Union-Tor nur knapp.

Apropos Ronny König. Der Stürmer war dabei, als Union letztmals einen Sieg aus der Fremde mitbrachte. Denn der 28-Jährige wechselte erst vor dieser Saison nach Aue – er kam aus Oberhausen.