Grippe & Bronchitis

Union-Coach stört die Anfälligkeit seiner Spieler

Jahr für Jahr muss der 1. FC Union Berlin viele Ausfälle verkraften – nach Ansicht von Trainer Uwe Neuhaus mehr als nötig. Ihn stören vor allem "normalen Erkrankungen". Vor dem Spiel gegen Erzgebirge Aue machter er seinem Ärger darüber Luft.

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Es kommt selten vor, dass sich Uwe Neuhaus zu drastischer Wortwahl hinreißen lässt, sei es positiv oder negativ. Am Freitag jedoch konnte der Trainer des 1. FC Union nicht anders, als seinem Unmut ein wenig Luft zu machen. „So langsam regt mich das richtig auf“, sagte Neuhaus also. Und meinte damit sicher nicht die Trainingsleistungen seines Teams.

Es ist der Gesundheitszustand des kickenden Personals, der den Coach vor der Partie am Sonntag bei Erzgebirge Aue (ab 13.30 Uhr im Live-Ticker von Morgenpost Online ) nachhaltig beschäftigt. „Wir haben so viele kranke Spieler jedes Jahr, vielleicht sind sie auch nur anfälliger“, sagte Neuhaus. Statt endlich mit der gleichen Formation wie am Spieltag zuvor auflaufen zu können (was bei insgesamt zwölf Pflichtspielen diese Saison nur dreimal vorgekommen ist), muss die Startelf wieder umgebaut werden. Nicht wegen Verletzungen, sondern wegen „normaler“ Erkrankungen. So fällt mit Marc Pfertzel ein Rechtsverteidiger wegen einer Angina aus, ist Kapitän Torsten Mattuschka nach seinem Infekt immer noch nicht voll auf der Höhe, hat Ersatztorwart Marcel Höttecke nach seiner Bronchitis noch Trainingsrückstand. Für Neuhaus jedenfalls unverständlich, denn: „Wir bieten hier gute Ernährung an. Wir schneiden jeden Tag Obst, damit genug Vitamine vorhanden sind, bis hin zur Prophylaxe über Medikamente und pflanzliche Dinge, die wir den Spielern anbieten.“ Dass mit Daniel Göhlert (Adduktorenzerrung), Simon Terodde (Innenbandanriss) und Halil Savran (Handverletzung) ein Trio die Personaldecke verletzungsbedingt zusätzlich ausdünnt, trägt nicht gerade zur Beruhigung der Gemüter bei.

Heißer Herbst steht bevor

Dabei hatte sich Berlins Fußball-Zweitligist gerade rechtzeitig vor dem heißen Herbst gestärkter denn je präsentiert. Denn mit den Ostderbys gegen Aue, Hansa Rostock (27. November) und Energie Cottbus (Anfang Dezember) sowie dem Dreierpack gegen die im oberen Tabellendrittel stehenden FC St. Pauli (28. Oktober), Eintracht Braunschweig (4. November) und Fortuna Düsseldorf (19. November) warten auf Union anspruchsvolle Aufgaben. Und der Sommer war alles andere als wirklich förderlich für die Außendarstellung: Erst gab es die Entlassung des Teammanagers Christian Beeck, in deren Folge man sich außergerichtlich einigte und somit eine Schlammschlacht vor Gericht verhinderte, danach folgte der diskussionswürdige Umgang von Verein und Umfeld mit dem Armeedienst von Klubchef Dirk Zingler im Stasi-Wachregiment „Feliks Dzierzynski“.

Erst als wieder um Punkte gespielt wurde, gewann Union Reputation zurück. Auf dem Rasen, wo man die heimische Alte Försterei zu einer Festung ausbauen konnte (fünf Siege in Folge) und sich die Fans auch wieder mit dem Trainer versöhnten. Statt „Neuhaus raus“-Rufe wie nach dem 0:4-Debakel von Dresden waren zuletzt sogar wieder vereinzelt „Uwe, Uwe“-Sprechchöre zu hören. Ein Umstand, den der Coach nicht groß kommentieren wollte („Das zeigt nur, wie schnell es im Fußball zugeht“), der ihn aber dennoch gefreut hat.

Positive sportliche Entwicklung

Und auch abseits des sportlichen Geschehens sorgte Union mehr und mehr für positive Schlagzeilen. Der Auftritt bei der Ifa brachte ebenso Anerkennung wie der Gewinn bei der Wahl zum „Tor des Monats“ durch Silvio. Ganz zu schweigen vom „Eisern Lab“, einer Abteilung des Vereins, die den Spiel- und Trainingsbetrieb der Profis analysiert. Dabei werden mit Hilfe von Computertechnik Statistiken zu Laufwegen und Bewegungsabläufen erstellt, auf jeden einzelnen Spieler individuell abgestimmt. Zudem bekommt jeder seine ganz persönliche Spielvorbereitung auf seinen Tablet-PC. „In diesem Bereich sind wir in der Zweiten Liga führend. Der Einsatz solcher Technik ist sonst nur in der Bundesliga üblich“, sagte Unions Videoanalyst Daniel Stenz. Sogar die ARD-Sportschau berichtete schon über das „Eisern Lab“.

Zum Köpenicker Glück fehlt jetzt nur noch ein Sieg in der Fremde. „Wir müssen anfangen, endlich auch auswärts zu punkten“, forderte Neuhaus. Am besten schon am Sonntag in Aue.