Zweite Liga

1. FC Union hebt Suspendierung von Polenz auf

Zweitligist 1. FC Union Berlin hat Profispieler Jerome Polenz begnadigt und seine Suspendierung aufgehoben. Seit Dezember 2010 hatte der 24-Jährige zwar dem Trainingskader angehört, war aber nur in der U23-Mannschaft zum Einsatz gekommen.

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Es hatte sich schon angedeutet. Wer beim Training des 1. FC Union in den vergangenen Wochen genau hingeschaut hatte, konnte es erkennen. Zwischen Uwe Neuhaus, dem Trainer des Berliner Fußball-Zweitligisten, und Jerome Polenz gab es schon längst keine Funkstille mehr. Immer öfter gab Neuhaus dem 24-Jährigen während der Übungseinheiten Hinweise, wie er Laufwege besser gestalten oder sein Timing im Kopfballspiel verbessern könnte. Seit Montag steht nun fest: Polenz hat seine Verbannung überstanden. Er ist wieder fester Bestandteil des Union-Kaders und darf sich ab sofort für weitere Einsätze bei den Köpenickern empfehlen.

„Jerome hat das Gespräch mit mir gesucht und sich aktiv darum bemüht, die Vorkommnisse, die zu seiner Suspendierung geführt haben, zu korrigieren“, begründete Neuhaus seine Entscheidung: „Sein Verhalten im Training in den letzten Monaten sowie seine Leistungen bei seinen Einsätzen in der U23 waren ebenfalls positiv, so dass er eine zweite Chance bei uns verdient hat.“ Polenz selbst, der bei Union noch einen Vertrag bis 2013 besitzt, ist in erster Linie „froh, dass der Trainer meine Entschuldigung akzeptiert hat. Ich habe einen Fehler gemacht.“

Hat auch Neuhaus Fehler gemacht?

Doch lagen die Gründe für die neun Monate andauernde Nichtberücksichtigung ausschließlich bei Polenz? Oder muss sich nicht auch der Trainer hinterfragen, ob er in dieser Angelegenheit alles richtig gemacht hat? „Ob die Entscheidung in dieser Konsequenz so richtig gewesen ist, darüber kann man streiten“, ließ Neuhaus erst vor kurzem wissen. Inzwischen ist er offenbar zu der Erkenntnis gekommen, dass es keine Gründe mehr für eine weitere Verbannung aus dem Kader gibt.

Es war im Sommer des Vorjahres, als Trainer Neuhaus für die Saison 2010/11 einen rechten Verteidiger suchte. Jerome Polenz, der zur gleichen Zeit in Aachen keine Rolle mehr spielte, sah seine Chance und heuerte bei Union an. Der gelernte Stürmer, der schon auf seiner ersten Profistation bei Werder Bremen ins Mittelfeld gerutscht war, spielte bereits in Aachen als Rechtsverteidiger. Alles schien also zu passen. Doch der Schein trog.

Während der Reha nach seiner Knieverletzung, die er sich zu Beginn der Hinrunde zugezogen hatte, suchte Polenz das Gespräch mit dem Trainer. Er offenbarte Neuhaus, dass er sich auf der Defensivposition doch nicht so wohl fühle und lieber offensiv agieren würde. Neuhaus sagte ihm damals: „Die anderen Positionen sind besetzt, suche dir einen neuen Verein.“ Die offizielle Freigabe gab es schließlich drei Tage vor Weihnachten. Einen Verein aber fand der Fallengelassene nicht. Angebote habe es zwar gegeben, „aber ich hatte nicht das Gefühl, das es das Beste in meiner Situation ist“, erklärte Polenz.

Um sich fit zu halten, durfte er weiter am Training der Profis teilnehmen, die Zahl seiner Einsätze (sechs) erhöhen jedoch nicht. Auch in der U23 durfte er lange nicht ran. Er würde sonst Nachwuchsspielern und Rekonvaleszenten die Chance auf Spielpraxis nehmen, hieß es. Selbst alle Übungen durfte Polenz über viele Wochen nicht mitmachen. Lauf- und Techniktraining ja, Spielformen einstudieren nein. Eines konnte ihm Union aber nie vorwerfen: dass er sich hätte hängen lassen. „Jerome stiftet auch keinen Unfrieden“, sagte Neuhaus zudem. Jetzt hat er auch keinen Grund mehr dazu. „Es ist schön, wieder eine Perspektive zu haben. Ich werde alles versuchen, um diese Chance zu nutzen“, sagte Polenz am Montag: „Die Hoffnung stirbt zuletzt, daran habe ich mich gehalten.“ Geholfen hat ihm dabei seine Frau Svenja, „sie hat mich immer wieder aufgebaut“.

Durch die Begnadigung bekommt Neuhaus eine weitere Alternative für die Außenverteidigerposition, denn Marc Pfertzel offenbarte zuletzt immer noch Schwächen. Polenz signalisierte bereits: „Ich spiele da, wo mich der Trainer aufstellt.“ Und gerade ein Verein wie Union kann sich kein totes Kapital leisten und einen Spieler unberücksichtigt lassen, der noch zwei Jahre Vertrag hat.

Zwei Wochen Pause für Madouni

Leichte Entwarnung gab es derweil bei Ahmed Madouni. Der Innenverteidiger fehlt Union zwar am Freitag im Duell bei Bundesliga-Absteiger Eintracht Frankfurt. Der 30-Jährige muss jedoch nur zwei Wochen pausieren, nachdem sich seine Verletzung, zugezogen beim 2:0-Sieg gegen Aachen, „nur“ als Außenbanddehnung im rechten Knie herausstellte.