Trotz Erfolgsserie

Union Berlin behält die Bodenhaftung

Nach dem vierten Heimsieg in Folge ist der 1. FC Union nur noch fünf Punkte vom Relegationsplatz entfernt. An die Bundesliga denkt in Köpenick aber niemand. Wohl auch, weil es der Spielplan bisher gut meinte mit den Berlinern.

Wie sich die Zeiten doch ändern. „Ich kann mich noch daran erinnern, und das ist noch gar nicht so lange her, wo wir enorm kritisiert wurden, wo es hieß, das Saisonziel ist in weite Ferne gerückt, wir sollten aufpassen, dass wir nicht sang- und klanglos absteigen“, sagte Patrick Kohlmann. Kritik, die auf die Mannschaft des 1. FC Union Mitte August nach dem desaströsen 0:4 bei Dynamo Dresden einprasselte. Sechs Wochen später, mit dem vierten Heimsieg in Folge – wahlweise auch der dritten Partie am Stück ohne Niederlage – im Gepäck, kann hinsichtlich des ausgerufenen Saisonzieles (einstelliger Tabellenplatz) schon einmal die Frage gestellt werden: Darf es nicht vielleicht doch ein bisschen mehr sein?

„An Platz drei verschwende ich keinen Gedanken“, gibt Trainer Uwe Neuhaus sofort zu verstehen, dass er von Aufstiegsfantasien welcher Art auch immer zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts hält. Trotz der Tatsachen, dass sich seine Mannschaft ein vernünftiges Polster zur unteren Tabellenhälfte erspielt hat und der Relegationsplatz zur Bundesliga eben nur fünf Punkte entfernt ist. Torsten Mattuschka, der Kapitän bestätigt: „Wir haben jetzt 14 Punkte, das ist sehr ordentlich.“ Und es spricht derzeit einiges dafür, dass der Aufschwung in Köpenick noch nicht beendet sein muss.


Nicht zuletzt das 2:0 am Sonnabend gegen Aachen hat gezeigt, dass Union auch in der Lage ist, weniger gute Auftritte für sich zu entscheiden. „Wenn wir das mal öfter beweisen“, so Neuhaus, „dann haben wir die Qualität“, die nötig ist, um einen Blick nach oben riskieren zu können. Deshalb war es für den Trainer enorm wichtig, dass die Seinen endlich wieder ohne Gegentor geblieben sind. „Das ist für das Gefühl in den nächsten Wochen sehr wichtig.“ Kohlmann fügte hinzu: „Das gibt Sicherheit. Dann weiß man, dass man zumindest nicht verloren hat.“

Doch gerade die Leistungen in den Heimspielen geben weit mehr als nur ein gutes Gefühl. Sie geben enormes Selbstvertrauen. Dass man sich an der Alten Försterei dennoch bedeckt hält, muss kein Nachteil sein. „Wir sind auf einem guten Weg“, bestätigte Kohlmann. „Aber wir sollten noch nicht nach oben schauen.“

Zweifel am Aufwärtstrend

Das klingt fast so, als würden sie in Köpenick dem Aufwärtstrend selber noch nicht so richtig trauen. „Es ist schwierig zu sagen“, will sich der Trainer selbst nach längerem Überlegen immer noch nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass seine Mannschaft möglicherweise doch die Qualität für mehr als nur einen gesicherten Mittelfeldplatz besitzt. „Ich glaube schon, dass wir uns in den vergangenen Wochen stabilisiert haben“, sagte Neuhaus also. Und der Coach lässt auch ohne zu zögern wissen: „Wir müssen auf diesem Weg bleiben.“

Zumindest die ersten Abschnitte dieses Weges hat Union erfolgreich bestritten. Das dokumentiert die Ruhe, die die Spieler gegen Aachen behalten haben. Uwe Neuhaus sprach von der „Souveränität mit dem Wissen um die eigene Stärke“, auch war er „mit der Arbeit nach hinten sehr zufrieden, wir haben wenig zugelassen“. Das klingt nicht wirklich nach einem Trainer, der Überraschungen nach oben für unmöglich hält. Viel mehr verblüfft er mit einer einfachen, gar nicht abwegigen Rechnung und zeigt damit, dass ein verstohlener Blick auf Rang drei doch schon mal erlaubt sein darf: „Dresden war eigentlich das einzige schlechte Spiel in der Meisterschaft. Die Ergebnisse hätten schon ein wenig besser aussehen können. Gegen Fürth hätten wir einen, in Duisburg sogar zwei Punkte mehr haben können.“ Statt 0:4 hätte es auch 5:5 gegen die SpVgg heißen können, in Duisburg gab es ebenfalls genug Chancen, um einen Auswärtssieg zu landen. Und schon würde der Abstand zur Bundesliga-Relegation nur noch zwei Punkte betragen.

Nein, man bleibt bei Union auf dem Boden der Tatsachen. Wohl auch deshalb, weil es der Spielplan in der Saison 2011/12 gut meint mit den Köpenickern. Abgesehen von den Fürthern, die Woche um Woche ihre Aufstiegsambitionen untermauern, blieb man bislang von den weiteren Spitzenteams der Liga aus Düsseldorf, St. Pauli, Braunschweig oder Frankfurt verschont. Vor diesem Hintergrund wird schon klar, warum Neuhaus von Aufstiegsträumen nichts wissen will: „Wir haben mit unserem Saisonziel schon alles ausgegeben. Es bleibt dabei, dass es eher Platz neun als eins wird.“ Mehr zu erreichen, hat Neuhaus seinen Spielern allerdings nicht verboten.