Zweite Liga

Jan Glinker hütet erneut das Union-Tor

Wenn Union Berlin am Sonnabend auf Alemannia Aachen trifft, wird Jan Glinker wieder zwischen den Pfosten stehen. Mit starken Leistungen hat der Keeper das Vertrauen seines Trainers zurückgewonnen, profitiert allerdings auch von der Verletzung von Marcel Höttecke.

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Lässig sitzt er auf dem Geländer, das den Trainingsplatz an der Alten Försterei umgibt. Die gut zweistündige Übungseinheit, die er gerade absolvieren musste, ist ihm kaum anzumerken. Lediglich die Sonne, die ihm direkt ins Gesicht scheint, irritiert ihn ein wenig. Jan Glinker ist entspannt, sein Befinden fasst er in wenige Worte. „Ich fühle mich gut und genieße die Zeit gerade wieder extrem“, sagt der Torwart des 1. FC Union. Seine Stimme klingt ruhig, als er hinzufügt: „Ich freue mich sehr über die Entscheidung.“

Die Entscheidung – damit ist jenes Bekenntnis seines Trainer Uwe Neuhaus gemeint, das Glinker wieder zurück in den Status der Nummer eins beim Berliner Fußball-Zweitligisten gehievt hat. Der Coach hatte auf dem Fantreffen Anfang des Monats zu verstehen gegeben: „Wenn Glinker weiter so gut hält wie bisher, muss sich Marcel Höttecke hinten anstellen.“ Jener Höttecke, der von Neuhaus zu Saisonbeginn zum Stammkeeper ausgerufen wurde – und der sich seit Anfang August mit den Folgen einer Oberschenkelzerrung herumplagt.

Per SMS hatte Glinker noch am Abend des Fantreffens von seiner definitiven Rückkehr in die Startelf erfahren. Für ihn eine logische Entwicklung, auch wenn der Auslöser – sprich: Hötteckes Verletzung – ohne Zweifel so nicht gewünscht war. „Auch wenn Höttecke in den Spielen im Tor stand, hatte ich im Training immer das Gefühl, dass ich gleichwertig bin“, hatte sich Glinker nie als Nummer zwei gefühlt. Dieses neue, gestärkte Selbstbewusstsein war in den vergangenen Wochen auch auf dem Rasen zu sehen und wird auch am Sonnabend gegen Alemannia Aachen (13 Uhr, Alte Försterei und hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ) benötigt.

Sehen wir also seit einiger Zeit den neuen Jan Glinker? „Ich hoffe, dass ich aus dieser Zeit, in der ich auf der Bank saß, gelernt habe und gestärkt daraus hervorgehe. Ich hatte so eine Phase ja noch nie“, sagt der 27-Jährige. Dass ihn die vergangenen rund 15 Monate dennoch zugesetzt haben, gibt der Profi heute unumwunden zu. „Ich bin schon jemand, der in manchen Dingen sehr sensibel reagiert“, sagt Glinker. Wenn er zum Beispiel einen Konkurrenten vor die Nase gesetzt bekommt, so wie Höttecke im Sommer des Vorjahres.

Nun ist es im Profifußball sicherlich Gang und Gäbe, sich mit neuen Bewerbern gerade vor einer Spielzeit auseinander setzen zu müssen. Für Glinker, der seit 2001 bei Union ist und seit 2005 wegen eben fehlender Konkurrenz immer zur Stammelf gehörte, war es eine völlig neue Situation. „Als Hötti kam, habe ich schon geflattert, das hat ja auch jeder gesehen“, erinnert sich Glinker. Prompt fand sich der Ur-Unioner auf der Bank wieder.

Eine Rückkehr in die Startformation schien ausgeschlossen. Auch weil Glinker nicht diese Souveränität ausstrahlte wie derzeit. „Wenn ich das unbedingte Vertrauen des Trainers spüre, dann bin ich stark“, erklärt der Keeper. Stärke, die auch Samstag gegen Aachen nötig ist. Und die Glinker auch wieder zeigen will. Denn die Rückendeckung des Coaches ist ihm nun gewiss. Höttecke dagegen „muss sich auch irgendwann fragen, ob er nicht zu verletzungsanfällig ist“, sagte Trainer Neuhaus. Allein in den vergangenen zwölf Monaten hatte der 1,99-Meter-Mann dreimal wegen einer Muskelverletzung pausieren müssen. So musste Glinker schon in der Saison 2010/11 einmal für fünf, einmal für vier Partien einspringen. Dass ihn das monatelange Hin und Her zwischen Startelf und Reservistendasein nicht vollends aus der Bahn geworfen hat, spricht für ihn. Geht es nach Glinker, dann gelten die derzeitigen Verhältnisse auch noch über die laufende Spielzeit hinaus. Sein Vertrag läuft zwar aus, doch gibt es bessere Argumente für ein Bleiben als gute Leistungen auf dem Rasen? Glinker behält auch hier die Ruhe: „Ich will jetzt erst einmal meine Leistung bringen, und alles andere kommt dann von ganz allein.“