Zweite Liga

Union Berlin – Im Sturm herrscht Flaute

Silvio und Quiring sind verletzt. Ob Mosquera nach seiner Oberschenkelzerrung spielen kann, steht ebenfalls in den Sternen. Für das Spiel am Sonnabend gegen Alemannia Aachen muss Union-Coach Neuhaus auf die zweite Reihe setzen.

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Ein lauter Ruf hallt über das Gelände an der Alten Försterei, gefolgt von einem Händeklatschen. Dann läuft Uwe Neuhaus los, in Richtung des Tores, energisch, nicht wirklich begeistert von dem, was er gerade gesehen hat. „Ihr seid in Höhe des Elfmeterpunktes, da müsst ihr schon den Abschluss suchen“, ermahnt der Trainer des 1. FC Union seine Spieler. Es sind Konter, die Neuhaus üben lässt. Der Erfolg der Spielzüge insgesamt ist – nennen wir es – ausbaufähig.

Bei jedem neuen Anrennen, bei dem der Coach ein ums andere Mal korrigierend eingreifen muss, spielt beim Berliner Fußball-Zweitligisten die große Frage mit: Wer soll die Tore schießen im kommenden Heimspiel am Sonnabend (13 Uhr, Alte Försterei) gegen Alemannia Aachen? Eine Frage, die sich in den vergangenen Wochen nicht gestellt hat. Da war ein Silvio, der es bislang auf vier Treffer gebracht hat, ein John Jairo Mosquera mit immerhin zwei Treffern und ein Christopher Quiring, auch schon zwei Tore. Das Dilemma der Eisernen: Silvio fällt wegen eines Bänderrisses im linken Sprunggelenk für Wochen aus, Quiring wird nach knapp einer Woche mit einer Gürtelrose zunächst die Medikamente aus seinem Körper bekommen müssen, und auch hinter Mosqueras Einsatz (Oberschenkelzerrung) steht ein dickes Fragezeichen.

Die Partie gegen Aachen wird somit ganz klar zur Chance für die zweite Reihe. „Wenn Quiring ausfällt, ist ein Patrick Zoundi da, wenn Silvio ausfällt, ist ein Simon Terodde da. Der Trainer weiß, egal wer kommt, es gibt keinen Qualitätsverlust“, sagt Torsten Mattuschka zwar. Und es spricht für den Kapitän, dass er die Akteure, die zuletzt mit der Reservistenrolle haben vorlieb nehmen müssen, stark redet. Doch aufdrängen konnte sich aus Unions Hinterhand bislang niemand.

Beispiel Terodde. In den Testspielen während der Vorbereitung oder auch in der Saison war der Ex-Kölner stets ein Torgarant. Doch sobald es in der Liga um Punkte geht, versagen dem 23-Jährigen die Nerven. Auch während der Konter-Übungen gelang ihm nicht viel. Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass auch die Mitbewerber Halil Savran und Steven Skrzybski ihr Visier noch viel besser justieren müssen.

Das Thema Terodde gibt auch dem Trainer zu denken. „Er muss sich im Training die Erfolgserlebnisse holen“, sagt Neuhaus. Das gelingt derzeit nur bedingt. Wie es um Teroddes Befinden bestellt ist, zeigt folgende Szene: Als der Stürmer bei der Schussübung zum Trainingsende endlich getroffen hat, schaut er erst ein wenig ungläubig, muss sogar von seinem Teamkollegen auf einen nicht unwichtigen Umstand hingewiesen werden: „Simon, du muss laut zählen, sonst gilt das Tor nicht.“ Erst danach lässt Terodde ein halblautes „eins“ folgen. Neuhaus stärkt seiner Neuverpflichtung aber weiter den Rücken. „Letztes Jahr haben auch alle Mosquera verdammt, ich habe an ihm festgehalten, und er hat es dann irgendwann zurückgezahlt“, sagt der Coach.

Von solchen Treueschwüren kann Halil Savran nur träumen. Seinen Status als Nummer vier in der Riege der Union-Angreifer ist der Ex-Dresdner immer noch nicht losgeworden. „Ich mache das, was ich immer mache. Ich trainiere ordentlich, haue mich voll rein. Was dann passiert, weiß kein Mensch, außer vielleicht der Trainer“, sagt Savran und macht sich offensichtlich keine allzu großen Hoffnungen auf einen Einsatz gegen Aachen von Beginn an. Seit über einem Jahr ist der Berliner nicht über den Reservistenstatus hinausgekommen. Von einer verschenkten Zeit will er dennoch nichts wissen. Natürlich hätte er sich gefreut, wenn er mehr Einsätze gehabt hätte, dennoch habe er sich bei Union weiterentwickelt.

Bleibt die Frage, wer Christopher Quiring adäquat ersetzen kann. Zuletzt musste Patrick Zoundi ran. Ihm merke man jedoch an, so der Trainer, „dass er keinen Wettkampfrhythmus hat. Gegen Duisburg hatte er zwei, drei maximale Läufe, danach hat er nur noch Sternchen gesehen“. Dem Mittelfeldspieler fehlt es schlicht noch an der hundertprozentigen Fitness. Auch davon ist Trainer Neuhaus nicht wirklich begeistert.