Zweite Liga

Union Berlin ist eine Hightech-Mannschaft

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Michael Färber

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Seit Anfang der Saison nutzen die Profis von Union Berlin Tablet-PCs, um sich auf ihre Spiele vorzubereiten. Bis jetzt funktioniert das ganz gut, doch nicht nur deshalb fahren die Köpenicker am Sonnabend als Favorit zum MSV Duisburg.

Man kann es sich bildlich vorstellen. Da sitzen die Spieler des 1. FC Union in ihrem Mannschaftsbus, jeder von ihnen den eigenen Tablet-PC in der Hand, das Wunschprogramm vor Augen. Die Herr-der-Ringe-Trilogie zum Beispiel, als Metapher dafür, dass man nie aufgeben sollte. Wie wäre es mit dem berühmten Aquarium, um vor einem wichtigen Spiel noch einmal richtig abzutauchen? Oder doch lieber Rambo, um sich klar zu machen, dass man unbesiegbar ist?

So weit, dass Trainer Uwe Neuhaus seiner Mannschaft erlaubt, vor der Fahrt zum Auswärtsspiel gegen den MSV Duisburg (Sonnabend, 13 Uhr, Sky live und im Live-Ticker von Morgenpost Online ) die heimische Videothek zu plündern, ist es beim Berliner Fußball-Zweitligisten sicher noch nicht. Dass die Köpenicker Kicker alle mit den entsprechenden Geräten ausgestattet sind, ist jedoch längst keine Zukunftsvision mehr. Seit Saisonbeginn nutzt Union dieses Equipment, um die Spieler so professionell wie möglich auf den Gegner vorzubereiten. Darauf gespeichert sind neben Standardsituationen jede Menge an Informationen über sich selbst und die möglichen Gegenspieler, dazu auch Motivationsvideos. Computer-Spiel macht Union stark. Daniel Stenz, seit zwei Jahren Unions Videoanalyst, spricht von Stellschrauben, an denen man drehen könne: „Wir sitzen sicherlich nicht auf der Tribüne und steuern die Spieler per Joystick. Spielen müssen sie allein.“

Das haben sie in den vergangenen drei Partien auch ordentlich getan. Auch wenn die Punkteausbeute aus den Begegnungen gegen Bochum (2:1), in München (1:3) und gegen Ingolstadt (4:1) nicht dem Optimum entspricht – spielerisch ist der Aufwärtstrend nicht zu leugnen. Er muss auch in Duisburg noch nicht zu Ende sein, zumal der DFB-Pokalfinalist der Vorsaison noch nicht an die Leistungen aus dem Frühjahr hat anknüpfen können. Gleich 15 Zugänge wollen erst einmal zu einer schlagkräftigen Mannschaft geschmiedet werden.

Union im Aufwind, Duisburg als 14. nahe der Abstiegsregion – da darf man in Köpenick doch schon von einer gewissen Favoritenrolle sprechen, oder? „Niemals.“ Natürlich ist es Neuhaus selbst, der solchen Gedanken einen Riegel vorschiebt: „Wir lassen uns nicht in diese Rolle reindrängen.“ Er spricht von Qualität, die der MSV immer noch besitze. In die Euphorie nach dem Klassespiel gegen Ingolstadt wolle er schon gleich gar nicht einstimmen. „Ich bleibe nach wie vor auf dem Teppich und mache meine Arbeit.“ Dennoch scheint sich das Erscheinungsbild bei der Konkurrenz ein wenig gewandelt zu haben. „Union besticht in dieser Saison nicht nur durch Kampfkraft, sondern ist auch wegen der spielerischen Elemente nur schwer auszurechnen“, stellt zum Beispiel der MSV auf seiner Homepage fest.

„Die Gegner haben schon Respekt vor unserer Offensivkraft“, bestätigte Mittelfeldspieler Michael Parensen. Von einem neuen 1. FC Union zu sprechen, geht ihm dann doch zu weit. „Ich glaube“, springt ihm der Coach zur Seite, „dass man uns immer akzeptiert und respektiert hat.“ Die Wahrnehmung seiner Mannschaft in der Liga habe sich durch die 90 Minuten vom vergangenen Wochenende nicht total verändert.

Das Selbstvertrauen, das seine Spieler an den Tag legen, hingegen schon. Der Wunsch des Trainers, „dass wir in Duisburg mit breiter Brust auflaufen“, wird folglich auch nicht nur ein Wunsch bleiben. Denn eines dürfte schon jetzt sicher sein: Der Druck liegt beim MSV Duisburg, der in den bisherigen sieben Partien ganze fünf Pünktchen hat zusammenklauben können. Union bringt es immerhin schon auf zehn Zähler. Die Konstellation ist in der Spielzeit 2010/11 übrigens noch komplett anders gewesen. Seinerzeit hatte der MSV Kontakt zu den Aufstiegsplätzen, Union mühte sich im Kampf gegen den Abstieg. Folglich liegt die Pflicht, morgen Nachmittag unbedingt gewinnen zu müssen, denn auch bei den Zebras. Und dass das Publikum in Duisburg schnell unruhig wird, wenn es bei der eigenen Mannschaft nicht so läuft wie erwartet, hat sich natürlich auch bis nach Köpenick rumgesprochen.

Es war Kapitän Mattuschka, der folgende Rechnung aufmachte: „Es wäre schön, wenn wir in den nächsten beiden Spielen vier bis sechs Punkte holen könnten.“ Ein wenig scheint Union die Favoritenrolle doch schon angenommen zu haben.