4:1 gegen Ingolstadt

Bei Silvios Traumtor wurde Neuhaus zum Derwisch

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Nach dem 0:1-Rückstand krempelte der 1. FC Union gegen Ingolstadt die Ärmel hoch, um dann auch spielerisch zu brillieren. Glanzpunkt war das „Tor des Monats"-verdächtige 2:1 von Silvio.

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Da konnte selbst Uwe Neuhaus nicht mehr an sich halten. Wie vom Blitz getroffen sprang der Trainer des 1. FC Union von seinem Platz auf, lief und hüpfte die Seitenlinie entlang, strahlte dabei über das ganze Gesicht und applaudierte ausgelassen. Selten, ganz selten hat man den Übungsleiter des Berliner Fußball-Zweitligisten derart euphorisch während eines Spiels seiner Mannschaft gesehen. Doch Sonntagnachmittag, beim 4:1 (2:1) gegen den FC Ingolstadt , musste diese Begeisterung einfach raus. Später, nachdem Union sowohl kämpferisch als auch spielerisch eine Klasseleistung abgeliefert hatte, beschrieb er jenen Moment in der 30. Minute wie folgt. „Das 2:1 war alleine schon das Eintrittsgeld wert“, sagte Neuhaus, und fügte hinzu: „Das war perfekt.“

Jener Treffer nach einer halben Stunde war nicht nur Tor-des-Monats-verdächtig, sondern auch die Initialzündung für die Berliner: An diesem Tag, das war spätestens nach dieser Traumkombination klar, würde nichts mehr anbrennen. Patrick Kohlmann hatte mit einem herrlichen Diagonalpass hinaus auf den rechten Flügel Torsten Mattuschka bedient, der Kapitän leitete den Ball direkt in den Strafraum zu Silvio . Und der Brasilianer tat das, was man von Südamerikanern gemeinhin auf einem Fußballplatz erwartet: Er zauberte das Spielgerät mit einem Seitfallzieher in die Maschen. 15.204 Zuschauer tobten auf den Rängen der Alten Försterei.

Ein Spiel für die Tordifferenz

„Wichtig war, dass wir nach der Niederlage in München wieder eine Reaktion gezeigt haben“, sagte Mattuschka. Und was für eine. Es schien, als sollten die hochsommerlichen Temperaturen von knapp 30 Grad den Unionern nichts anhaben. Von Minute zu Minute wurden die Berliner selbstbewusster. Weil sie sich auch vom frühen Rückstand nicht haben schocken lassen. Edson Buddle und Marvin Matip hatten Union-Verteidiger Ahmed Madouni düpiert, Matip schließlich von rechts auf den völlig freistehenden Moritz Hartmann geflankt, der aus fünf Meter keine Mühe hatte (14.) – Union-Keeper Jan Glinker war ohne Chance.

„Grundlage war, dass wir gut gearbeitet haben“, sagte denn auch Mittelfeldabräumer Markus Karl. Und getreu dem Motto „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, begann Union Fußball zu spielen, in des Wortes wahrer Bedeutung. Ob beim Ausgleich durch Christian Stuff, der einen Mattuschka-Freistoß mit dem Hinterkopf ins Tor verlängerte (21.), oder beim 3:1, bei dem sich zunächst Silvio mit einer Vorlage bei Mattuschka für dessen Vorarbeit beim 2:1 bedankte, der Kapitän sich gegen die Ingolstädter Defensive samt Torwart Sascha Kirschstein durchwühlte und vollendete (49.) – es machte Spaß, den Köpenickern zuzuschauen. Trainer Neuhaus war vor allem deshalb zufrieden, weil die Seinen die Vorgabe, „den Vorsprung nicht nur verwalten“ zu wollen, umgesetzt haben.

Union tat dabei auch noch etwas für die Tordifferenz. Dank Silvio, der bei seinem zweiten Treffer Kirschstein keine Chance ließ und eiskalt ins lange Eck einschob (86.). Bedient wurde der Südamerikaner von Simon Terodde , den es im Offensiv-Roulette „Sechs aus Sieben“ erwischte hatte und der erst in der 74. Minute für den insgesamt unglücklich agierenden John Jairo Mosquera eingewechselt wurde. „Ich bin glücklich, dass ich der Mannschaft helfen konnte“, sagte Silvio. 4:1 nach einem begeisternden Spiel – bleiben da Wünsche offen? Trainer Neuhaus zögerte kurz, ehe er mit einem langgestreckten „Ja“, antwortete. Aber: „Nach einem solchen Spiel wollen wir nicht unverschämt sein“, erklärte er schließlich. Und lachte dabei.