Zweite Liga

Union Berlin kämpft gegen den Auswärtsfluch

Der 1. FC Union fährt mit Selbstbewusstsein in die Höhle der Löwen. Hoch motivert gegen 1860 München dürfte am Sonntag Offensivspieler Chinedu Edu sein.

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Wenn Silvio die Szenerie betritt, ist die gute Laune meist nicht fern. Der Brasilianer in Diensten des 1. FC Union bringt eine ihm angeborene Freundlichkeit mit, seine Worte werden stets von einem Lächeln begleitet. Selbst bei weniger angenehmen Themen. Unions schwache Auswärtsauftritte zum Beispiel. Und selbst in dieser Angelegenheit versucht der Offensivmann des Berliner Fußball-Zweitligisten noch das Positive herauszustellen. „Ich fand nicht, dass wir auswärts bislang so schlecht gespielt haben. Dresden war unser einziges schlechtes Spiel“, sagte Silvio.

Über volle 90 Minuten betrachtet, hat der 26-Jährige sicher Recht. Dennoch: Das peinliche Pokalaus beim Regionalligisten Rot-Weiss Essen und der insgesamt nur mäßige Auftritt beim FSV Frankfurt haben ebenfalls keine sonderlich positive Visitenkarte hinterlassen. Und nun geht es am Sonntag zu 1860 München in die Allianz Arena. Ausgerechnet gegen den vor dem Spieltag besten Angriff der Liga sollen die schwachen Auswärtsauftritte ein Ende haben. Kein leichtes Unterfangen für die Köpenicker.

Wieder stellt sich die Frage: Können die Unioner endlich die gute Leistung aus einem Heimspiel auch auf des Gegners Platz auf den Rasen bringen? Die Spieler sind sich offenbar selbst nicht ganz so sicher, ob sie dazu überhaupt in der Lage sind. „Das ist wohl eine Kopfsache“, sagt Kapitän Torsten Mattuschka. Defensivspieler Christoph Menz sieht zwischen den Partien auswärts und zuhause schon einen „krassen Unterschied. Das haben wir oft genug auch angesprochen. Die Atmosphäre ist auswärts anders, vielleicht ist es auch eine Gewohnheitssache, zuhause kennt man die Umgebung. Das klingt einfach, ich weiß, aber trotzdem ist es auch so.“

Dennoch gibt es keine Garantie, dass der nächste Auswärtspatzer auch wieder mit einem Sieg in der heimischen Alten Försterei wettgemacht werden kann. Jetzt, da das Feld in der unteren Tabellenhälfte noch dermaßen eng beieinander ist, droht schon nach zwei Spielen ohne Sieg das Abrutschen in die Abstiegsregion. Genau dies gilt es, in jedem Fall zu verhindern. Eben deshalb warnt Mattuschka schon jetzt: „Wir müssen den Bock endlich umstoßen. Schließlich wollen wir zu Hause nicht immer unter Druck stehen, nur weil wir auswärts immer auf die Fresse bekommen.“

Dass Michael Parensen dabei möglicherweise nicht wird mithelfen können, ist nicht hilfreich. Gut möglich, dass für ihn Chinedu Ede die linke Außenbahn bearbeiten wird. In jedem Fall kann Ede befreit aufspielen, nachdem Union seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag vorzeitig bis 2015 verlängert hat. „Union ist mein Verein geworden, bei dem ich mich in den nächsten Jahren weiterentwickeln möchte“, sagte der 24-Jährige. Bei den Münchner Löwen ist die erste Chance zu zeigen, dass Trainer Uwe Neuhaus sich richtig entschieden hat: „Chinedu ist ein schneller Spieler mit ausgezeichneter Technik, der jederzeit für überraschende Momente sorgen kann. Er hat sein Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft und kann noch viel mehr aus sich herausholen.“ So wie die gesamte Mannschaft im Übrigen auch.

Das weiß natürlich auch Silvio, bislang mit zwei Elfmetertoren für Union erfolgreich. „Wenn wir die gleiche Leistung bringen wie gegen Bochum, können wir auch viel für unser Selbstvertrauen tun“, sagt der Brasilianer. Und lächelt dabei freundlich.