Zweite Liga

Unions Mosquera will mehr als nur Joker sein

Stürmer John Jairo Mosquera hat seinen Vertrag beim 1. FC Union erst vor zwei Wochen bis 2014 verlängert. Benötigt wurde der Stürmer derzeit aber kaum. Doch auf dem Platz zeigt der Spieler, was er kann.

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Vielleicht passiert noch etwas beim 1. FC Union. Das hat sich am Wochenende so ergeben. Eigentlich sollten die personellen Dinge zumindest für die erste Hälfte der Saison in der zweiten Fußball-Bundesliga geregelt sein. „Ich vertraue dem Kader, den wir haben“, sagt Trainer Uwe Neuhaus. Ein Gespräch aber, das er vor dem 2:1 (1:1) gegen den VfL Bochum geführt hat, könnte nun doch für eine Veränderung sorgen.

Neuhaus hatte sich mit Halil Savran zusammengesetzt. „Mit seiner Entwicklung bin ich nicht so zufrieden. Er ist klar Stürmer Nummer vier“, erklärte der Trainer dem 26-Jährigen, der zur vergangenen Saison aus Dresden gekommen war. Anschließend entfernte Neuhaus den Angreifer aus dem Kader und berief Steven Skrzybski als vierten Angreifer in die Mannschaft für das Spiel gegen Bochum. Savran gefällt das alles nicht, er würde am liebsten möglichst schnelle bei einem anderen Klub anheuern.

Reichlich unzufrieden war zuletzt auch John Jairo Mosquera damit, wie es ihm so erging. „Ich kenne ihn lange genug und habe in seinen Augen gesehen, wie traurig er ist“, sagt Neuhaus. Einst war der 23 Jahre alte Kolumbianer bei ihm gesetzt. Zwei Jahre lang besaß Mosquera fast so etwas wie eine Stammplatzgarantie. Die ist nun weg, seit Union im Sommer Simon Terodde und Silvio an sich gebunden hat. Vor Bochum war Mosquera zweimal gar nicht dabei, kam insgesamt in vier Spielen nur 35 Minuten zum Einsatz.

„Das war wie im Traum“

Auch mit Mosquera hat Neuhaus gesprochen. Anders als bei Savran führte das bei dem nicht zu Trennungsgedanken. Neuhaus schätzt den Kolumbianer weiterhin als wichtigen Teil in seinem Kader. Gegen Bochum wurde Mosquera dieser Einordnung gerecht. Neuhaus wechselte ihn ein, und es dauerte nur 47 Sekunden, bis Unions bester Torschütze der Vorsaison den Siegtreffer erzielte. „Das war wie im Traum“, erzählt Mosquera.

Sein Trainer hatte vor dem Spiel in der Mannschaftssitzung erwähnt, dass nach seinem Gefühl die Ersatzspieler entscheidend sein würden gegen Bochum. Gewiss war diese Mitteilung mehr Motivation denn Gewissheit. Aber: „Wichtig ist, wie ein Spieler mit solch einer Situation umgeht. Ob er sich selbst bemitleidet oder versucht, mit einer positiven Ausstrahlung ins Spiel zu gehen“, so Neuhaus. Gerade bei Mosquera war die Lage besonders frappierend, kein anderer Spieler der Berliner erfuhr eine derart drastische Veränderung seiner Lage wie er. Sein Lächeln zu bewahren, fiel ihm nicht leicht. „Ich muss damit leben“, sagt er, „wir haben einen guten Kader.“

Tatsächlich ist die Konkurrenzsituation im Angriff bei Union so hart wie seit Jahren nicht. Silvio ist mit zwei Treffern gut im Rennen. Der kräftige Terodde besitzt eine große Präsenz auch dem Platz und unterstrich gegen Bochum, dass er ein verheißungsvoller Spieler ist. Auf imponierende Weise erarbeite er sich einige Torchancen. Getroffen hat er allerdings noch nicht, und genau das könnte nun durchaus die Lage zugunsten Mosqueras beeinflussen. Der Stürmer, der in den Vorjahren sieben bzw. acht Ligatore erzielte, galt bisher auch nie als Ausbund an Treffsicherheit. Gern scheiterte er sonst in solchen Momenten wie gegen Bochum, als er nach einem langen Pass allein auf den Torhüter zulief. „Eigentlich hatte er viel zu viel Zeit gehabt“, sagt Neuhaus. Diesmal aber, da er nicht mehr die Freiheiten vergangener Tage genießt und dadurch zusätzlich unter Druck steht, schoss Mosquera den Ball ins Netz.

Vielleicht kann er persönlich sogar etwas mitnehmen aus den veränderten Bedingungen bei den Köpenickern. „Man muss die Chance nutzen, wenn man eingewechselt wird“, sagt Mosquera. Die dazu erforderlichen starken Nerven hat er jetzt gezeigt Der Trainer dürfte das mit viel Freude registrieren, ihm ist es ohnehin am liebsten, wenn seine Spieler ihm die Entscheidung über die Aufstellung so schwer wie möglich machen.

Nach Bochum sollte die Startformation im Angriff der Berliner damit nicht mehr so zementiert sein wie in den Wochen zuvor. Das Spiel am Sonntag bei 1860 München wird die Auflösung dieser Frage bringen. Nur eines ist schon jetzt klar: Bei Halil Savran werden zu den 34 Minuten Einsatzzeit erst keine weiteren dazukommen. Wer weiß, ob er am Sonntag überhaupt noch bei den Berlinern angestellt ist. Großen Wert legen sie bei Union darauf nicht unbedingt.