2. Saisonsieg

Union betreibt gegen Bochum Wiedergutmachung

Auf einmal fiel die Anspannung ab: Nach dem 2:1-Heimerfolg gegen Bochum sanken die Union-Spieler erleichtert zu Boden. Einen Fehlstart haben die Köpenicker damit vermieden – und sich vor allem mit den eigenen Fans versöhnt.

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Als endlich die Pfeife den Schluss des Spiels verkündete, sank einer nach dem anderen danieder. Erst Simon Terodde, dann Christopher Quiring, dann Torsten Mattuschka und John Jairo Mosquera. Fast die gesamte Offensivabteilung des 1. FC Union lag damit am Boden, völlig kaputt. Mattuschka schaffte es gerade noch, zu Mosquera zu robben und ihn zu umarmen. Danach suchte er wieder den Kontakt mit dem Rasen, einmal noch durchschnaufen. Und den Jubel genießen. Sie alle hatten sich zerrissen, den VfL Bochum mit 2:1 (1:1) niedergekämpft und die Fans glücklich gemacht. So sehr, dass selbst die Ordner später sangen: „Unsere Liebe, unsere Mannschaft, unser Stolz.“

Mit dem war es zuletzt ziemlich weit her gewesen. Das furchtbare 0:4 in Dresden stieß vielen bitter auf. Es gab Aussprachen, Versprechen der Wiedergutmachung, die ganze Palette. Was am Ende bei so etwas herauskommt, lässt sich nur schwer vorhersagen. „Daher geht man mit gemischten Gefühlen in so ein Spiel. Mit den Diskussionen und der Stimmungslage muss die Mannschaft auch erst einmal umgehen“, sagte Trainer Uwe Neuhaus. Seine Spieler aber waren letztlich stark genug, genau das zu tun, was er von ihnen gefordert hat. Sie zeigten Union-Fußball, spielten mit Kampf und Leidenschaft. Der Nachmittag in der Alten Försterei geriet darüber vor 14.388 Zuschauern zu einem regelrechten Versöhnungsfest.

Union ließ den Ball laufen

Allein mit Kämpfen und Laufen, den zweifelsohne wichtigsten Elementen des Union-Spiels, begnügten sich die Berliner dabei nicht. „Wir haben auch das Fußballspielen nicht vergessen“, sagte Kapitän Mattuschka. Im Vergleich zu Dresden nicht wiederzuerkennen war die Mannschaft, die Neuhaus nur leicht verändert hatte. Christoph Menz rückte zentral vor die Abwehr und ersetzte dort Markus Karl. Den Platz von Menz auf der rechten Abwehrseite nahm der Ex-Bochumer Marc Pfertzel ein und in der Innenverteidigung spielte Ahmed Madouni für den verletzten Daniel Göhlert. Doch es waren weniger die personellen Impulse, die sich auf das Auftreten des Teams auswirkten, als viel mehr die Entschlossenheit, die es über 90 Minuten demonstrierte.

Sie war sehr wichtig gegen Bochum, denn das Spiel bot Momente, in denen eine psychisch anfällige Mannschaft hätte zusammenbrechen können. Die Berliner hatten den Gegner, der zu den besseren in der Zweiten Bundesliga zählt, gut im Griff. „Unsere Aufteilung war gut, wir haben nah an den Leuten gestanden und wollten die Zweikämpfe gewinnen“, befand Neuhaus. Dazu lief der Ball ordentlich, passabel sogar für die Verhältnisse der Unioner. Ihnen gelangen ein paar sehenswerte Angriffe. Sie blieben nur ohne Erfolg. „Im Kopf macht man sich da manchmal Gedanken, dass Dinger wieder nicht reingehen wie gegen Fürth“, erinnerte Pfertzel an das erste 0:4 der Saison. Als der schnelle Takashi Inui per Konter die Führung (37.) für das Team von Ex-Hertha-Trainer Friedhelm Funkel erzielte, schien das Unglück seinen Lauf zu nehmen.

Die Berliner aber spielten einfach weiter, als wäre nichts gewesen. Sie drängten nach vorn und bekamen einen Elfmeter zugesprochen, nachdem Christian Stuff von Lukas Sinkiewicz umgerissen worden war. „Den pfeift nicht jeder“, sagte Neuhaus. Silvio versenkte auch seinen zweiten Strafstoß der Saison (45.) und ließ die Köpenicker mit einem guten Gefühl in die Pause gehen.

Als beide Mannschaften zurückkehrten, neutralisierten sie sich weitgehend. Einige Male aber musste Jan Glinker im Union-Tor dennoch eingreifen und sah sicher dabei aus. Dem eigentlichen Ersatzmann wird dies Mut für den Konkurrenzkampf geben, was auch über John Jairo Mosquera zu sagen wäre. Der war von Neuhaus in der 63. Minute eingewechselt worden – und hatte 47 Sekunden später nach einem Pass des ebenfalls eingewechselten Karl den Siegtreffer zum 2:1 erzielt (64.). Bochums Marcel Maltritz war einen Augenblick desorientiert und ermöglichte Mosquera einen Sololauf, an dessen Ende er den Ball in den Winkel drosch.

Etwas glücklich, fand Friedhelm Funkel, habe Union den Sieg über die Zeit gebracht. Alles in allem war es dennoch das beste Spiel der Berliner in dieser Saison. „Wir wollten eine Reaktion zeigen, das haben wir überragend gemacht“, sagte Mattuschka. Sein Trainer bemerkte noch: „Ich denke, heute sind alle zufrieden nach Hause gegangen.“ Zumindest, wenn es sich nicht um Bochumer handelte.