Fußball-Zweitligist

Pokalspiel soll Union Selbstvertrauen bringen

Mit dem Pokalspiel beim Regionalliga-Aufsteiger Rot-Weiss Essen will der 1. FC Union einen Weg aus dem Tief finden. Gute Voraussetzungen sind gegeben, denn Trainer Neuhaus stehen nahezu alle Spieler zur Verfügung.

Foto: Christian Kielmann

Es ist der Traum aller 64 Mannschaften, die in den kommenden Tagen die erste Runde des DFB-Pokals bestreiten werden. Einmal im Endspiel stehen, einmal vor 75.000 Zuschauern im Olympiastadion um den begehrten Pott spielen. Wie so etwas geht, durfte der 1. FC Union bereits erfahren. Vor zehn Jahren endete der Siegeszug der Köpenicker erst im Endspiel gegen Schalke 04. Lang, lang ist's her.

Zum Träumen ist man derzeit an der Alten Försterei keineswegs aufgelegt, und an ein Finale denkt man beim Berliner Fußball-Zweitligisten erst recht nicht. „Wir wollen die zweite Runde erreichen, und dann sehen wir weiter“, sagte Markus Karl, Unions defensiver Mittelfeldspieler. Endlich mal wieder nicht zum Gespött Fußball-Deutschlands werden, weil man sich von einem Favoriten hat vorführen lassen oder von einem unterklassigen Gegner demütigen. „Im vierten Anlauf unter meiner Regie wollen wir endlich den Einzug in die zweite Runde feiern“, forderte auch Trainer Uwe Neuhaus ein Weiterkommen. Und Torsten Mattuschka stellte mit Blick auf die Partie am heutigen Freitag beim Regionalliga-Aufsteiger Rot-Weiss Essen (20.30 Uhr, Sky live) klar: „Da müssen wir unbedingt gewinnen.“

Wegweiser für den Saisonverlauf

Nie zuvor ist ein Sieg im Erstrundenspiel des nationalen Cupwettbewerbes für Union so wichtig gewesen. Essen wird quasi zum Wegweiser für den weiteren Saisonverlauf. Da geht es zum einen natürlich um die Prämie für den Sprung in die nächste Runde. 250.000 Euro lässt der DFB dafür springen. Eine Summe, die man in Köpenick gut gebrauchen kann, sei es, um in der Winterpause personell vielleicht noch nachlegen zu können oder um doch einmal Schnee und Eis zu entfliehen, um sich in einem Trainingslager in südlichen Gefilden auf die verbleibenden 15 Spiele der Rückrunde vorzubereiten.

Doch die Brisanz ist weitaus größer nach dem Fehlstart in die Saison 2011/12. Nach nur einem Punkt aus zwei Spielen gilt es, etwas für das Selbstvertrauen zu tun. Erst recht nach der 0:4-Klatsche gegen die SpVgg Greuther Fürth, bei der Union spielerisch nicht wirklich enttäuschte und trotzdem keine Chance hatte. Das bleibt in den Köpfen der Spieler hängen und erhöht den Druck, in Essen erfolgreich sein zu müssen, umso mehr. „Wir müssen unsere ganze Kraft in das Spiel gegen Essen legen“, sagte Christian Stuff. Gerade der Verteidiger offenbarte mit Nebenmann Ahmed Madouni und Torwart Marcel Höttecke immer noch einige Abstimmungsprobleme.

"Komische Atmosphäre" im Hexenkessel

Schon Freitagabend sollten diese überwunden sein, denn wenn Union erst einmal in Rückstand gerät, wird es ganz schwer. Karl warnt vor einem „frenetischen Publikum, das die eigene Mannschaft nach vorne treiben wird“. Auch Trainer Neuhaus, der die Atmosphäre in der Baustelle Georg-Melches-Stadion kennt, weiß um die Begeisterung in seinem ehemaligen Wohnort: „Was in Essen abgeht, verdeutlicht schon die Zuschauerzahl.“ Gut 14.000 Besucher werden das Stadion zu einem Hexenkessel werden lassen. „Trotzdem wird es eine komische Atmosphäre, weil der eine Teil des Stadions steht, der andere abgerissen ist. Unterschätzen darf man das nicht, die Fans werden ihre Mannschaft absolut fanatisch unterstützen.“ Ein verunsicherter Gegner, selbst wenn er wie Union zwei Klassen höher spielt, kommt den Essenern natürlich gerade recht, um nach überstandener Insolvenz und Rückkehr in die Viertklassigkeit weiter für positive Schlagzeilen zu sorgen.

Apropos Schlagzeilen: Auch Union könnte durchaus mal wieder gute Nachrichten vertragen. Der Umgang des Klubs mit der Armeevergangenheit seines Präsidenten Dirk Zingler im Stasi-Wachregiment „Feliks Dzierzynski“, der Streit um die Kündigung des früheren Teammanagers Christian Beeck sowie der Strafbefehl gegen Torwart Höttecke wegen Beleidigung von Polizisten und Urinierens gegen eine Häuserwand haben tiefe Kratzer in der Außendarstellung des Vereins hinterlassen. Ein Sieg in der ersten Pokalrunde würde das Geschehene zwar nicht mit einem Schlag wegwischen, allerdings endlich wieder den Sport in den Vordergrund rücken.

Wie es gehen soll, verdeutlichte Markus Karl: „Wir müssen noch besser zusammenarbeiten und vor dem Tor kaltschnäuziger zu Werke gehen. Dafür haben wir konzentriert gearbeitet. Wir werden den Gegner auf keinen Fall unterschätzen.“ Oder wie es Uwe Neuhaus nennt: „Wir sind der Favorit und nehmen diese Rolle auch an.“ Immerhin stehen dem Trainer nahezu alle Spieler zur Verfügung, um diese Rolle auch entsprechend mit Leben füllen zu können. Bis auf Fabian Fritsche (Kreuzbandriss) stehen alle Spieler bereit. „Auch Torsten Mattuschka und Michael Parensen rücken Tag für Tag näher an die Mannschaft“, erklärte Neuhaus. Und hält Veränderungen in der Stammelf gegenüber dem Fürth-Spiel nicht für ausgeschlossen. „Jedoch auf Grund der personellen Situation und nicht aus der Konsequenz eines schwachen Spiels heraus“, sagte Neuhaus. So dürfte Kapitän Mattuschka wieder auf seinen Platz im offensiven Mittelfeld zurückkehren, der Brasilianer Silvio würde dann neben Simon Terodde als zweiter Angreifer agieren.

„Wenn wir die in der Mannschaft steckende Qualität abrufen, können wir die erste Runde definitiv überstehen“, ist Markus Karl jedenfalls von einem Weiterkommen überzeugt. Die Spieler müssen nun nur noch Taten folgen lassen.