DFB-Pokalspiel

Neuhaus reist mit Union in die Vergangenheit

Trainer Uwe Neuhaus trifft mit dem Zweitligisten 1. FC Union auf seinen ehemaligen Klub Rot-Weiss Essen. Die Zeit dort möchte er zwar "nicht missen", gewinnen soll aber der Berliner Klub.

Foto: Christian Kielmann

Uwe Neuhaus zögerte nur einen Moment. „Für mich ist es kein stinknormales Spiel, alles andere wäre gelogen“, sagte der Trainer des 1. FC Union. Es ist eine Reise in die Vergangenheit, die der Coach des Berliner Fußball-Zweitligisten am Freitag in der ersten DFB-Pokal-Runde antritt. Sein Team muss um 20.30 Uhr (Sky live) beim Regionalligisten Rot-Weiss Essen ran. Bei jenem Klub, in dem Neuhaus insgesamt fünfeinhalb Jahre tätig gewesen ist, als Spieler und als Trainer, in jener Stadt, in der der frühere Verteidiger 20 Jahre lang gelebt hat. „Die Zeit möchte ich nicht missen“, erklärte er.

Wenn Neuhaus von seiner Zeit in Essen erzählt, „dürfen wir natürlich auch Nico Schäfer nicht vergessen“. Schäfer war von 1997 bis 2009 als Geschäftsführer und Vorstand bei Rot-Weiss tätig. Er war es, der Neuhaus nach Essen geholt hatte. Und der ihn auch wieder entließ. Dass Schäfer nun als kaufmännisch-organisatorischer Leiter von Unions Lizenzspielerabteilung der sportlichen Leitung, also Neuhaus, unterstellt ist, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Die Zusammenarbeit mit Neuhaus in Essen bezeichnete Schäfer als „sehr angenehm, ich hoffe, dass sie fortgesetzt werden kann“.

Neuhaus selbst spricht noch heute von einer „lehrreichen, aber auch schönen Zeit“, die er beim Traditionsklub verbracht hat. Nachvollziehbar, schließlich war es seine erste Station als hauptverantwortlicher Trainer einer Profimannschaft, nachdem er zuvor bei Borussia Dortmund schon als Assistent (Meister 2002 unter Trainer Matthias Sammer) und Amateurtrainer erste Erfahrungen hat sammeln können. Neuhaus erinnert sich an seinen Start in Essen im April 2005: „Ich habe die Mannschaft in den letzten vier Spieltagen übernommen.“ Den Abstieg aus Liga zwei konnte er dennoch nicht verhindern. „Allein das war eine Erfahrung. Ob man die machen muss, weiß ich nicht.“ Auch ob er die Entscheidung noch einmal treffen würde, bei einem fast schon abgestiegenen Profiklub anzuheuern, stellt er heute in Frage. Damals jedoch sah er Essen als Einstieg in die Profitrainerbranche, „weg von einer Amateurmannschaft zu einem ambitionierten Verein“. Der Wiederaufstieg gelang, weiterer Erfolg blieb aus – nach nur einem Punkt aus fünf Spielen musste Neuhaus gehen. Er bezeichnet dies als „Mechanismen der Branche“, das Umfeld kreidete ihm in jenem November 2006 Fehler in personellen Entscheidungen an.

Rund fünf Jahre später kreuzen sich die Wege nun wieder. Und Neuhaus fährt nach Essen ohne Groll ob seines Rauswurfes. Natürlich habe er in den vergangenen Tagen verstärkt SMS-Nachrichten von Bekannten und Freunden aus jenen Tagen erhalten, „die wünschen mir alle Glück“.

Die Entwicklung seines früheren Arbeitgebers hat er nie aus den Augen verloren. „Der Standort Essen mit Rot-Weiss gehört auf absehbare Zeit wieder weiter nach oben.“ Die Insolvenz, die Rot-Weiss im Sommer 2010 hat anmelden müssen, ist inzwischen Geschichte, ebenso wie die Zeit in der fünftklassigen Nordrhein-Westfalen-Liga. „Ich denke, der Verein ist wieder auf einem ganz guten Weg.“ Dass sich nun Union mit Neuhaus den Essenern in diesen Weg stellt, nennt Neuhaus „eine verrückte Geschichte. Klar ist aber auch, dass wir unserer Favoritenrolle gerecht werden wollen.“ Er zögerte keinen Augenblick, um dies klar zu stellen.