1. FC Union

Menz – vom Lückenfüller zum Stammspieler

Früher empfand Unions Christoph Menz seine Vielseitigkeit als Nachteil. Zur neuen Saison hat sich das gründlich geändert - seine Traumposition des "Sechsers" rückt in greifbare Nähe.

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Am Mittwochabend war es einmal mehr so weit, Christoph Menz kennt das ja nun schon. Als Innenverteidiger ließ Trainer Uwe Neuhaus den Defensivallrounder des 1. FC Union im Test gegen Victoria Seelow (10:1) auflaufen, eine Position, die der 22-Jährige zuletzt zwar gespielt hatte. Allerdings nur aushilfsweise, weil zum Ende der Saison fast die komplette Abwehr ausgefallen war. An sich spielt Menz auf der rechten Seite oder im Mittelfeld, und doch war Neuhaus Intention in Seelow klar: Zugang Marc Pfertzel sollte als Außenverteidiger getestet werden, und weil Menz nun einmal recht vielseitig einsetzbar ist, rutschte er in die Zentrale. Diese Flexibilität ist es, die Neuhaus immer wieder an ihm lobt. Die aber auch verhinderte, dass er sich auf einer Spezialposition so richtig festspielen konnte.

„Es war sicher ein Nachteil, oft nur ein Lückenspringer zu sein“, sagt Menz im Rückblick auf die abgelaufene Spielzeit, die ihm immerhin 27 Einsätze bescherte. Er lief als Außen- und Innenverteidigung auf und beackerte das defensive Mittelfeld genauso wie die rechte Außenbahn. Gewissermaßen war er ein Stammspieler ohne angestammte Position. Kehrte ein verletzter Kollege zurück, musste er wieder weichen – oft direkt in die nächste Lücke. Das könnte sich jetzt ändern. Zwar macht ihm Pfertzel auf der rechten Abwehrseite ordentlich Druck. Dafür aber rückt für das Union-Eigengewächs seine Traumposition in greifbare Nähe: Die des „Sechsers“ vor der Abwehr im defensiven Mittelfeld. Dort hat Union nach dem Abgang von Dominic Peitz Bedarf, bisher steht Zugang Markus Karl als einziger Sechser fest. Menz könnt in einem defensiven Spielsystem neben Karl auflaufen. „Ich glaube, dass meine Flexibilität jetzt zum Vorteil wird, für mich und für den Trainer“, sagt Menz. Uwe Neuhaus allerdings zögert noch, die strategisch wichtige Position an Menz zu vergeben. Kürzlich ließ er wissen, er würde ihm die Rolle zwar zutrauen – aber eben nicht alleine, sondern nur im Doppelpack. Neuhaus hält ihn einfach noch für zu jung. „Die Sechserposition lebt viel von Erfahrung“, meint Menz einsichtig, „deshalb sind solche Worte zur Verbesserung in Ordnung, damit kann ich etwas anfangen.“ Möglich, dass ihn seine Vielseitigkeit nun also vor einem harten Konkurrenzkampf mit Pfertzel auf der rechten Seite bewahrt. Den lobt Neuhaus schon nach wenigen Eindrücken: „Er bringt die richtige Mentalität und die nötige Klasse mit, um unsere Defensive zu stabilisieren.“ Menz tut also gut daran, sich für eine Alternativposition zu bewerben.

Vorbild für die Jugend

Trotzdem, meint Menz, fühle er sich derzeit so wohl in der Mannschaft wie lange nicht. „Ich habe das Gefühl, dass der Mannschaftszusammenhalt besser ist als letztes Jahr, weil mehr junge Spieler da sind“, sagt er. Ihm gefällt das auch deshalb so gut, weil es ihn – wie er in der vergangenen Saison durchblicken ließ – schon mal nervt, immer als Vorbild für Unions Jugendarbeit herhalten zu müssen. Denn nicht vielen Talenten gelingt innerhalb eines Klubs der Übergang in den Profibereich, was einen wie Menz, der mit elf Jahren zum Klub stieß, zusätzlich unter Druck setzt: „Wenn du im Verein groß geworden bist, giltst du als Aushängeschild, auf das alle schauen“, sagt er. Er selbst dagegen sieht sich nicht so, er pflegt in der Öffentlichkeit einen sehr bescheidenen Stil. Kampfansagen oder ähnliches sind ihm fremd. Dem Saisonauftakt sieht er denn auch gelassen entgegen, er vertraut darauf, seine Rolle „zeitnah zu finden“. Die nächste Möglichkeit bietet sich schon am Sonnabend: Um 15 Uhr testet Union auswärts gegen Germania Schöneiche.