1. FC Union

Uwe Neuhaus und der Traum vom Aufstieg

Beim Testspiel gegen Lichtenberg 47 muss Trainer Uwe Neuhaus zeigen, ob sein ehrgeiziges Saisonziel Aufstieg erreichbar ist. Auch seine ausstehende Vertragsverlängerung setzt den Trainer unter Druck.

Foto: picture alliance / City-Press Gm / picture alliance / City-Press Gm/picture alliance

Dieser Tage bekommen sie in Lichtenberg einmal mehr schmerzlich vor Augen geführt, wie nah die große Fußballwelt bisweilen doch sein kann. Ab Dienstag gastieren anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen das deutsche Team sowie die Mannschaft aus Kanada in Berlin, am Sonntag bestreiten sie das Eröffnungsspiel. Als Vorbereitungsstätten haben sich die Verantwortlichen Herthas Amateur- (Deutschland) und das Mommsenstadion ausgesucht. Und damit die Howoge-Arena, Berlins nach der Alten Försterei in Köpenick zweitgrößtes reines Fußballstadion links liegen gelassen.

Was hatten sie beim Bezirk Lichtenberg für Träume gehabt, als das Stadion im Jahr 2009 umbenannt wurde und seither den Namen „Hans Zoschke“ nur noch als Beinamen trägt: Eine „Einbeziehung“ in die WM wünschte man sich, wohl als Trainingsstätte, diese Hoffnung war denn auch der Grund, warum der Bezirk die Namensrechte überhaupt hergab. Flutlicht sollte installiert und die Tribüne überdacht werden. Doch es kam bekanntlich anders, WM-Spielerinnen gibt es dort nicht zu sehen, auch kein Flutlicht und auch kein Dach. Und so muss man aus Lichtenberger Sicht den Test am Sonntag von Lichtenberg 47 gegen den 1. FC Union als echtes Ereignis einstufen.

Doch auch aus Sicht des Zweitligisten ist die Partie beim 13. des Vorjahres in der Berlin-Liga interessant, gibt sie Trainer Uwe Neuhaus doch einen ersten Fingerzeig, wie eingespielt seine Mannschaft nach einer Woche Training bereits ist. Für Neuhaus ist der Anstoß um 14 Uhr zugleich der Start in eine für ihn persönlich wegweisende Saison, wenn nicht sogar die wichtigste bei den Köpenickern. Bislang ging es in seiner Amtszeit, die auf den Tag genau fast vier Jahre andauert, immer nur bergauf – von der Qualifikation für die Dritte Liga bis auf Platz elf der Zweiten Liga in der vorigen Saison. Nun hat Klub-Präsident Dirk Zingler angekündigt: „Wir wollen einen einstelligen Tabellenplatz, erst Rang zwölf im ersten Jahr, jetzt elf, da wäre Rang zehn langweilig.“ Und Neuhaus selbst war ihm beigesprungen: „Platz zehn wollen wir jetzt einfach mal überspringen.“

Vom frühen Vogel geweckt

Doch es ist nicht nur diese Aufgabe, die den Trainer unter Druck setzt, auch wenn der das gar nichts so sieht. „Ich bin ein Mensch, der sich grundsätzlich selbst unter Druck setzt“, sagt er. Nein, auch die äußeren Umstände rücken die Resultate seiner Mannschaft in den Mittelpunkt. Über seinen Vertrag zum Beispiel, der im kommenden Sommer ausläuft, wurde zum Beispiel noch nicht verhandelt. Präsident Dirk Zingler betont zwar, dass es nicht darum gehe, erst einmal den Saisonstart abzuwarten. Er sagt: „Ich habe mich zu einem Freund der Kontinuität entwickelt.“

Neuhaus aber wird so oder so mehr im Fokus stehen, alleine schon deshalb, weil er die sportlichen Belange zumindest nach außen komplett alleine wird erklären müssen. Zum andauernden Thema Chrisian Beeck, dessen plötzliche Entlassung im Mai wohl demnächst vor Gericht verhandelt wird, hatte Neuhaus die Sommerpause über beharrlich geschwiegen.

„Ich habe mich bewusst zurückgehalten in den letzten Wochen. Es sieht jetzt so aus, als stünde das in direktem Zusammenhang, das ist aber nicht so. Ich habe zum Ende der Saison gemerkt, dass ich müde wurde. Mein Schlafrhythmus ist jetzt wieder normal, vorher war es so: Wenn ich um fünf Uhr wach wurde, weil ein Vogel im Baum laut war, und dann die Denkmaschine angesprungen ist, war die Nacht vorbei.“

Dass er nun als Mini-Magath oder Alleinherrscher beschrieben wird, passt ihm gar nicht: „Es waren vier Jahre mit Christian Beeck, in denen wir sehr erfolgreich gearbeitet haben, er hat mich geholt, wir hatten eine tolle Zeit. Für mich ist das jetzt aber keine Veränderung meiner Arbeit, ich mache genau die Arbeit weiter, wie ich sie seit vier Jahren leiste.“

Wie auch immer, einen dermaßen katastrophalen Start wie in die vorige Saison (Union holte aus den ersten fünf Spielen nur zwei Punkte) sollte Neuhaus tunlichst vermeiden. Schon allein deshalb, weil er selbst vor kurzem dafür gesorgt hatte, dass durch die Boulevard-Medien ein Wort geisterte, das sie in Köpenick an sich nicht gerne in den Mund nehmen: Aufstieg.

„Platz eins bis neun ist ja wirklich eine breite Palette“, hatte er bei der Saisoneröffnung gesagt, und damit naturgemäß Raum für allerlei Spekulationen eröffnet. Ein wenig scheint es so, als spiele Neuhaus in diesem Jahr bewusst ein bisschen mit dem Feuer. So selbstbewusst und offensiv war er in den Vorjahren jedenfalls noch nie mit den Saisonzielen umgegangen. Nein, Uwe Neuhaus muss sich seiner Sache schon ziemlich sicher sein. Dazu passt auch, wie er die abgelaufene Saison bewertet. Im Urlaub sei ihm erst bewusst geworden, wie viel Pech – im Torabschluss, mit Verletzungen – seine Mannschaft in der Vorsaison gehabt hätte. Sein Fazit: „Da wäre mehr drin gewesen.“

Passenderweise hatte der Trainer seine Mannschaft in dieser Woche im Hochseilgarten in der Wuhlheide trainieren lassen. Gut für das Teambuilding. Und nebenbei ein kleiner Vorgeschmack darauf, wie sich die Luft so weit oben anfühlt.