Transfer

Franzose Marc Pfertzel verteidigt für Union

Mit der Verpflichtung des Rechtsverteidigers Marc Pfertzel holt Union erneut einen Bundesliga erfahrenen Spieler nach Berlin. Neuhaus will mit Pfertzel die Defensive verstärken.

Es gibt da diese Geschichte von Marc Pfertzel, bei der man nicht so genau weiß, wie viel Wahrheit und Legende in ihr steckt. 2007 soll sie sich ereignet haben, der Franzose stand damals beim italienischen Erstligisten AS Livorno unter Vertrag. Die Verantwortlichen des VfL Bochum buhlten um seine Gunst, bis er sich dermaßen umworben fühlte, dass er noch am Verhandlungstisch sagte: „Ich gehe hier nicht weg, bevor ich ein blaues Trikot anhabe.“ Dafür musste er dann schon selbst nachhelfen: Für seinen Wechsel ins Ruhrgebiet verzichtete der heute 30-Jährige angeblich auf Teile seines Gehaltes. Es sieht so aus, als wüsste Pfertzel, wie man sich einen neuen Verein gewogen macht. Demnächst kann er das beim 1. FC Union zeigen, der gestern die Verpflichtung des Rechtsverteidigers bekannt gaben. Er kommt vom griechischen Erstligisten AO Kavala, wo er elf Mal zum Einsatz kam und ein Tor erzielte. Der Vertrag läuft bis 2013 und gilt für die Zweite Liga und die Bundesliga.

Immer mehr Erstligaspieler

Es ist schon erstaunlich, was der Köpenicker Klub derzeit an Zugängen präsentiert. Erst ließ er mit Markus Karl aufhorchen, dann folgte Kölns Stürmer Simon Terodde, erst vor zwei Tagen wurde die Verpflichtung von Patrick Zoundi bekannt gegeben, der immerhin Nationalspieler für Burkina Faso ist. Nun grüßt als vierter Zugang also Pfertzel, der mit der stattlichen Anzahl von 73 Bundesligapartien für die Bochumer empfiehlt. „Marc ist ein sehr routinierter Spieler, auf dessen Erfahrung wir setzen“, betont Trainer Uwe Neuhaus, „Es ist wichtig für uns, die richtige Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern zu finden, um auch in der kommenden Saison in der Zweiten Liga bestehen zu können.“ Pfertzel selbst sagt: „Ich habe zuletzt dreieinhalb Jahre in Deutschland gespielt und fühle mich wohl hier.“

Es fällt schon auf, dass Union zuletzt verstärkt auf Spieler setzte, die – ob national oder international – Erstliga-Erfahrung haben. Ahmed Madouni (Dortmund, Leverkusen), Santi Kolk (Arnheim) und Jerome Polenz (Bremen) in der vergangenen Saison, nun also Terodde (Köln), Karl (Hamburg) und eben Pfertzel, der die mit Abstand meiste Erfahrung mitbringt. Von 2004 bis 2007 brachte er es mit Livorno nicht nur auf 85 Ligaspiele, für ihn stehen gar sieben Einsätze im Uefa-Pokal zu Buche. Damals endete der Traum vom großen Coup erst gegen Atletico Madrid. Von Italien aus ging er schließlich nach Bochum. Dort lief es zuletzt allerdings nicht mehr so rund, auch, so hört man aus dem Vereinsumfeld, weil er mit Bochums Trainer Friedhelm Funkel, mit dem Hertha BSC vor einem Jahr in die Zweite Liga abstieg, nicht zurechtkam. Zuvor war er Stammspieler.

Sein Einsatz beim Gastspiel bei Union war seine vorletzte Partie für die Bochumer, noch dazu eine, die im Nachhinein heftige Wellen schlug. Denn Pfertzel war derjenige, der den verletzten Matias Concha ersetzte. Zur Erinnerung: Nach einem heftigen Zweikampf an der Mittellinie zwischen Concha und Unions Macchambes Younga-Mouhani hatte sich der Bochumer Schien- und Wadenbein gebrochen. Wochenlang wurde danach debattiert, Younga-Mouhani wollte Concha im Krankenhaus besuchen, der lehnte ab. Dann hieß es wieder, Concha wolle den Unioner verklagen. Nichts ist passiert bisher.

Trotz des ganzen Ärgers scheint zumindest Pfertzel nur positive Erinnerungen aus Berlin mitgenommen zu haben: „Bei Union werden Einsatzwillen und Kampfgeist honoriert, und die Fans stehen auch dann voll und ganz zum Team, wenn es mal nicht gut läuft. Ich habe das in der Hinrunde der letzten Saison mit Bochum hier selbst erlebt“, sagte er.

Von der Kulisse beeindruckt

Uwe Neuhaus lobt: „Er bringt die richtige Mentalität und die nötige Klasse mit, um unsere Defensive zu stabilisieren.“ Das war auf der rechten Seite auch dringend notwendig, nachdem Paul Thomik, der den Part des Rechtsverteidigers zuletzt im Wechsel mit Christoph Menz gespielt hatte, den Verein verlassen musste. Zu vermuten steht, dass der Kontakt zu Pfertzel schon länger bestand, hatten sich Union-Beobachter doch etwas verwundert gefragt, warum Thomik, der eine ordentliche Saison spielte, gehen musste.

Neben dem Aspekt, wieder in Deutschland spielen zu können, scheinen vor allem die Fans in der Hauptstadt den Franzosen beeindruckt zu haben. „Es ist schon beeindruckend, wenn man als Gegner hierherkommt. Nun selber Teil des Ganzen werden zu dürfen, ist eine Ehre – ich freue mich sehr darauf“, schwärmt er. Sollte er bei Union ähnliche Leidenschaft an den Tag legen wie einst bei den Vertragsverhandlungen in Livorno, werden ihn die Fans sicher schnell lieben lernen. Auch ohne internationales Geschäft.