Zweite Liga

1. FC Union kann zum Spielverderber werden

Eigentlich gibt es für die Köpenicker nichts mehr zu holen, allerdings können sie im Aufstiegskampf noch mitmischen. Gegen den VfL Bochum kehrt Mosquera am Freitag nach Gelbsperre zurück.

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Mit der Motivation ist das ja so eine Sache in diesen Tagen beim 1. FC Union. Der Klassenerhalt ist längst perfekt. Anders als beim Stadtrivalen Hertha BSC, der ebenfalls frühzeitig aufgestiegen ist, aber immerhin noch Meister werden will, gibt es für die Köpenicker nominell nicht mehr viel zu holen. Die Verträge mit den meisten wichtigen Spielern sind bereits verhandelt, und auch ein Vorrutschen in der Tabelle ist angesichts von fünf Punkten Rückstand auf Alemannia Aachen (Platz zehn) drei Runden vor Schluss eher unwahrscheinlich. Als einziges zählbares Ziel bleibt das Erreichen der prestigeträchtigen 40-Punkte-Marke, dafür fehlt gerade noch ein Zähler.

Und so treten die Spieler des Berliner Fußball-Zweitligisten in erster Linie für die Ehre an. Nicht, dass das unwichtig wäre, aber irgendwelche Ziele braucht ein Sportler am Ende eben doch. Da trifft es sich ganz gut, dass zwei der drei letzten Gegner noch Aufstiegsambitionen hegen: Am heutigen Freitag (18 Uhr, Sky live) ist Union beim Tabellendritten VfL Bochum zu Gast, eine Woche später kommt es im Stadion an der Alten Försterei zum Ostderby gegen Energie Cottbus. Die Köpenicker können also im Kampf um den Aufstieg das vielzitierte Zünglein an der Waage sein.

„Wir sind uns der Schwere der Aufgabe bewusst. Wenn man die Tabellenkonstellation nimmt, hat Bochum mit einem Sieg sogar noch Chancen auf Platz zwei, würde dadurch Druck auf Augsburg ausüben, die am Montag in Cottbus spielen“, sagt Trainer Uwe Neuhaus und warnt damit indirekt vor einem hungrigen Gegner. „Auf der anderen Seite haben sie selber auch Druck, wenn sie einen Platz weiter runter schauen. Fürth ist sicher noch nicht geschlagen. Da wollen wir natürlich schon ein bisschen Spielverderber spielen“, sagt er. Sollte Union am Freitag also Bochum schlagen und Augsburg gegen Cottbus patzen, könnte das Spiel am 8. Mai gegen die Lausitzer die Vorentscheidung bringen, wer auf den Relegationsplatz rückt. Und dem ohnehin fast schon ausverkauften Spiel – gestern meldete der Klub, dass es im Heimbereich noch etwa 1000 Stehplatzkarten gibt – weitere Brisanz verleihen.

So weit ist es aber noch lange nicht, wenngleich der heutige Gegner zwar weit oben in der Tabelle steht, mit 40:33 Toren aber ein eher durchschnittliches Verhältnis von Offensive zu Defensive stellt. Vor allem die Abwehr stand zuletzt nicht mehr so sicher wie gewohnt, Union kassierte bislang gerade einmal vier Tore mehr. Wohl auch deshalb kündigt Neuhaus an, sich nicht verstecken zu wollen: „Nur hinten reinstellen bringt ja nichts. Sicher wollen wir kompakt stehen. Je länger es 0:0 steht, desto mehr muss Bochum überlegen, wie sie weiter fahren, ob ein Punkt dann wieder reicht. Ich glaube schon, dass die Zeit dann auch für uns spielt.“ So gesehen kommt es dem Trainer gelegen, dass Stürmer John Jairo Mosquera seine Gelbsperre abgesessen hat. Er wird angesichts der zu erwartenden Konter wohl an der Seite von Karim Benyamina agieren, der für ein schnelles Spiel nach vorn besser geeignet ist als Halil Savran.

Doch bei allen Überlegungen zum Thema Aufstiegsrennen musste der Trainer noch ein bisschen auf die Berliner Realitäten zurückkommen, schließlich geht es in erster Linie um drei weitere Punkte. So beschloss Uwe Neuhaus das Thema dann auch mit einem kleinen Scherz, als er gefragt wurde, ob Union denn nun den Aufstieg entscheide: „Dann wäre Hertha ja nicht aufgestiegen“, sagte er angesichts des gewonnenen Derbys. Und musste ob dieser Vorstellung dann doch selbst herzlich lachen.