Blick nach vorne

Union passt sich dem Profifußball an

Nach Jahren der Konstanz folgt bei Union der Umbruch: Verdiente Spieler wie Glinker oder Benyamina werden den Verein verlassen. Jetzt müssen neue Spieler kommen. Nicht alle Fans finden das gut.

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Ein bisschen skurril war die Szene ja schon. In einer Reihe schritten die Spieler des 1. FC Union die Gegengerade im Stadion an der Alten Försterei ab. Der Klub hatte gerade 1:1 (0:0) gegen den FC Ingolstadt gespielt, und da der Klassenerhalt in der Zweiten Liga schon vor der Partie feststand, feierten die Fans ausgelassen. Vor allem Jan Glinker, der für den verletzten Marcel Höttecke bis zum Saisonende im Tor steht, und Karim Benyamina.

Das ist nun an sich normal, sind doch beide Publikumslieblinge und hatten zudem entscheidenden Anteil am Punktgewinn. Glinker, weil er in der ersten Halbzeit einige ganz starke Paraden zeigte, und Benyamina, weil er in der 67. Minute den Ausgleich erzielt hatte. Ungewöhnlich war das ganze deshalb, weil beide sportlich auf dem Abstellgleis und damit symbolisch für den Umbruch stehen, der für die Köpenicker unweigerlich näher rückt.

Glinker, jahrelang Nummer eins und Aufstiegstorwart, musste zuletzt hinter Höttecke anstehen. Und Benyamina muss die Köpenicker Kicker am Saisonende verlassen. Seit vergangener Woche ist klar, dass auch Defensivspezialist Dominic Peitz gehen wird – allerdings auf eigenen Wunsch, er soll zu einem Bundesligisten wechseln. Und so richteten sich die Blicke nach der sonst recht durchschnittlichen Leistung auf die kommenden Wochen, in denen sie bei Union nun fünf, wenn nicht gar sechs Zugänge verbuchen sollten. „Ob es ein Umbruch ist, weiß ich nicht“, sagt Trainer Uwe Neuhaus, und spricht trotzdem von einer Herausforderung. „Das ist es aber bei jedem Zugang, das ist interessant und macht Spaß“, sagt er. Dabei hatte sein Klub mit diesen Personalien gleich zwei neue Entwicklungen hinter sich: Zum ersten Mal in der Ära Neuhaus schickt Union einen Publikumsliebling wie Benyamina, der gerne bleiben möchte, weg. Und zugleich verlässt zum ersten Mal ein Spieler den Klub auf eigenen Wunsch, weil er sich für höhere Aufgaben gewachsen sieht. Die vielbeschworene Union-Familie reibt sich da nur etwas verwundert die Augen, wie an vielen Fankommentaren zu sehen war. Auf der anderen Seite ist es sportlich sinnvoll, sich den Anforderungen des Profifußballs mehr und mehr anzupassen.

Klar ist, dass der Verein einen Stürmer verpflichten muss. Auf der Sechserposition von Dominic Peitz erwägt Neuhaus dagegen, Rechtsverteidiger Christoph Menz eine Chance zu geben. Menz, der sich gegen Ingolstadt auf dem Platz mehrfach übergeben musste, hatte schon vor Monaten angedeutet, dass er gerne vor der Abwehr spielen würde. „Er ist sicher eine Option“, sagt Neuhaus, schränkt aber ein: „Die Sechser-Position ist vielleicht die strategisch wichtigste. Dafür ist Menz eigentlich zu introvertiert. Es ist aber wichtig, dass du als Sechser deine Schäfchen um dich scharst.“

Gut möglich also, dass auch hier ein Zugang her muss, zumal Neuhaus noch über ein oder zwei Abgänge entscheiden will. „Es wird alles unternommen, dass die Mannschaft wettbewerbsfähig ist und auch eine gute Konkurrenz im Kader herrscht“, sagt er. Zumindest bei den Torhütern muss er sich um Letzteres keine Sorgen machen: Glinker kündigte an, bei Union bleiben zu wollen.