Zweite Liga

Union-Keeper Glinker wittert seine Chance

Mit zehn Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz empfängt Union Ingolstadt in der alten Försterei. Nach dem Ausfall von Stammtorhüter Höttecke will Glinker sich im Endspurt beweisen

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Die Entspannung ist in den Gesichtszügen deutlich erkennbar. So wollten Uwe Neuhaus, der Trainer des 1. FC Union, und Christian Beeck, der Teammanager des Berliner Fußball-Zweitligisten, ihre Freude über das Erreichen des Saisonzieles auch gar nicht verbergen. Seit Donnerstag, seit dem 1:1 des VfL Osnabrück gegen den FSV Frankfurt, ist klar: Union wird auch in der Spielzeit 2011/12 im Bundesliga-Unterhaus vertreten sein.

Der Vorsprung der Unioner auf Relegationsplatz 16, den derzeit Osnabrück einnimmt, beträgt jetzt zehn Punkte und kann vom VfL somit nicht mehr wettgemacht werden. „Dass wir es vier Spiele vor Saisonende geschafft haben, darauf können alle bei Union sehr stolz sein. Wenn man unseren bescheidenen Saisonstart sieht, die vielen Verletzten, den harten Winter, wo wir uns gegen ein Trainingslager und gegen Zugänge entschieden haben“, sagte Beeck.

Morgen gegen Ingolstadt

Was im Umkehrschluss natürlich nicht heißen soll, dass in den letzten vier Punktspielen, beginnend mit dem Duell gegen den FC Ingolstadt am Ostersonntag (13.30 Uhr, Alte Försterei), nun die Spielzeit locker ausklingen soll. Getreu dem Motto „Nach der Saison ist vor der Saison“ wird die sportliche Leitung genau hinschauen, wer sich gedanklich schon in Richtung Urlaub verabschiedet hat und wer nicht. Wenn man so will, beginnt der Kampf um die Stammplätze für das nächste Spieljahr bereits morgen.

Vor allem ein Unioner wird sich mächtig ins Zeug legen: Jan Glinker. Was zunächst wie ein weiteres unsägliches Kapitel in der Torwart-wechsel-dich-Geschichte der Köpenicker klingt, kann der Startschuss für die vermutlich letzte Chance der langjährigen Nummer 1 zurück in die Startelf sein. Weil Marcel Höttecke, Unions derzeitiger Stammkeeper, sich im Training einen Muskelfaserriss in der rechten Wade zugezogen hat und bis Saisonende ausfallen wird, ist es nun an Glinker, die Saison zu Ende zu spielen. Und schon jetzt, und nicht erst im Rahmen der Vorbereitung auf die bereits am 15. Juli beginnende neue Spielzeit wieder auf sich aufmerksam zu machen.

„Zu dem ganzen Thema sage ich gar nichts“, will Glinker Taten statt Worte sprechen lassen. Seine Einstellung zu dieser Angelegenheit ist ohnehin klar: Leistung zeigen, wenn er gebraucht wird, um sich wieder ins Rampenlicht zu bringen. Entweder für den Posten im Union-Tor oder aber für einen anderen Klub. Glinkers Vertrag endet im Sommer nächsten Jahres, und mit derzeit 27 Jahren ist der Berliner im besten Torwartalter. Ein Platz als Nummer zwei bei Union wird für Glinker auf Dauer zu wenig sein.

Schwere Patzer in der Hinrunde

Es wird interessant zu beobachten sein, ob und wie Glinker seine Rückstufung tatsächlich verkraftet hat. Nach schweren Patzern in der Hinrunde hatte er Anfang November 2010 erstmals seinen Platz an Marcel Höttecke verloren, ausgerechnet nach dem seinerzeit so wichtigen Auswärtssieg in Bielefeld. Erst als sich Höttecke drei Spieltage später schon einmal einen Muskelfaserriss zugezogen hatte, kehrte Glinker das erste Mal zurück. Damals sorgte Höttecke für Aufregung, weil er sich weit aus dem Fenster gelehnt hatte mit der Aussage, im nächsten Spiel trotzdem auflaufen zu wollen. Erst Ende Januar, nach einer Pause von fünf Partien, gelang – zum Nachteil Glinkers – Hötteckes Comeback.

Seitdem hat sich laut Beeck der 1,99-Meter-Mann, der zu Saisonbeginn vom Drittliga-Absteiger Borussia Dortmund II an die Alte Försterei gewechselt war, zu einem sicheren Rückhalt entwickelt. „Es ist schade, dass er nun durch eine Verletzung zurückgeworfen wird. Es passt im Grunde in diese Saison, in der wir an Verletzungen kaum etwas ausgelassen haben.“ Dennoch sei sich Beeck sicher, „dass Jan Glinker ihn sehr gut vertreten wird“. Nimmt man den Duktus des Teammanagers, wird sich Glinker also erst wieder hocharbeiten müssen, ehe er an eine dauerhafte Rückkehr ins Union-Tor denken kann. Der Saisonendspurt mit insgesamt vier Spielen wird ihm da sicher gerade recht kommen.