Nach Pleite

Neuhaus lässt Union-Profis Strafrunden laufen

Eigentlich wollte Union-Trainer Uwe Neuhaus keine "wahnsinnigen Läufe" mehr im Training veranstalten. Doch die schwache Leistung seiner Spieler gegen Düsseldorf zwingt den Übungsleiter zu erziehenden Maßnahmen.

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Am Sonnabend hatten die Fußball-Profis des 1. FC Union noch eine Schonfrist bekommen. Knapp 30 Minuten Videostudium des 0:3-Debakels von Düsseldorf, dazu das obligatorische Auslaufen im Wald – eine moderate Maßnahme nach dem denkwürdig schlechten Auftritt im Rheinland. Dabei hatte Uwe Neuhaus, der Trainer des Berliner Fußball-Zweitligisten, angekündigt: „Wer am Wochenende die Leistung verweigert, muss eben unter der Woche mehr arbeiten.“ Am Dienstagnachmittag begann nun das Unternehmen Wiedergutmachung, an dessen Ende ein Sieg am Ostersonntag gegen den FC Ingolstadt stehen soll.

Der Trainer hielt Wort und schickte seine Spieler nicht etwa auf den Trainingsplatz vor dem Stadion an der Alten Försterei, sondern erneut in den Wald. Das Debakel von Düsseldorf ließ den Übungsleiter von seiner Linie abweichen, die er in den finalen Wochen der Saison hatte einhalten wollen. Denn während es in der vergangenen Woche noch geheißen hatte, dass „wir jetzt keine wahnsinnigen Läufe mehr machen“ (Neuhaus), durften sich die Unioner nun genau damit auseinandersetzen – und laufen.

Immerhin 71 Minuten mussten die Köpenicker wieder in den Wald. Der Coach hatte für die Akteure ein „intensives Programm mit Temporunden“ vorbereitet. Und es schien, als habe jeder in der Mannschaft begriffen, was er da am Freitag in Düsseldorf verbrochen hatte, um im Duktus des Trainers zu bleiben. Der Übungsleiter zumindest war nach der Einheit sehr gut gelaunt ob der Einsatzbereitschaft der Seinen, die man in Düsseldorf 90 Minuten lang vergeblich gesucht hatte. Den Spielern war die Erschöpfung nach dem Lauf bei frühsommerlichen Temperaturen trotz der Kühle, die das Waldstück vor dem Stadiongelände noch bietet, anzusehen. Björn Brunnemann war der Erste, der die Umkleidecontainer wieder erreichte und sich eine Erfrischung gönnen durfte, gefolgt von John Jairo Mosquera. Immerhin hatten alle noch genug Kraft, um einige, wenn auch wenige Autogrammwünsche erfüllen zu können.

Hinterher fielen Worte wie „gelungener Auftakt“ oder „überragende Reaktion“, die die Mannschaft gezeigt habe. Die so leichtfertig verspielten Punkte in Düsseldorf werden dadurch zwar nicht wieder reingeholt. Doch es zeigt sich, wie selbstkritisch das Team mit dem Auftritt bei der Fortuna umgegangen ist. So hatte Neuhaus denn auch eine gute Nachricht für die Köpenicker Kicker. Der Mittwoch bleibt wie geplant trainingsfrei. Wer jedoch geglaubt hatte, der Coach sei nun milde gestimmt, wurde eines Besseren belehrt.

Denn, so die Ankündigung von Neuhaus, auch am Dienstag werden die Spieler keine Bälle zu sehen bekommen – außer Medizinbälle. Mit anderen Worten, die beiden Einheiten heute um 9.30 und 14.30 Uhr stehen an der Alten Försterei erneut im Zeichen der Körperertüchtigung – bei 20 Grad und strahlendem Sonnenschein, wie dem Wetterbericht zu entnehmen ist. Erst ab Donnerstag, wenn erneut zwei Einheiten auf dem Programm stehen, wird das runde Spielgerät wieder hinzugezogen.

Fakt ist: Eine ähnliche Vorstellung wie gegen Fortuna Düsseldorf dürfen sich die Unioner gegen den FC Ingolstadt nicht erlauben. Denn auch die Geduld der so treuen Union-Anhänger neigt sich langsam aber sicher dem Ende. Und die Fans, dass weiß nicht nur der Trainer, ist immer noch „ein Pfund, mit dem wir wuchern können“. Bislang zumindest.