Fußball

Union muss eigenes Versagen auf Video anschauen

Uwe Neuhaus hatte für seine Spieler nach der Pleite von Düsseldorf eine Strafe parat: Sie mussten sich ihre verlorenen Zweikämpfe, schlechten Pässe und Dribblings über 30 Minuten lang auf Video anschauen.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

Die Vorstellung am Vormittag des Sonnabends dauerte knapp 30 Minuten. In dieser Zeit bekamen die Fußball-Profis des 1. FC Union noch einmal alle Horrorszenen gezeigt, die sie am Abend zuvor beim 0:3 im mobilen Düsseldorfer Ersatzstadion, wegen des Eurovision Song Contests auch Lena-Arena genannt, fabriziert hatten.

Auch Christian Beeck, der Teammanager des Berliner Fußball-Zweitligisten, war zugegen. Erst danach ging es für das Team in den Wald, zwei Runden auslaufen für die eingesetzten Spieler, drei für die Reservisten.

Man konnte und wollte im Union-Lager nach dem desaströsen Auftritt im Rheinland nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen. Dennoch war es ein erstaunlich normales Programm, das die Köpenicker anstelle ihres freien Tages an der Alten Försterei absolvieren mussten. „Wir sind erst gegen halb Vier in der Nacht hier gelandet. Wenn man jetzt volles Programm macht, dann haben wir im nächsten Spiel sechs Mann weniger“, begründete Trainer Uwe Neuhaus.

Elf Punkte auf Osnabrück

Das hatte nach dem Spiel noch anders geklungen. Man musste fast das Gefühl haben, der Trainer würde das Debakel persönlich nehmen. Worte wie „beschämt“ und „Resignation“ waren da zu hören. Mit dem 0:3 sei seine Mannschaft noch gut bedient gewesen, sagte Neuhaus, „so wird doch gar nicht deutlich, was wir verbrochen haben. Es wäre besser gewesen, wir hätten acht Stück gekriegt.“ Selten hat man den Trainer so emotional erlebt wie an diesem Freitagabend.

Gestern, nach einer wenn auch kurzen Nacht, wirkte der Coach schon wieder entspannter. Zumal sich am Nachmittag schnell herauskristallisierte, dass der Abstand auf Osnabrück und Relegationsplatz 16 weiter elf Punkte betragen würde. „So viel schlechter, wie wir in Düsseldorf waren, sind wir nicht“, sagte er. Das hätten die vergangenen Duelle gezeigt, in denen man sich immer auf Augenhöhe mit der Fortuna befunden hatte. Auch betonte Neuhaus, dass er die Niederlage nicht persönlich nehme: „Das würde ja im Umkehrschluss bedeuten, dass mir die Mannschaft entweder gar nicht zuhört oder extra etwas anderes macht.“

So fand er auch nur eine Erklärung für den schwächsten Auswärtsauftritt seit langem: „Das hat nichts mit der Aufstellung oder dem System zu tun. Das ist eine Kopfsache.“ Man müsse wissen, was man zu tun und zu lassen hat, man könne „nicht einfach so ins Spiel gehen und warten, was auf einen zukommt“. Was nichts anderes bedeutet, dass nach dem heutigen freien Sonntag viele Gespräche nötig sein werden, damit sich am Ostersonntag an der Alten Försterei gegen den aufstrebenden FC Ingolstadt, der gerade 2:0 gegen Bochum gewann, nicht ähnliches wiederholt. Folgt also die härtere Trainingseinheit erst morgen? „Wäre möglich“, sagte Uwe Neuhaus grinsend.