Union Berlin

Neuhaus reist in seine Ruhrgebietsvergangenheit

Am Sonntag gastiert Union in Oberhausen – für Trainer Uwe Neuhaus eine Reise in die Vergangenheit. Nicht nur, weil er den Großteil seines Lebens im Ruhrgebiet verbracht hat: RWO-Trainer Schneider ist ein langjähriger Weggefährte.

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Bevor es um die alltäglichen Dinge ging, wollte Christian Beeck noch etwas loswerden. Und so teilte der Teammanager des 1. FC Union den Journalisten am Freitag auch offiziell das mit, was der Klub schon am Donnerstag auf Nachfrage bestätigt hatte: Die endgültige Verpflichtung von Stürmer John Jairo Mosquera bis 2014. „Wir sind sehr stolz darauf, weil der Junge eine Menge Potenzial mitbringt, das uns in den nächsten drei Jahren unheimlich nach vorne bringen kann. Wir wollen ihn natürlich noch weiter voranbringen“, sagte er. Dem schloss sich Trainer Uwe Neuhaus an und meinte: „Im Torabschluss kann ich ihn noch verbessern, er muss noch ruhiger vor dem Tor werden. Aber ich bin überzeugt davon, dass er das schaffen wird. Die absoluten Top-Stürmer lernen dazu, er wird sich steigern“, sagte er.

Im nächsten Spiel in Oberhausen am Sonntag (13.30 Uhr, live im Ticker bei Morgenpost Online ) ist Mosquera aber erst einmal gesperrt, und so schwenkte die Aufmerksamkeit dann schnell in Richtung des Trainers. Denn Neuhaus war auf der obligatorischen Pressekonferenz anzumerken, dass er diesem Spiel besonders entgegenfiebert. Einerseits, weil er der Partie unter der Woche – entgegen seiner sonstigen Zurückhaltung – „vorentscheidenden Charakter“ zugesprochen hatte. Andererseits bedeutet die Tour nach Oberhausen so etwas wie eine Reise in die Vergangenheit für ihn. Nicht nur, dass er im Ruhrgebiet einen Großteil seiner Karriere bei verschiedenen Klubs absolvierte und kürzlich wissen ließ, in ihm steckten „genau 47 Jahre Ruhrgebiet“. Vielmehr trifft er im Stadion Niederrhein auf RWO-Trainer Theo Schneider, der einst zusammen mit ihm in Dortmund arbeitete. Von 1998 bis 2004 war Neuhaus damals Co-Trainer der ersten Mannschaft, Schneider betreute die A-Jugend. Als Neuhaus 2004 die zweite Mannschaft übernahm, arbeiteten beide Hand in Hand, bevor Neuhaus als Cheftrainer nach Essen wechselte und Schneider ihm nachfolgte.

Die beiden kennen sich also gut – was sich auch auf die Taktik auswirken dürfte. „Ich treffe auf einen alten Kollegen, ich weiß nicht, ob der eine den anderen noch überraschen kann“, sagt Neuhaus, der sich in seinem Kollegen selbst ein bisschen wieder erkennt: „Er wurde mein Nachfolger und hat die Nachwuchsmannschaft erfolgreich trainiert. Dann hat er – und da gibt es sicher Parallelen zu mir – das Abenteuer Zweite Liga gesucht. Ich gehe davon aus, dass er sich genau wie ich durchkämpfen wird“, sagt Neuhaus. Auch aus Oberhausen gibt es nur Lob zurück. „Wir haben sehr gut zusammen gearbeitet, ich freue mich auf das Wiedersehen“, sagte Schneider. Gerade bei der Verpflichtung von Unions Torwart Marcel Höttecke im vergangenen Sommer, der aus Dortmunds zweiter Mannschaft kam, hätten die beiden sehr engen Kontakt gepflegt. Nur am Sonntag, da wollen sie die Punkte beide behalten. Neuhaus betonte am Freitag zwar noch einmal, dass mit einem Sieg „ein ganz schönes Stück“ auf dem Weg in Richtung Klassenerhalt geschafft sei. Aber: „Ich werde die Mannschaft davor warnen mit dem Rechnen anzufangen, was es bedeutet, wenn wir jetzt 35 Punkte hätten. Wir müssen uns jetzt auf das Spiel konzentrieren. Hinterher können wir uns immer noch in Ruhe die Tabelle ansehen.“

Wie Neuhaus die insgesamt fünf Ausfälle (Torsten Mattuschka, Patrick Kohlmann und Mosquera sind gesperrt, Santi Kolk und Christian Stuff verletzt) zu ersetzen gedenkt, verriet er am Freitag nicht. „Theo Schneider wird seine Mannschaft sicher auch nicht vorher bekannt geben“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Vermutlich ahnen aber beide ohnehin längst, was der jeweils andere so vorhat.