Zweite Liga

Stürmer Ede soll es im Union-Mittelfeld richten

Nach der Sperre für Torsten Mattuschka gehen Union-Trainer Uwe Neuhaus die offensiven Mittelfeldspieler aus. Zum Glück befindet sich Stürmer Chinedu Ede im Aufwind. Er könnte im Spiel gegen Oberhausen die Postion des Spielmachers einnehmen.

Foto: Bongarts/Getty Images

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte es offenbar eilig, die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen. Bereits am frühen Montagmorgen und damit nicht einmal 24 Stunden nach dem Spiel hatte der DFB den 1. FC Union darüber unterrichtet, Kapitän Torsten Mattuschka für ein Spiel zu sperren. Grund war die Rote Karte, die der 30-Jährige in der Partie gegen Arminia Bielefeld (2:2) wegen einer Rangelei mit Bielefelds Co-Trainer Abder Ramdane gesehen hatte.

Damit tat der DFB um ein Haar das, was Trainer Uwe Neuhaus voller Emotionen gefordert hatte: Mattuschka vollkommen freizusprechen. Dass es nun nur die von der Uefa vorgeschriebene Mindeststrafe von einem Spiel gab, zeigt, dass der DFB Mattuschkas Aktion nicht einmal als Tätlichkeit gewertet hat. „Der Ausfall von Torsten ist sportlich ein schwerer Verlust für uns, aber wir müssen die Strafe akzeptieren“, sagte Teammanager Christian Beeck. Jetzt suchen sie bei Union also fieberhaft nach einem Ersatz, wenn man das überhaupt so sagen kann. Denn zu ersetzen ist der Kapitän an sich nicht. Und selbst die Frage, wer statt seiner die zentrale Position im Mittelfeld und damit das kreative Zentrum ausfüllen könnte, stellt Trainer Neuhaus vor einige Probleme. Grund sind weitere Sperren und Verletzungen.

Offensivallrounder Santi Kolk fällt mit einer Absplitterung im Fuß weiter aus, John Jairo Mosquera, der den Part als hängende Spitze erledigen könnte, ist nach Gelb-Rot auch gesperrt. Und Michael Parensen wird wohl wegen der Gelbsperre von Patrick Kohlmann zurück in die Abwehrkette rücken müssen. Von den Spielern, die etatmäßig infrage kämen, kann es also keiner richten.

Stilles Talent mit Imagewandel

Da trifft es sich gut, dass in den vergangenen Wochen ein Spieler einen wahren Leistungssprung gemacht hat, der schon ein wenig ins Hintertreffen geraten war: Chinedu Ede. Der gebürtige Berliner erwischte nicht nur gegen Bielefeld einen starken Tag, als er mit einem spektakulären Pass Mosquera zu dessen Ausgleich bediente. Vielmehr gelingt es dem 24-Jährigen immer besser, seine Schnelligkeit und seine guten Ideen in den Dienste der Mannschaft zu stellen. Lange klappte das gar nicht, Ede versuchte zwar viel, aber zu häufig verlor er den Ball.

Trainer Neuhaus sagte angesichts solch verschenkten Talents Sätze wie: „Er kann alles, zeigt davon aber zu wenig.“ Seit rund fünf Wochen, als er nach langer Zeit erstmals wieder gegen Osnabrück traf, ist das alles anders. In Duisburg köpfte er Union zum Sieg, und auch in den Spielen danach präsentierte er sich als sicherer Spielpartner. „Ich werde mich jetzt noch nicht festlegen“, sagte Neuhaus nach dem Bielefeld-Spiel auf die Frage, wer Mattuschka vertreten könnte. Viel aber spricht derzeit für Ede, über den die Fans gar nicht so viel wissen, weil er kaum Interviews gibt. Auch nicht vor dem Derby gegen Hertha BSC, wo er neun Jahre spielte.

Nur kürzlich, auf einem der Fantreffen, taute er ein wenig auf. Und was er da erzählte, passt gut zu dem Aufschwung, den er gerade durchlebt. Wie er die häufige Kritik des Trainers werte, wurde er zum Beispiel gefragt. „Der Trainer sieht im Training, dass vielleicht noch mehr Potenzial in mir steckt, das ich in den Spielen aber noch nicht abrufe“, antwortete Ede. Und er gestand ebenso freimütig ein, dass seine Karriere aus seiner Sicht ruhig einen anderen Verlauf hätte nehmen können. Immerhin 19 Bundesligaspiele machte er für Hertha, ein Tor gelang ihm. Als er in die Zweite Liga nach Duisburg wechselte, sollte dies nur eine Zwischenstation auf dem Weg zurück nach Oben sein. Doch so wirklich fasste er auch dort nicht Fuß.

„Wenn ich von meinem Startpunkt ausgehe, als ich jung in die Bundesliga kam, hätte ich mir natürlich gewünscht, dass es weiter nach oben geht“, sagt Ede. Und trotzdem hat er gelernt, damit umzugehen und zu akzeptieren, dass es derzeit nur für das Mittelmaß in der Zweiten Liga reicht. „Wenn ich mir jetzt die Spielzeiten anschaue, denke ich, dass ich wieder auf dem aufsteigenden Ast bin und hoffe, noch mehr Konstanz in mein Spiel hineinzubringen.“ Ede hat verstanden, dass es nur mit Schönspielerei nicht geht, und auf der anderen Seite hat er es mit solchen Sätzen geschafft, sein Image komplett zu verändern. Vorbei die Zeiten, als er bei Hertha mit den Botang-Brüdern und Ashkan Dejagah in einem zweifelhaften Ruf stand, teils sicher auch zu unrecht. Bei Union gehört er zu den stillsten Profis.

Sicher, er ist nicht die einzige Variante, die Neuhaus hinter den Spitzen aufbieten könnte. Möglich wäre auch eine Arbeitsteilung mit Stürmer Halil Savran, dem Neuhaus ein gutes Spiel bescheinigte, und der sich gegen Bielefeld öfters zurückfallen ließ. So gesehen könnten sich Savran und Ede ergänzen. Am Ende läge der Löwenanteil aber wohl bei Ede. Eine Chance, die er sich mittlerweile redlich verdient hat.