Zweite Liga

1. FC Union mit neun Mann 2:2 gegen Bielefeld

Fußball-Zweitligist 1. FC Union hat seine schwarze Serie im eigenen Stadion nicht stoppen können. Gegen Schlusslicht Arminia Bielefeld spielten die Hauptstädter am Sonntag nur 2:2.

Irgendetwas würde am Sonntag mächtig schief laufen. Das hatte sich schon vor dem Anpfiff im Stadion an der Alten Försterei angedeutet. Weil der Strafraum des Tores vor dem Fanblock der Gastgeber zu eng gezogen wurde, mussten Minuten vor dem Anpfiff der Partie des 1. FC Union gegen Arminia Bielefeld neue Linien gezogen werden, derweil die alten auf dem frisch verlegten Rasen nur notdürftig mit Wasser und Schrubber entfernt wurden. Angesichts der Ereignisse in den folgenden 90 Minuten nicht mehr als eine Randerscheinung. Denn die Emotionen schlugen hoch beim 2:2 (1:2) des Berliner Fußball-Zweitligisten gegen das abgeschlagene Schlusslicht der Liga. Nicht nur, weil der Favorit den erhofften Heimsieg verpasst hat. Auch weil das Schiedsrichtergespann um den Unparteiischen Sascha Thielert (Buchholz) die Partie nie richtig unter Kontrolle bekam.

Wer die Geschichte der Partie verstehen will, kommt um die Szenen nicht herum, die sich nach knapp einer halben Stunde abspielten. Die plötzliche Rudelbildung vor der Bank der Bielefelder. Das Handgemenge zwischen diversen Spielern und Verantwortlichen beider Vereine, das sich nur langsam wieder auflöste. Und die Rote Karte, die Torsten Mattuschka nach 26 Minuten zum Zuschauen verdammte. Was war passiert? Dominic Peitz hatte den Ball, obwohl dieser bereits die Seitenauslinie überschritten hatte, weiter gespielt. Danach eskalierte die Situation, weil Arminias Co-Trainer Abder Ramdane sich den Ball schnappte und nicht hergab, um ihn nur wenig später Peitz in den Rücken zu werfen – eine Aktion, die Union-Kapitän Mattuschka zu einem Schubser gegen Ramdane hinreißen ließ. Und als Tätlichkeit geahndet wurde.

Eine Entscheidung, auf die Mattuschka selbst mit Unverständnis reagierte. Ebenso wie sein Trainer. „Rot für Mattuschka ist ein Witz vor dem Herrn. Da war kein Schubser, kein Stoßen. Da muss man schon sehr viel Fantasie haben, um dies zu erkennen“, regte sich Uwe Neuhaus noch lange nach dem Abpfiff auf: Und forderte angesichts der drohenden Sperre für seinen Spielführer, dass es „dafür einen klaren Freispruch geben muss“. Ramdane musste im Übrigen den Rest der Partie von der Tribüne aus verfolgen.

Trotz aller Emotionen, die im Endspurt der Saison im Abstiegskampf herrschen, muss die Frage erlaubt sein, ob Mattuschka in diese Situation überhaupt dermaßen offensiv hineingehen muss. Eine Erklärung hierfür liefern die ersten Minuten der Partie. Denn es war mitnichten der Favorit aus Köpenick, der in seinem 1600. Pflichtspiel seit Gründung am 20. Januar 1966 gleich ins Spiel fand, sondern die Bielefelder, offenbar beflügelt von der Minimalchance, ob des drohenden Zwangsabstiegs von 1860 München doch noch zumindest den Relegationsplatz zu erreichen. Und gekrönt von zwei Toren, die Union durch „zwei krasse Fehler“ (Neuhaus) selbst verschuldet hat.

Erst darf Ex-Herthaner Christian Müller völlig unbedrängt bis zum Strafraum marschieren und locker einschieben (4.), dann lässt die Union-Defensive bei einem Freistoß von Arne Feick gleich drei Bielefelder allein vor Torwart Marcel Höttecke unbehelligt. Dass der Freistoß an Freund und Feind vorbei ins Tor fliegt, stört vor allem die Gäste nicht (22.). Hatte schon das 1:1 von Halil Savran in der 14. Minute nach glänzender Vorarbeit von Mattuschka die Berliner offenbar nicht beruhigen können, so mussten sich die Hausherren, eine drohende Blamage vor Augen, nach dem erneuten Rückstand vor 15789 Fans erst recht wie im falschen Film fühlen. Insofern ist es nachvollziehbar, dass bei den Unionern, zudem auch immer wieder von Nickligkeiten der Bielefelder provoziert, die Nerven zunächst blank lagen. Das Erstaunliche daran: Erst nach jenem Getümmel hatten die Berliner Spiel und Gegner im Griff – in Unterzahl.

„Um unsere Moral habe ich mir nie Sorgen gemacht, ich wusste, dass wir Bielefeld auch mit einem Mann weniger beherrschen“, kommentierte Peitz. Später war aus Reihen der Arminia zu hören, dass Schiedsrichter Thielert gern auch noch zwei weitere Berliner vom Platz hätte stellen können, Union hätte dennoch nicht verloren. Es war John Jairo Mosquera, der in der 58. Minute nach herrlichem Steilpass von Chinedu Ede erst Torwart Dennis Eilhoff 30 Meter vor dessen Tor ausspielte und zum 2:2 vollendete. Jener Mosquera, der nach einem harmlosen Zweikampf mit Markus Bollmann erst Gelb (73.), vier Minuten später nach einem unglücklichen Gesichtstreffer gegen Markus Schuler schließlich Gelb-Rot sah. So musste er mit Mattuschka tatenlos zusehen, wie der eingewechselte Brunnemann den Siegtreffer kläglich vergab (89.). Sein völlig verunglückter Schuss als zwölf Metern ging noch nicht einmal ins Toraus. Nicht das Einzige, was am Sonntag bei Union mächtig schief gelaufen ist.