Zweite Liga

Union ist gegen Bielefeld mehr als nur Favorit

Verletzungspech, Abschlussschwäche oder schlechte Platzverhältnisse – gegen Schlusslicht Bielefeld gibt es für den 1. FC Union keine Ausreden. Ein Sieg ist Pflicht und soll die durchwachsene Heimbilanz aufpolieren.

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Was gab es nicht alles für Begründungen in den vergangenen Wochen, warum der 1. FC Union seine Heimspiele nicht mehr gewinnen kann. Mal war es der Gegner, der die Räume eng macht und nur auf Fehler des Berliner Fußball-Zweitligisten wartet, mal war es das eigene Unvermögen vor dem Tor, ab und zu wurde die angespannte personelle Situation in der Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus angeführt – immer jedoch wurden die unfassbar schlechten Platzverhältnisse im Stadion an der Alten Försterei angeführt. Diese Zeit solcher Ausreden ist jedoch am Sonntag, wenn die Köpenicker Arminia Bielefeld empfangen (13.30 Uhr, live im Ticker bei Morgenpost Online ), endgültig vorbei.

Keine Frage, alles andere als ein Sieg gegen das weit abgeschlagene Schlusslicht muss als Enttäuschung gewertet werden. Mit Bielefeld kommt das schwächste Team der Liga nach Berlin. Nur 13 Punkte aus 26 Partien, insgesamt nur drei Siege und nur einen davon auswärts, schon 53 Gegentore, sieben der vergangenen acht Auswärtsauftritte gingen verloren – die Konstellation ist überdeutlich. „Natürlich nehmen wir die Favoritenrolle an“, sagte Trainer Neuhaus. Angesichts solcher Vorzeichen bleibt den Unionern auch gar nichts anderes übrig. Denn auch die personelle Situation ist beim Gastgeber alles andere als Besorgnis erregend. Bis auf Christian Stuff (Saisonende wegen Schultereckgelenkssprengung) und Santi Kolk (wochenlange Pause wegen Knochenabsplitterung im linken Fuß) sind alle Spieler einsatzbereit. Also auch Verteidiger Patrick Kohlmann, der wohl wieder auf seinen Platz links in der Abwehrkette zurückkehren wird.

Am Sonntag müssen die Unioner beweisen, dass die oft mäßigen, von unzähligen Fehlern durchsetzten Vorstellungen vor heimischem Publikum vor allem am völlig ramponierten Untergrund gelegen haben. „Endlich sind die Bedingungen wieder so hergestellt, dass man Fußball spielen kann“, sagte Teammanager Christian Beeck. Die Hoffnungen von Torsten Mattuschka auf ein „hoffentlich sattes Grün“, wurden in den vergangenen Tagen bestens erfüllt. Vor diesem Hintergrund sind die Worte des Union-Kapitäns fast schon eine Verpflichtung: „Gegen Bielefeld müssen wir gewinnen.“

Es wäre ein Riesenschritt in Richtung Klassenerhalt. Zumal die Konkurrenz den Berlinern praktisch eine Steilvorlage für diesen Schritt gegeben hat. Osnabrück (1:3 gegen Aachen) auf Relegationsplatz 16 und Oberhausen (0:2 in Augsburg) auf Abstiegsplatz 17 blieben am Samstag ebenso ohne Punkt wie Karlsruhe bereits am Freitag beim 1:5 in München. Selbst Ingolstadts Remis gegen Spitzenreiter Hertha BSC kann es nicht verhindern, dass Union mit einem Sieg den Abstand zur Gefahrenzone auf neun Punkte ausbauen wird.

Mit anderen Worten: Die Unioner können sich nur selber schlagen. Folglich versuchen alle Beteiligten, den Drang nach dem sehnlichst erwarteten Heimsieg nicht in Übermotivation umschlagen zulassen. „Bielefeld hat nicht mehr viel zu verlieren. Das ist gefährlich“, warnt Mattuschka. Sein Trainer sieht es ähnlich: „Jeder Spieler dort wird versuchen, sich durch Leistungen ein Plätzchen bei einem anderen Verein zu sichern“, erklärte Neuhaus. Zumal Arminia-Coach Ewald Lienen ohnehin keinen Schlendrian zulassen werde. Neuhaus: „Er wird aus seinen Spielern alles rausholen und sie richtig heiß machen.“ Bei Union machen deshalb Begriffe wie „Geduld“ und „Einstellung“ die Runde, auch dass man einen kühlen Kopf bewahren müsse. „Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass es trotz des neuen Rasens jetzt plötzlich von alleine geht, dass auch ein, zwei Prozent weniger reichen werden oder dass nach der ersten Halbzeit schon Schluss ist“, mahnt Neuhaus.

Gelingt es der Mannschaft, diesen Mix aus Gier und Ruhe zu finden, steht dem sechsten Heimsieg nichts mehr im Wege. Dann bräuchten auch keine Ausreden gesucht werden.

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