0:0 gegen Augsburg

Rasentrick beschert Union ein Remis

Mit Fußball hatte das wenig zu tun: In 90. Minuten erspielte sich Union beim 0:0 gegen Augsburg keine Torchance. Dank der schlechten Platzverhältnisse blieb auch der Gegner weit unter seinen Möglichkeiten.

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Plötzlich war Schluss. Nach exakt 90 Minuten hatte Marco Fritz (Korb) genug. Mit einem schmucklosen Pfiff beendete der Schiedsrichter pünktlich die Partie des 1. FC Union gegen den FC Augsburg. Weil es keinen Grund gab, auch nur eine Sekunde in dieser Zweitliga-Partie nachspielen zu lassen. Vielleicht auch, weil er die Spieler auf dem Platz und die 15.328 Zuschauer in der Alten Försterei einfach nur erlösen wollte von einem Kick, den man ruhigen Gewissens als trostlos bezeichnen kann. Dass die Partie der Köpenicker gegen den Aufstiegsaspiranten mit 0:0 jenes Ergebnis erhielt, das sie sich auch verdient hatte, versteht sich fast von selbst.

Die Zusammenfassung jenes anderthalbstündigen Hin-und-Her-Gewürges, die Uwe Neuhaus später zum Besten gab, bringt es auf den Punkt. „Der Fußball ist heute sicherlich auf der Strecke geblieben“, sagte der Union-Trainer. Vor allem für die Delegation von Rubin Kasan – der russische Erstligist hatte 150 Nachwuchs-Spieler zu Studienzwecken in die Alte Försterei geschickt – war es ein verschenkter Nachmittag. Im Mittelpunkt der Analysen standen denn auch weniger vergebene Torchancen, Stellungs- oder Abspielfehler, jenes Geläuf, das selbst allerletzte Romantiker nur noch mit Mühe als „Rasen“ bezeichnen würden, jener Sandkasten also war das Gesprächsthema Nummer eins. „Ich hätte mir gern ein Stück Rasen mitgenommen. Nur finden konnte ich keins“, scherzte Simon Jentzsch. Der Augsburger Torhüter verlebte einen ruhigen Nachmittag bei angenehmen, frühlingshaften Temperaturen. Weil sich die Unioner keine wirklich große Torchance erspielen konnten.

Und nur um es klar zu stellen: Auch den Schwaben erging es kaum besser. Anders ausgedrückt: Die Augsburger konnten zu keiner Zeit belegen, warum sie als Tabellenzweiter vom Sprung in die erste Liga träumen dürfen. „Wir haben in der ersten Halbzeit versucht, das Ganze fußballerisch zu lösen. Es ging nicht“, sagte FCA-Stürmer Michael Thurk. Es kommt nicht von ungefähr, wenn Union-Defensivmann Daniel Göhlert nach der Partie offen eingesteht, dass die Platzverhältnisse „uns sicherlich geholfen haben“ – die Freude über den Punktgewinn inbegriffen. Dass der längst fällige Austausch der Spielfläche erst in den nächsten Tagen stattfinden wird und das Heimspiel am kommenden Sonntag gegen Schlusslicht Arminia Bielefeld erst wieder mit sattem grünem Untergrund aufwarten kann, darf für die Partie durchaus als taktisches Hilfsmittel bezeichnet werden. Kaum auszudenken, die spielstarken Augsburger, die erst am Montag Fortuna Düsseldorf mit 5:2 auseinander genommen hatten, hätten auf normalem Rasen antreten dürfen…

Sei es drum: Der Erleichterung im Lager der Berliner, gegen „den Top-Aufstiegskandidaten“ (Göhlert) und damit erneut gegen eine Spitzenmannschaft des Bundesliga-Unterhauses wieder nicht verloren zu haben, tat dies überhaupt keinen Abbruch. „Alle anderen haben da unten gepunktet, wir auch. Deshalb müssen wir zufrieden sein“, sagte Torsten Mattuschka. Selbstverständlich wollte auch der Union-Kapitän, der erst unter der Woche seinen Vertrag bei den Köpenickern um weitere zwei Jahre bis zum Sommer 2013 verlängert hatte, nicht verhehlen: „Natürlich sind wir glücklich, dass jetzt neuer Rasen kommt.“

Auf dem alten Untergrund stellte sich beiden Teams schnell die Frage, wie man mit durchdachten Aktionen zum Erfolg kommen könnte. „Es war schwer möglich, jemanden auch nur über zehn Meter mit einem Pass anzuspielen“, erklärte Augsburgs Kapitän Uwe Möhrle. Deshalb versuchten die Gäste „früh und schnell, den langen Ball zu spielen“, so FCA-Coach Jos Luhukay. Doch viele Versuche endeten – wenn nicht gleich im Nirwana – bei Ahmed Madouni. Der Algerier war ein umsichtiger Abwehrchef, unterstützt von Bernd Rauw in der Innenverteidigung sowie Daniel Göhlert und dem wieder genesenen Christoph Menz im defensiven Mittelfeld.

Höttecke auf dem Posten

Kam doch etwas durch, war Marcel Höttecke auf dem Posten: einmal gegen Marcel de Jong, zweimal gegen Torsten Oehrl (45., 58.) und in höchster Not gegen Thurk (68.). Selbst einen verunglückten Rückpass von Paul Thomik konnte der Union-Keeper kurz vor Schluss klären. Auf der anderen Seite prüfte Santi Kolk nach einer Viertelstunde Jentzsch aus 22 Metern, Chinedu Ede zielte aus gleicher Distanz zu hoch (29., 60.), auch ein Mattuschka-Schlenzer von der Strafraumgrenze ist kein Problem für Jentzsch (65.).

„Was der Punkt wirklich wert ist, wird man erst am Saisonende beurteilen“, sagte Neuhaus, nicht unzufrieden über das Remis. Auch Luhukay bemerkte, dass man auch als Tabellenzweiter auswärts mal mit einem Punkt zufrieden sein muss: „Wir müssen nun eben das nächste Heimspiel gegen Oberhausen gewinnen, dann sind wir wieder auf dem Weg.“ Eine Vorgabe, die auch auf den 1. FC Union zutrifft. Erst recht gegen Bielefeld. Und auf neuem grünen Rasen.