Zweite Liga

Ein Sieg für Union hilft auch Hertha BSC

Der 1. FC Union hat den Vertrag mit Kapitän Mattuschka verlängert. Der neue Kontrakt gilt für die 1. und 2. Bundesliga. Doch nun muss erst einmal die Klasse gehalten werden. Gewinnen die Köpenicker gegen Augsburg, würde sogar Hertha davon profitieren.

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Es hätte ja nicht gleich so pompös wie beim FC Bayern ablaufen müssen. Als dort im Dezember vergangenen Jahres Bastian Schweinsteiger seine Vertragsverlängerung bekannt gab, tat er dies persönlich im Mittelkreis der Allianz Arena - und vor 69.000 Fußballfans jubelten. Gut, Torsten Mattuschka und Schweinsteiger trennen derzeit mindestens eine Spielklasse. Trotzdem mutete die Art und Weise, in welcher der 1. FC Union am Mittwoch die Verlängerung mit seinem Kapitän bekannt gab, etwas nüchtern an.

Im Internet teilte der Verein mit, dass der 30-Jährige mindestens zwei Jahre lang weiter für die Köpenicker spielen wird, mit einer Option auf ein drittes Jahr. Vorausgesetzt natürlich, Union schafft den Klassenerhalt. „Es ging am Ende ja nur um die Vertragslänge. Ich weiß, was ich an Union habe, und der Klub weiß, was er an mir hat“, sagte Mattuschka später. Und hätte er nicht noch von seinem „gewissen Status“ gesprochen, was natürlich maßlos untertrieben war, hätte auch das alles ein wenig emotionslos geklungen. Die Fans freilich werden das so oder so etwas anders sehen, ist Mattuschka nach 186 Pflichtspielen für Union in sechs Jahren so etwas wie die Identifikationsfigur mit dem Verein geworden. 40 Tore erzielte Mattuschka in dieser Zeit, sein bislang letztes, der Siegtreffer im Derby gegen Hertha BSC, machte ihn in Köpenick ohnehin unsterblich.

Sein Freistoßtor im Olympiastadion war zugleich der bislang letzte Kreuzungspunkt der beiden Berliner Vereine in dieser Saison. Hertha strebt in Richtung Bundesliga, Union steuert auf den Klassenerhalt zu, beide Derbys sind gespielt. Und doch kommen sich Köpenick und Charlottenburg dieser Tage wieder ein bisschen näher. Beide Klubs können mit einem Sieg – Union spielt am Samstag gegen den FC Augsburg, Hertha muss am Montag beim Tabellendritten in Fürth antreten – einen großen Schritt in Richtung Saisonziel machen. Und noch viel besser: Gewinnt Union tatsächlich gegen den Tabellenzweiten Augsburg, würden die Köpenicker direkte Schützenhilfe für den Stadtkonkurrenten leisten. Eine Vorstellung, bei der Mattuschka zwar lachen muss, die ihm aber gefällt: „Wir machen das nicht für Hertha, sondern für uns. Aber wenn wir Hertha damit zum Aufstieg verhelfen, ist das auch gut. Hier will jeder, dass sie aufsteigen, der Hauptstadtklub gehört in die Bundesliga.“

Nur wenige Stunden zuvor war rund 30 Kilometer nordwestlich Herthas Trainer Markus Babbel vor die Presse getreten. Er glaube nicht, dass Herthas Partie in Fürth vorentscheidenden Charakter habe, dafür sei es zu früh. Und nein, ihn interessiere auch nicht, was Union gegen Augsburg zeigt: „Wir müssen unsere Aufgaben machen, was die Konkurrenz macht, ist mir egal.“ Sein Gegenüber Uwe Neuhaus lehnt solche Gedanken im Übrigen genauso kategorisch ab wie die Frage, ob ein Sieg gegen Augsburg auch für Union vorentscheidenden Charakter haben könnte. „Das Spielchen mache ich nicht mit“, sagt er.

Dabei zeigt ein Blick auf die bisherigen Resultate, dass die Köpenicker gute Karten haben. Erst schlug die Mannschaft auswärts den MSV Duisburg, dann trotzte sie Erzgebirge Aue einen Punkt ab. Gelänge Union gegen Augsburg der erhoffte Befreiungsschlag im Abstiegskampf, wäre auch Hertha vor dem Spitzenspiel am Montag in einer optimalen Ausgangslage. Und Energie Cottbus kommt ja auch noch in die Alte Försterei.

Die Spieler nehmen derweil das Thema Schützenhilfe etwas entspannter als die Trainer. Peter Niemeyer zum Beispiel. Auch er gibt zu bedenken, dass es für eine Vorentscheidung noch zu früh ist. Er sagt aber auch: „Ich drücke Union beide Daumen, dass sie dieses Spiel gewinnen.“ Umso mehr, als dass sein Freund Dominic Peitz, den er noch aus Bremer Zeiten kennt, gesperrt ist. Ein unbestritten schwerwiegender Ausfall.

Zumal Augsburg am Montag gegen Düsseldorf einen ganz starken Eindruck hinterließ. Unions Trainer Neuhaus warnt: „Wenn man sie spielen lässt, sind sie zu allem fähig.“ Doch auch die Augsburger müssen ihr Kombinationsspiel erst einmal auf dem geschundenen Rasen an der Alten Försterei aufziehen. Und selbst wenn das gelingt, macht sich Kapitän Mattuschka Hoffnung. „Wir sind zu Hause mal wieder dran“, sagt er, „und es kommt uns entgegen, wenn der Gegner sich nicht hinten reinstellt.“ Dann könne sein Team auf Konter lauern. Oder eben auch auf Freistöße hoffen, die ja sein Spezialgebiet sind.

Und sollte dann ausgerechnet Mattuschka das entscheidende Tor erzielen, würde er gleich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Union stünde kurz vor dem Klassenerhalt, Hertha hätte den ersten Matchball im Aufstiegskampf vor sich - und ganz nebenbei könnte sich Mattuschka bei den Herthafans ein wenig für sein Derbytor rehabilitieren.