Zweite Bundesliga

Union hat einen Sandkasten als Fußballplatz

Der Winter hat der Alten Försterei hart zugesetzt: Sand statt sattem Grün. Der "Acker" beeinflusse auch das Spiel, so Trainer Uwe Neuhaus. Doch für den Austausch fehlt das Geld.

Foto: HUpe

Christian Beeck ist stets bemüht, Dinge in ein positives Licht zu rücken. Folglich will der Teammanager des 1. FC Union auch kein böses Wort über die momentan herrschenden Platzverhältnisse im Stadion an der Alten Försterei verlieren. „Wir jammern nicht, sondern nehmen die Gegebenheiten so, wie sie sind, und machen das Beste daraus.“ Ein hehres Ansinnen, das der ehemalige Fußball-Profi damit auch den Spielern des Berliner Fußball-Zweitligisten ins Stammbuch schreibt. An den Tatsachen ändert dies jedoch nichts: Die Platzverhältnisse an der Alten Försterei sind mit Wohlwollen als miserabel zu bezeichnen. Und haben damit einen nicht unerheblichen Einfluss im Kampf um den Klassenerhalt.

Der lange und harte Winter mit seinen Schneemassen im Dezember und Januar sowie wochenlange Temperaturen im zweistelligen Minusbereich haben das Spielfeld extrem in Mitleidenschaft gezogen. Von sattem Grün, wie man es normalerweise von einem Rasen in einem Fußballstadion erwartet und gewohnt ist, ist nichts mehr zu sehen. Fußballspielen im ursprünglichen Sinne des Wortes ist auf einem solchen Acker kaum mehr möglich. Bälle verspringen bei der Annahme, Pässe kommen nicht an, schon nach wenigen Spielminuten ist der Platz, der ohnehin nur noch einem überdimensionalen Sandkasten gleicht, an zahlreichen Stellen bestens umgepflügt. So ließ es sich Trainer Uwe Neuhaus bei seiner Analyse der Niederlage gegen 1860 München auch nicht nehmen, die Platzverhältnisse als Faktor einzubeziehen: „Ich habe zu viele Fehlpässe gesehen, natürlich auch durch den Boden bedingt.“ Doch auch der Übungsleiter will dies nicht als Nörgelei verstanden wissen. Dass die Verhältnisse schlecht sind, „das ist eben so“.

Schnelle Besserung ist jedoch nicht in Sicht. Denn in den vergangenen Wochen absolvierte die Mannschaft zudem zahlreiche Trainingseinheiten in ihrem Stadion. Weil sie schlicht keine andere Möglichkeit hat. Die beiden Rasenplätze vor dem Stadion sind derzeit ebenfalls kaum nutzbar, weil immer noch tiefgefroren. Selbst jetzt liegen neben dem Platz an der Wuhle-Seite noch vereinzelt Schneereste. Eine Rasenheizung gibt es nur im Stadion. So fand die Einheit nach dem 0:1 gegen die Löwen beispielsweise wieder auf einem der Kunstrasenplätze statt hinter dem Stadion statt. Eine Notlösung, mehr allerdings nicht.

Austausch kostet bis zu 150.000 Euro

Die einzig vernünftige Lösung, den Austausch das „Rasens“, lässt sich derzeit nicht umsetzen. „Wir sind in Gesprächen, aber so lange wir permanent Minusgrade haben, können wir nicht wechseln“, erklärte Neuhaus. Anders als zum Beispiel im Westen Deutschlands, wo teilweise Temperaturen um die zehn Grad gemessen werden, würde ein neuer Rasen hierzulande nicht anwachsen. Darüber hinaus ist so ein Wechsel auch eine Kostenfrage. Bis zu 150.000 Euro müsste Union aufbringen für ein neues Geläuf. Geld, das der Klub nicht einfach so aus der Portokasse nehmen kann. Und das er womöglich sparen kann. Denn dass der FC Ingolstadt am Sonntagnachmittag im Kellerduell mit 4:1 beim Karlsruher SC gewinnt und der VfL Osnabrück 1:2 bei Fortuna Düsseldorf unterliegt, spielt den Köpenickern direkt in die Karten.

Und gelingt es Union, den Ligaverbleib in den nächsten drei, vier Spielen nahezu perfekt zu machen, dürfte sich die Diskussion um einen neuen Rasen noch in der Saison erübrigt haben.

Denn – so unwahrscheinlich dies beim jetzigen Anblick auch erscheinen mag – die Chance, den Rasen wieder hochzupäppeln, ist gegeben. Das Wurzelwerk sei noch intakt, heißt es aus Union-Kreisen. Und trotz der kurzen Sommerpause – die Saison 2011/12 beginnt ja bereits am 15. Juli – wäre also genug Zeit, um wieder eine Spielfläche präsentieren zu können, die den Ansprüchen des zweitklassigen Profifußballs genügt.