Zweite Liga

Wie Union den Heimfluch bekämpfen will

Verkehrte Welt bei Union Berlin: Im Gegensatz zur Hinrunde tun sich die Eiseren vor heimischer Kulisse seit Wochen schwerer als in der Fremde. Trainer Uwe Neuhaus: "Die Mannschaft ist zu gierig nach drei Punkten."

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Der Spielplan meint es gut mit dem 1. FC Union. Eigentlich. Denn von dem Vorteil des Berliner Fußball-Zweitligisten, in den 17 Rückrunden-Partien neunmal vor heimischem Publikum antreten zu können, ist nichts zu spüren im Südosten der Hauptstadt. Dabei sollte es die Alte Försterei sein, die als Festung im Abstiegskampf dienen und den Köpenicker Kickern ein drittes Jahr im Bundesliga-Unterhaus nach der Rückkehr 2009 sichern sollte. So weit die Theorie.

Die Realität sieht anders aus. Dreimal in Folge blieb der Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus die volle Punkteausbeute daheim verwehrt, das 0:1 zuletzt gegen 1860 München war dabei die zweite Niederlage in dieser schwarzen Serie. „Aufwand und Ertrag stehen zu Hause in keinem Verhältnis“, bilanzierte Neuhaus nach dem erneuten Rückschlag im Kampf um den Klassenerhalt.

Ursachenforschung. „Es ist ja nicht so, dass wir uns keine Chancen erspielen“, sagte Paul Thomik. Gegen die Münchner Löwen gab es weiß Gott genug erstklassige Möglichkeiten, gleich derer sechs in den ersten 20 Minuten. Die Misere nur am Auslassen der Torchancen festzumachen, ist jedoch zu einfach. Denn Grundstein eines Erfolges ist immer noch eine sichere Defensive. Und von einem „Zu Null“ waren die Unioner in der Alten Försterei zuletzt weit entfernt. Gegen Paderborn, Osnabrück und nun 1860 gab es insgesamt sechs Gegentreffer. Wegen unkonzentrierter Ballverluste und insgesamt „zu vielen Fehlern“, wie Neuhaus bemängelt.

Führten zuvor schwache Leitungen von Beginn an zu Punktverlusten, weil die Aufholjagden nicht oder nur teilweise gelangen, so liegt die Problematik nach dem Spiel vom Freitagabend genau anders herum. „Der Wille war am Limit, das konnte man daran erkennen, dass die Mannschaft die Partie nach einer halben Stunde unbedingt entschieden haben wollte“, erklärte Neuhaus: „Dann stellen sich aber auch Fehler ein, die auf Übermotivation oder Übermut zurückzuführen sind.“ Auch gestern sprach der Coach noch einmal davon, dass „die Gier nach drei Punkten zu groß“ gewesen ist. Eine Gier, die durchaus nachvollziehbar ist nach zwei Auswärtssiegen in Folge, die die eigene Mannschaft mit breiter Brust in ein Heimspiel gehen lässt. Treibt dann auch noch die Kulisse ihre Kicker unablässig nach vorn, erst recht nach solch furiosem Beginn, „schleicht sich immer mehr Unsicherheit rein, wenn man die Chancen nicht nutzt“, so Neuhaus. Und dann passiert eben das, was Innenverteidiger Daniel Göhlert schlicht wie folgt zusammenfasst: „Wir haben es wieder einmal nicht verstanden, über 90 Minuten zu Null zu spielen.“

Es bleibt kurios: Waren es in der Hinrunde noch die Auftritte in der Fremde, die die Unioner zu Hause unter Druck gesetzt haben, punkten zu müssen, um nicht tiefer im Abstiegskampf zu versinken, ist es jetzt genau umgekehrt. Auch das dürfte mit ein Punkt sein, warum es den Berlinern derzeit so schwer fällt, die volle Punktzahl daheim einzufahren. Schon nach dem Erfolg im Derby bei Hertha BSC hatte Neuhaus gewarnt, dass die Erwartungshaltung für die Partie gegen Osnabrück nun eine ganz andere sein werde. Ähnliches galt nun auch vor dem Duell mit den Löwen. Motto: Wer auch in Duisburg gewinnt, der wird auch gegen 1860 erfolgreich sein.

Dass Union dennoch einen Sechs-Punkte-Abstand zum Relegationsplatz halten konnte, ja sogar weiter auf dem zwölften Platz liegt, weil der VfL Osnabrück gestern beim abgeschlagenen Schlusslicht Arminia Bielefeld nicht über ein 1:1 hinausgekommen ist, darf dabei als Glück im Unglück betrachtet werden. Sich auf dieses Glück zu verlassen, wäre jedoch höchst fahrlässig. Immerhin stehen die Unioner nicht in dem Verdacht, so zu handeln. „Es ist noch lange nicht vollbracht“, sagte Göhlert stellvertretend für die gesamte Mannschaft. Und meint damit den Klassenerhalt.

Die nächsten Wochen haben es jedenfalls in sich. Nach dem Gastspiel in Aue warten die beiden Heimauftritte gegen den Aufstiegsaspiranten FC Augsburg und gegen Bielefeld. Union selbst hat bewiesen, dass dies nicht unbedingt ein Vorteil sein muss.