Zweite Liga

Union verliert - Neuhaus gibt Wechselfehler zu

Die alte „Alte Försterei" ist für Union keine Festung mehr. Die Berliner haben gegen 1860 München mit 0:1 verloren. Die Gäste erzielten ihren Siegestreffer zwei Minuten vor Schluss.

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Mit gesenktem Kopf schlich Uwe Neuhaus über den Platz. Alleine hatte er nach Abpfiff noch eine ganze Weile auf der Trainerbank gesessen, sich schließlich als letzter erhoben, und nun setzte er behutsam einen Schritt vor den anderen. Nach ein paar Metern schließlich holte er mit dem rechten Fuß aus und trat mit voller Wucht gegen einen der Matschklumpen, die an diesem Abend fast den gesamten Rasen im Stadion an der Alten Försterei bedeckten. Neuhaus, so schien es, musste erst einmal runterkommen und den Frust in sich hineinfressen. Er wusste: Dieses Spiel, dass sein 1. FC Union da gerade mit 0:1 (0:0) gegen den direkten Tabellennachbarn 1860 München und noch dazu völlig unnötig verloren hatte, wird im Abstiegskampf der Zweiten Fußball-Bundesliga noch richtig weh tun. Ein spätes Tor von Kevin Volland (88.) hatte alle Hoffnungen zunichte gemacht, sich mit einem Sieg auf absehbare Zeit aus dem Dunstkreis der Abstiegszone zu verabschieden.

Als Neuhaus dann gut eine halbe Stunde später Rede und Antwort stand, wirkte er wieder gefasst. „Wir hatten in den ersten 25 Minuten genügend Gelegenheiten, das Spiel in die richtigen Bahnen zu lenken. Das haben wir nicht geschafft“, analysierte er nüchtern und traf damit den Nagel auf den Kopf. Tatsächlich hatten die Unioner vor 14037 Zuschauern einen Blitzstart hingelegt. John Jairo Mosquera (3.) und Torsten Mattuschka (10.) hätten die Köpenicker früh in Führung bringen können. Nur eine Minute später dann eine der Schlüsselszenen des Spiels: Mattuschka flankte auf Dominic Peitz, dessen Kopfball zuerst von Gäste-Torwart Gabor Kiraly aus dem Winkel gekratzt wurde. Dann hatte Peitz per Fuß die zweite Chance, scheiterte mit seinem Schlenzer dieses Mal jedoch an Münchens Antonio Rukavina, der den Ball noch von der Linie köpfte. Überhaupt sollte Rukavina einer der Männer des Spiels sein. Nur drei Minuten später setzte Torsten Mattuschka zu einem seiner berüchtigten Freistöße an. Der Ball segelte mustergültig über die Mauer und in Richtung unteres linkes Eck – Pech für Union, dass sich eben Rukavina nur Sekunden zuvor dafür entschieden hatte, doch noch die Ecke abzusichern. Kiraly wäre diesmal ohne Chance gewesen.

Es war vor allem diese Sturm- und Drang-Phase, die Paul Thomik am Ende resigniert zusammenfassen ließ: „Wenn du keine Tore machst, kannst du auch nicht gewinnen“, sagte er. Keine Frage, Union hätte das Spiel in der ersten Halbzeit für sich entscheiden müssen, auch wenn das offensive, über weite Strecken auch flüssige Spiel durch das Mittelfeld Chancen für den Gegner zuließ. Marcel Höttecke rettete mehrfach in höchster Not. Die größeren Chancen hatte trotzdem Union: Erneut Mattuschka (41.) und Santi Kolk (45.) scheiterten aus aussichtsreicher Position.

In der zweiten Halbzeit verflachte die Partie auf beiden Seiten. Konditionelle Probleme wollten aber alle Beteiligten nicht gelten lassen. „Das sah vielleicht so aus, weil wir unkonzentriert die Bälle verloren haben“, meinte Paul Thomik. Auch Neuhaus beklagte zu viele Ballverluste.“ Doch allen Erklärungsversuchen zum Trotz wirkten seine Spieler kaputt. Die erste, mit offenem Visier gespielte Hälfte hatte sie aufgerieben. Besonders gut zu beobachten an Björn Brunnermann, dem in der ersten Hälfte so ziemlich alles gelang. Er war fast an jeder Offensivaktion beteiligt – in der zweiten Hälfte jedoch lief er häufig nur noch hinterher.

Konditionelle Probleme beim FCU

„Es war alles darauf ausgerichtet, 1860 mit runter zu ziehen, deswegen glaube ich, dass die Mannschaft unbedingt gewinnen wollte“, erklärte Neuhaus, um dann eine gehörige Portion Eigenkritik folgen zu lassen. In dieser Phase des Spiels hätte er erkennen müssen, „dass ein Punkt in Ordnung gewesen“ sei. „Einen Stürmer rauszunehmen und einen Verteidiger zu bringen, hätte der Mannschaft sicher mehr geholfen, das nehme ich dann auch auf meine Kappe“, sagte er. Stattdessen brachte er Halil Savran für Mosquera und Karim Benyamina für Brunnemann. Die Folge war letztlich nur, dass Union bei Kontern immer mehr unter Druck geriet. Als Kevin Volland freistehend vor Höttecke auftauchte und in einer strittigen Szene in der 87. Minute gegen Christian Stuff zu Boden ging, deutete sich an, dass Union noch Unheil drohte. Hatten die Köpenicker hier noch Glück, dass Schiedsrichter Tobias Stieler nicht auf Elfmeter entschied, machte es Volland nur zwei Minuten später besser und vollendete aus halbrechter Position, von der Berliner Verteidigung vollkommen alleine gelassen. So blieb unter dem Strich ein Spiel, dass Union hätte gewinnen können, aber niemals hätte verlieren dürfen. Innenverteidiger Daniel Göhlert resümierte angesichts der Situation im Abstiegskampf: Allen sei klar, „dass wir noch nichts erreicht haben. Da macht uns der Trainer immer wieder klar“, sagte er. Besonders ärgerlich für Göhlert: Gerade gestern hatte er seine Vertragsverlängerung bis 2013 bekannt gegeben. Gerne hätte er mit einem Sieg gefeiert. Auch, weil sein neuer Kontrakt nicht für die Dritte Liga gilt.