Klassenerhalt

Union-Coach Neuhaus warnt vor Gelassenheit

Der Trainer sieht Unions Klassenerhalt noch längst nicht als gesichert an. Unions Ausgangslage sei zwar jetzt komfortabel. Doch sein Ziel sind weiterhin die 40 Punkte. Er ist sich sicher: "Wir könnten 1860 überholen".

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Es gibt Situationen, über die kann selbst Uwe Neuhaus nur noch lachen. So wie gestern etwa, als Christian Beeck, Teammanager des 1. FC Union, gefragt wurde, wie der Verein denn die kommende Saison in der Zweiten Fußball-Bundesliga zu planen gedenke. Jetzt bestünde ja quasi bereits Planungssicherheit. Da blickte Neuhaus nur mit einem überraschten Lachen in den Presseraum, um dann resigniert den Kopf zu schütteln und schließlich sinken zu lassen.

Was habe ich da eigentlich eben die ganze Zeit gepredigt?, schien er sich zu fragen. Denn der Trainer, der schon seit Wochen gegen jedwede Art von Gelassenheit oder Überheblichkeit kämpft, hatte sich zuvor auch gestern wieder alle Mühe gegeben, die Spannung vor dem Spiel morgen gegen 1860 München hochzuhalten.

„Wir müssen den Druck, das Spiel unbedingt gewinnen zu müssen, uns selber machen, und zwar im positiven Sinne“, sagte er zum Beispiel angesichts der Tatsache, dass sowohl Fans wie auch Medien nach dem Sieg in Duisburg das Thema Abstieg in Gedanken wohl etwas vorschnell zu den Akten gelegt haben. „Die Zweite Liga ist noch nicht gesichert“, meint er. Planungssicherheit jedenfalls ist ein Wort, das er nicht gerne hört dieser Tage.

Die Vorzeichen haben sich geändert

Sicher: Unions Ausgangslage ist komfortabel. Die beiden letzten Auswärtsspiele konnten die Köpenicker gewinnen, zu Hause gegen Osnabrück gelang vor zwei Wochen immerhin ein Unentschieden. Warum aber, das stand gestern über allem, soll der Druck plötzlich weg sein? Letztlich haben sich nur die Vorzeichen verändert. Standen die Köpenicker wochenlang zu Hause unter Zugzwang, weil der ersehnte Befreiungsschlag in der Fremde einfach nicht gelingen wollte, müssen die Punkte aus dem Derby gegen Hertha und aus Duisburg morgen gegen 1860 München endlich vergoldet werden.

„Ich denke, dass wir eine ähnliche Konstellation wie zuletzt haben, wir könnten 1860 überholen“, sagt Neuhaus. Klar ist: Ein Sieg gegen die schwächelnden Münchner, die aus den vergangenen acht Spielen nur einen Sieg holten, könnte Ruhe in den Verein bringen. Klar ist aber auch, dass Union sofort wieder in den direkten Abstiegskampf zurückfiele, sollte das Spiel verloren gehen. Der Trainer jedenfalls will keine vorschnellen Schlüsse aus den derzeitigen Leistungen der Münchner ziehen. „Sie sind nicht gut in die Rückrunde gestartet, also werden sie mit einer gehörigen Portion Wut auflaufen“, warnt er. Und auch Teammanger Beeck schaute nur nach vorn: „Der Sieg in Duisburg ist Vergangenheit. Wir müssen wieder die Dinge umsetzen, die wir uns vorgenommen haben“, sagte er.

Wie in Duisburg wieder zu null zu spielen, könnte dazu gehören; eine Vorgabe, bei der es der einmal mehr umgestalteten Berliner Hintermannschaft zu Gute kommen wird, dass Münchens Torjäger Benjamin Lauth (10 Treffer) mit einer Gelbsperre fehlen wird. Aber auch so bleibt die Abwehr im Blickpunkt. Die beiden Außenverteidiger Christoph Menz (Muskelfaserriss) und Patrick Kohlmann (Bänderdehnung) fallen aus. Michael Parensen, das verriet der Trainer schon gestern, wird für Kohlmann in die Viererkette gezogen.

Das Ziel sind weiter 40 Punkte

Damit ergeben sich natürlich Umstellungen im Mittelfeld, gut möglich, dass Neuhaus auch Paul Thomik in die Abwehr beordert. Dann könnte Santi Kolk auf die Außenbahn ausweichen und den Platz in der Spitze für Karim Benyamina freimachen. Aber ganz egal, wer es am Ende richten wird: Am Ende soll der zweite Heimsieg in 2011 her.

Auch für diesen Fall hat Neuhaus eine Rechnung parat, die jede Euphorie im Keim erstickt: „Letztes Jahr hatten wir nach 24 Spielen bereits 34 Punkte, hatten 12 Punkte Vorsprung“, rechnet er vor. Der Gedanke daran, dass es trotzdem bis zum vorletzten Spieltag dauerte, bis Union auch rechnerisch nicht mehr absteigen konnte, gibt seinen Warnungen Recht.

„Ich will wirklich keine Angst machen, aber das Ziel muss weiter lauten, 40 Punkte zu holen“, sagt er: „Ein scheinbar sicherer Vorsprung muss nicht sicher sein.“ Nun muss man wissen, dass sich Neuhaus da auf ein miserables Saisonfinale bezieht. Denn dem besagten Spieltag folgten acht Spiele ohne Sieg. Ein Szenario, das Neuhaus wohl eher der Statistik wegen anführte. Denn er sagte auch: „Ich gehe nicht davon aus, dass so etwas noch einmal passiert.“