1. FC Union

Chinedu Ede hat sein Lied von den Fans verdient

Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist der 24-Jährige mit zwei Toren in den letzten beiden Spielen endgültig beim 1. FC Union angekommen. Und wird nun von den Fans sogar in einem eigenen Lied besungen.

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Für verdiente Spieler gibt es beim 1. FC Union ein Lied von den Fans. Für den Kapitän, klar, schallt schon seit knapp einem Jahr „Torsten Mattuschka“ textsicher von den Rängen. Aber für Chinedu Ede? Dem so Gefeierten ist die Huldigung selbst ein wenig unheimlich. „Jetzt habe ich zwei Spiele hintereinander getroffen, plötzlich bin ich der Held“, sagt der 24-Jährige. Als Melodie haben sich die Anhänger den 80er-Jahre-Hit „Give it up“ von „KC and the Sunshine Band“ ausgesucht. „Das ist das Schönste am Fußball, wenn man so etwas erfährt. Da bekommt man Gänsehaut, wenn man da steht und das hört. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet“, erzählt der Mittelfeldspieler mit einem Lächeln.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die genaue Übersetzung des Titels „Gib es auf“ bedeutet. Denn genau das ist es, was Chinedu Ede nicht zu tun gedenkt, seit er Mitte Januar vergangenen Jahres an die Alte Försterei gewechselt ist. Der Berliner, der neun Jahre für Hertha BSC die Fußball-Schuhe geschnürt und ein wenig ruhmreiches Kapitel beim MSV Duisburg hinter sich hat, ist beim Berliner Fußball-Zweitligisten angetreten, um sich durchzusetzen. Nicht zuletzt seine Treffer beim Union-Gastspiel in Duisburg (1:0) und eine Woche zuvor beim 3:3-Krimi gegen Osnabrück haben gezeigt, dass er sich auf dem richtigen Weg befindet. Das bestätigt auch sein Trainer. „Stück für Stück kommt er dem ein bisschen näher“, sagt Uwe Neuhaus.

Zeit wird es, möchte man meinen. Denn nur als Mitläufer haben sie einen wie Ede sicherlich nicht geholt. Auch wenn das Laufen an sich zu seinen Stärken zählt. Dass er nun auch Torjägerqualitäten an den Tag legt, überrascht dennoch ein wenig. „In der Konsequenz schon“, bestätigt Neuhaus. Und hofft, „dass er so weiter macht. Denn es war sicher auch ein wenig sein Handicap, dass er gute Ansätze nicht zur Vollendung gebracht hat“. Es liegt in Edes Natur, dass er den Siegtreffer von Duisburg, dessen Vorbereitung er im Übrigen mit einem Pass selbst eingeleitet hat, nicht für sich allein beansprucht. „Ich bin einfach in die Lücke gegangen und habe auch ein wenig Glück gehabt, dass der Ball genau dorthin kommt“, sagt er also.

Es war der Höhepunkt, seitdem Ede wieder in seine Heimatstadt gewechselt ist. Denn der Start war alles andere als von Erfolg begleitet. „Ich denke nicht, dass ich vorher schlechter gespielt habe“, sagte Ede zwar, fügt aber auch hinzu: „Das ist normal, wenn ich mitten in der Saison in eine intakte Mannschaft komme. Dann fällt es auch schwerer, direkt ins Team zu stoßen.“ Hinzu kam die sportliche Situation beim damaligen Aufsteiger, der sich wegen siegloser Wochen immer mehr der Abstiegsregion näherte, „und wir teilweise auch wieder Michael Bemben und Marco Gebhardt ausgepackt haben“, erzählt Neuhaus. Worte wie „Akklimatisation im ersten halben Jahr“ machen die Runde.

Die Routiniers mussten Union im Sommer den Rücken kehren. Und Ede hat es seitdem auf 22 Einsätze gebracht, davon 13 in der Startelf, und auf vier Tore. Ein guter Wert, auch wenn nicht vergessen werden sollte, dass einige Einsätze in der Hinrunde nicht zuletzt auf die angespannte personelle Situation zurückzuführen sind. Doch auch davon ließ sich Ede nicht abschrecken. „Wenn er jedes Mal das auf den Platz bringt, was er drauf hat, dann wird er den nächsten Schritt auch noch machen“, sagte Neuhaus. Er ist mit Edes Entwicklung zufrieden: „Aber er darf jetzt nicht aufhören und ist sicher auch noch nicht am Ende.“

Apropos Ende. Nach dem Abpfiff in Duisburg fiel es Ede zunächst schwer, eine passende Reaktion auf den Gesang zu finden: „Ich bin nicht unbedingt der Typ, der nach vorne geht und rumspringt. Aber wenn das schon angestimmt wird, bin ich auch dabei.“ Insofern darf der Köpenicker Fanchor auf weitere Auftritte eines Matchwinners Chinedu Ede hoffen.