Fußball

1. FC Union stößt an seine finanziellen Grenzen

Der Berliner Zweitligist hat sich bislang erfolglos auf die Suche nach einem Schnäppchen auf dem Transfermarkt gemacht. Den Weg zum Klassenerhalt wird Union aufgrund der Finanzlage wohl mit dem vorhandenen Personal bestreiten müssen.

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Die Beobachter an der Alten Försterei mussten schon genau hinschauen. Sollte es doch noch wahr geworden sein? Hat der 1. FC Union kurz vor Ende der Transferperiode am Montag es doch noch geschafft, einen Zugang, eine Verstärkung für die restlichen Rückrunden-Spiele in der Zweiten Liga zu finden? Die Aussicht auf ein neues Gesicht bei den Köpenicker Kickern wich bald der Erkenntnis: Der Mann, der sein Gesicht hinter einer Maske verbarg, war Dominic Peitz. Als „sehr gewöhnungsbedürftig“ stufte der defensive Mittelfeldspieler jenen Schutz ein, der seinen Einsatz am Sonntag gegen den SC Paderborn trotz Nasenbeinbruchs ermöglichen soll. Am Freitag soll die Maske noch einmal nachjustiert werden.

So wird es wohl dabei bleiben: Union wird ausschließlich mit dem vorhandenen Personal den Weg zum Klassenerhalt bestreiten. Ein Novum in der Ära von Trainer Uwe Neuhaus, die im Sommer 2007 begann. Was nicht heißt, dass der aktuelle Kader keine Auffrischung nötig hätte. „Auf jeder Position ist eine Steigerung möglich“, weiß nicht nur Neuhaus. Es ist wie so oft in der Vergangenheit des Klubs: Die Finanzen machen einer Qualitätssteigerung im sportlichen Bereich einen dicken Strich durch die Rechnung. „Man muss einfach sehen, welches Niveau wir mit unseren finanziellen Mitteln erreichen können“, erklärte der Coach. Offenbar kein höheres als das derzeit vorhandene. Einen Stürmer, „der uns 30 Tore garantiert, können wir nicht bezahlen“, so Neuhaus weiter.

Dennoch ist es in den Vorjahren stets gelungen, ein Schnäppchen im Winterschlussverkauf zu machen. 2008 holte Union zum Beispiel Stürmer Shergo Biran, ein Jahr später war es Angreifer Kenan Sahin, der an der Rückkehr in die Zweite Liga maßgeblichen Anteil haben sollte. Und im Vorjahr wurden die Außenbahnen mit Paul Thomik und Chinedu Ede verstärkt. Irgendetwas ging also immer, warum nicht auch in diesem Jahr?

Keine Erhöhung des finanziellen Spielraums

Christian Beeck, Unions Teammanager, reagiert jedenfalls gelassen, zumindest nach außen hin. Der Markt habe sich im Vergleich zu den Vorjahren verändert. „Die Nischen, wo Spieler nicht zum Zuge kommen, wurden schon im Sommer abgegrast oder sind, wie im Falle der Bundesliga, gar nicht vorhanden“, sagte Beeck. Und eine Erhöhung des finanziellen Spielraums hat es für die Profiabteilung nicht gegeben. Weder durch die Klubführung um Präsident Dirk Zingler, die in der Hinrunde erklärt hatte, für den Klassenerhalt an die Grenzen des wirtschaftlich Machbaren zu gehen. Noch durch Abgänge, deren Gehälter Union dann in neue Spieler investieren könnte. Jerome Polenz und Kenan Sahin, die von der sportlichen Leitung frei gestellt wurden, entpuppen sich als Ladenhüter. Und während Sahins Vertrag im Sommer ausläuft, könnte die Personalie Polenz, dessen Kontrakt noch bis 2013 läuft, den Union-Etat sogar noch länger belasten.

Doch was ist mit einem Blick über den Tellerrand der nationalen Kickerbranche hinaus? „Für die konsequente Beobachtung des ausländischen Marktes besitzen wir noch nicht die Möglichkeiten, um immer mit den aktuellen Informationen versorgt werden zu können“, erklärte Beeck. Angesichts der Scoutingabteilung, die eigentlich nur auf dem Papier existiert, nachvollziehbar.

Doch von den Möglichkeiten einmal abgesehen, macht es ohnehin nur noch wenig Sinn, nach dann drei gespielten Partien noch jemanden für den Rest der Saison zu verpflichten. Denn bis sich ein möglicher Zugang mehr oder weniger bei Union eingelebt hat, ist die Saison auch schon vorbei. Und Spieler, die die Qualität sofort auf einen höheren Level setzen können, sind ja für die Berliner nicht zu bezahlen. „Die Integration von neuen Spielern ist immer mit Risiken verbunden, da wissen wir mit umzugehen“, sagte Teammanager Beeck. Zur Anwendung wird dieses Wissen in diesem Winter allerdings nicht mehr kommen.