Zweite Bundesliga

Union muss Niederlage in Fürth teuer bezahlen

Union Berlin bringt auswärts nicht die Leistung, die das Team zu Hause bringen kann. Das ist das Fazit aus der Niederlage in Fürth - die noch Auswirkungen haben wird: Peitz zog sich einen Nasenbeinbruch zu, Rauw sah Rot.

Es gab Gesprächsbedarf. Also standen Torsten Mattuschka, Christian Stuff, Bernd Rauw und an der Seitenlinie auch Teammanager Christian Beeck vor und neben Schiedsrichter Patrick Ittrich und redeten auf den Unparteiischen aus Hamburg ein. Sie hofften auf eine Begründung, warum Rauw gerade mit Rot vom Platz gestellt wurde und der 1. FC Union damit die Partie bei der SpVgg Greuther Fürth in Unterzahl beenden musste. Als ob das 0:1 (0:0) nicht genug Strafe wäre für den Berliner Fußball-Zweitligisten. Doch Rauws – nennen wir es – Wischer gegen den Fürther Nicolai Müller vor einem Einwurf ließ Ittrich keine andere Wahl, als darin eine Tätlichkeit zu erkennen.

Einfluss auf den Spielausgang hatte die Szene in der dritten Nachspielminute nicht mehr. Rauws Einwechslung in der 58. Minute hingegen schon. Der Belgier kam für Dominic Peitz. Unions Abräumer im Mittelfeld wurde vorher in einem Luftzweikampf durch den Ellenbogen von Leonard Haas niedergestreckt. Haas sah zu Recht Gelb, Peitz musste jedoch mit einem gebrochenen Nasenbein vom Platz. Eine Schwächung, die Union nur schwer kompensieren konnte. Und Fürth damit einen Vorteil verschaffte.

Denn bis zu jener Szene nach knapp einer Stunde waren die Unioner bei den Mittelfranken über weite Strecken durchaus gleichwertig. Warum es dennoch nicht wenigstens zu einem Teilerfolg gereicht hat? „Weil wir nicht das auf den Platz gebracht haben, was wir zu Hause immer auf den Platz bringen“, wusste Trainer Uwe Neuhaus schnell eine Antwort. Später sprach er davon, dass „die letzte Galligkeit gefehlt hat“. Sein Kapitän sah es ähnlich. „Der Wille war da, doch zu Hause mit den Fans im Rücken ist es einfacher. Wir können ja Fußball spielen, nur auswärts klappt es nicht“, sagte Mattuschka. Die Zahlen belegen, welch gern gesehener Gast Union ist: von zehn Auswärtsspielen der Saison gingen sieben verloren, in den vergangenen 22 Partien in der Fremde gab es nur einen Sieg, das seinerzeit so wichtige 2:1 bei Arminia Bielefeld. Immerhin bleibt Union Zwölfter, da auch die Konkurrenz reihenweise gepatzt hat.

Trotz der Umstellungen, die der Trainer ungewollt hat vornehmen müssen, fremdelten die Unioner vor 6480 Zuschauern ganz und gar nicht. Patrick Kohlmann fiel wegen Grippe kurzfristig aus, so entschied sich Neuhaus für die Ein-Stürmer-Variante mit Halil Savran in vorderster Front. Michael Parensen rückte in die Viererabwehrkette zurück, Santi Kolk ins Mittelfeld. Doch die Angriffsbemühungen, vornehmlich über die linke Seite vorgetragen, blieben meist schon in Ansätzen stecken. Setzte sich Kolk dann doch einmal durch, wurde entweder Savran im Strafraum von Kim Falkenberg im letzten Moment gestoppt (2.), oder Macchambes Younga-Mouhani drosch den Ball über das Tor (38.). Auf der Gegenseite scheiterte Edgar Prib mit einem Kopfball aus sechs Metern (14.).

Die Entscheidung fiel eine Viertelstunde vor Schluss. Der eingewechselte Kingsley Onuegbu setzte sich mit mehr oder weniger fairen Mitteln gegen Christian Stuff durch, passte den Ball auf die rechte Seite zu Felix Klaus, der zunächst Parensen und aus 16 Metern schließlich auch Jan Glinker verlud. Der Torwart hatte den Vorzug vor Marcel Höttecke bekommen, weil dieser von Trainer Neuhaus nach auskuriertem Muskelfaserriss für noch nicht fit genug befunden wurde. Da der entscheidende Treffer Sonntagnachmittag im kurzen Eck, gemeinhin auch als Torwart-Ecke bekannt, einschlug, wird die Torwart-Diskussion bei Union weiter angeheizt. Es passt ins Bild, dass Kolk vor dem Gegentreffer eine hundertprozentige Torchance verstolperte, noch dazu völlig frei vor Fürth-Keeper Alexander Walke (74.).

„Wir mussten Geduld haben“, nannte hinterher Fürths Trainer Michael Büskens sein Erfolgsrezept. Geduld und Glück, denn der Heber des eingewechselten Karim Benyamina war durch Walke nur abzuwehren, weil er von Stephan Schröck vorher noch abgefälscht wurde (89.).